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Grodek
– Werkseintrag –

Grodek

· Lyrik

Trakls letztes Gedicht, in siebzehn Versen aus dem Grauen einer Schlacht des Ersten Weltkriegs hervorgegangen, die er als Sanitäter miterlebte.

Überblick

Mit Grodek hat Georg Trakl eines der bekanntesten deutschsprachigen Gedichte über den Ersten Weltkrieg geschaffen. Es entstand im Herbst 1914. Kurz zuvor hatte der Dichter als Sanitäter eine besonders blutige Schlacht in Ostgalizien miterlebt. Nur wenige Wochen später war Trakl tot. Grodek gilt als sein letztes Gedicht und erschien kurz nach seinem Tod in der Zeitschrift Der Brenner. In siebzehn Versen verdichtet es das Grauen des Krieges zu einer dunklen, bildmächtigen Klage.

Inhalt (ohne Spoiler)

Das Gedicht setzt am Abend ein, auf den goldenen Ebenen einer Landschaft, über die der Krieg gezogen ist. Die Wälder, die Sonne und die Felder werden in düstere Farben getaucht. In das Bild der friedlichen Natur mischen sich die Spuren der Schlacht. Trakl ruft eine herbstliche Welt auf, in der die Waffen verstummt sind. Doch das Geschehene bleibt allgegenwärtig: zerbrochene Krieger, dunkles Blut, Klagestimmen. Über dem Geschehen schwebt eine Gestalt, die das Leid zu fassen versucht, ohne es lindern zu können. Was sich in den letzten Versen ankündigt, soll der Leser selbst entdecken.

Die Handlung im Detail

Ein erzählender Plot im engeren Sinn fehlt; das Gedicht entwirft in siebzehn Versen eine Folge von Bildern, die auf die Schlacht von Gródek im September 1914 zurückweisen. Es beginnt mit den Worten Am Abend: Über goldenen Ebenen tönen herbstliche Wälder von tödlichen Waffen, die Sonne rollt düster über die Landschaft, die Nacht umfängt sterbende Krieger. Aus dem Weidengrund klagt das vergossene Blut, das sich zu Pfützen sammelt. Mond und kühle Wolken treten hinzu, eine rote Wolke, in der ein zürnender Gott wohnt, steht über der Szenerie.

In der zweiten Bildfolge erscheint die Schwester als trauernde Gestalt, die die Geister der Helden, die blutenden Häupter, grüßt. Schwarze Flöten klingen im herbstlichen Hain, eine stolzere Trauer flammt auf den Altären. Am Ende öffnet sich der Blick auf das, was die Schlacht hinterlässt: Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz, und die letzten beiden Verse benennen die Verluste, die über die gefallenen Männer hinausreichen – die ungeborenen Enkel, die nun nicht mehr leben werden. Das Gedicht endet in dieser Klage über das, was an Zukunft ausgelöscht ist.

Stil

Das Gedicht umfasst siebzehn Verse von unterschiedlicher Länge. Es gibt keine Reime und kein festes Metrum. Es folgt aber einem freien rhythmischen Muster, das stark auf dreisilbigen Versfüßen beruht. Bis auf eine Ausnahme enden alle Zeilen mit einem Substantiv. Nur die achte Zeile, in der ein zürnender Gott genannt wird, durchbricht dieses Muster. Die Verseinteilung deckt sich nicht mit der inhaltlichen und satzbaulichen Gliederung. Trakl schiebt Sätze über die Verszeilen hinweg.

Wie mehrere andere Gedichte Trakls beginnt Grodek mit den Worten Am Abend. Der Tonfall ist von der österreichischen Sprachmelodie geprägt. Diese schlägt sich auch in den Silbenzahlen nieder – etwa in der zweiten Zeile mit den goldnen Ebenen oder in der Schlusszeile mit den ungebornen Enkeln. Statt einer geschlossenen Erzählung reiht Trakl Bilder aneinander. In ihnen greifen Naturbeschreibung, Farbsymbolik und Klage ineinander.

Rezeption

Das Gedicht Grodek erschien kurz nach Trakls Tod in der Zeitschrift Der Brenner. Seither gehört es zu den meistgelesenen deutschsprachigen Gedichten über den Ersten Weltkrieg. Es hat Komponisten und bildende Künstler bis in die Gegenwart hinein angeregt. Heinz Winbeck legte das Gedicht seiner dritten Sinfonie Grodek (1987/88) zugrunde. Dieses rund einstündige Werk für Altstimme, Sprecher und großes Orchester wurde 1988 uraufgeführt. Die bildende Künstlerin Beate Passow schuf 2015 eine Arbeit mit dem Titel Grodek. Der Text des Gedichts ist dort in der Form von Trakls Handschrift auf eine grüne NASA-Satellitenkarte gestickt, über die der Schatten des Dichters fällt. Die fehlenden Grenzen auf der Karte und der Bezug zu militärischer Kartografie verbinden Trakls Klage mit den Kriegen der Gegenwart.

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