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Werkseintrag · Hoppla, wir leben!
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Cover Hoppla, wir leben!
Hoppla, wir leben!
1927
– Werkseintrag –

Hoppla, wir leben!

1927 · Drama

Ein Revolutionär kehrt nach acht Jahren in der Psychiatrie in eine Gesellschaft zurück, in der seine einstigen Weggefährten ihre Ideale längst aufgegeben haben.

Überblick

Das Drama Hoppla, wir leben! gehört zu den bekanntesten Bühnenwerken Ernst Tollers. Es ist ein expressionistisches Theaterstück in fünf Akten mit einem Vorspiel. 1927 wurde es zur Einweihung der Piscator-Bühne im Berliner Theater am Nollendorfplatz uraufgeführt. Nach Die Wandlung war es Tollers zweites Theaterstück und trägt wie dieses stark autobiografische Züge. Das Vorspiel spielt 1919, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, die fünf Akte dagegen in der damaligen Gegenwart des Jahres 1927. Das Stück wurde zu Tollers erfolgreichstem Theaterstück und in neun Sprachen übersetzt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht Karl Thomas, der sich 1919 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Eva Berg und seinem Freund Wilhelm Kilman an einem Aufstand beteiligt. Alle drei werden dafür zum Tode verurteilt. Thomas entgeht dem Urteil, wird aber in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Erst acht Jahre später, im Jahr 1927, kommt er wieder frei.

Er kehrt in ein Deutschland zurück, das er kaum wiedererkennt. Aus den einstigen Mitstreitern sind längst andere Menschen geworden: Manche haben sich der neuen Ordnung angepasst und Karriere gemacht, andere haben ihre Überzeugungen aufgegeben oder zerbrechen an der veränderten Welt. Das Stück zeigt eine Gesellschaft der Weimarer Republik, in der die revolutionären Hoffnungen von einst erloschen sind. Wie Thomas mit dieser Enttäuschung ringt und was ihm in der neuen Zeit begegnet, treibt die Handlung voran.

Die Handlung im Detail

Das Vorspiel führt ins Jahr 1919 und spielt in einer großen Gefängniszelle. Sechs Häftlinge sitzen dort ein, die sich am Spartakusaufstand im Januar 1919 beteiligt haben. Angesichts der Niederlage der deutschen Räterepubliken haben sie ihre sozialistischen und anarchistischen Ideale aufgegeben. Unter ihnen sind Karl Thomas, seine Lebensgefährtin Eva Berg und sein Freund Wilhelm Kilman. Alle werden zum Tode verurteilt. Ein Zwischenspiel mit Filmszenen aus den Jahren 1919 bis 1927 überbrückt die Zeit und leitet in den Hauptteil über.

Karl Thomas wird nach seiner Verurteilung begnadigt und in eine forensische Psychiatrie eingewiesen. Acht Jahre später, 1927, wird er entlassen. Er findet sich in einem Deutschland wieder, das ihm fremd geworden ist. Seine früheren Gefährten haben sehr unterschiedliche Wege eingeschlagen. Einige haben sich gesellschaftlich angepasst; sein einstiger Mitstreiter Wilhelm Kilman ist inzwischen Minister geworden. Andere beteiligen sich an Wahlen, die ihnen sinnlos erscheinen, oder verfallen dem Wahnsinn.

Kilman wird ermordet. Die Tat begeht in Wirklichkeit ein rechtskonservativer Auftragsmörder. Der Verdacht aber fällt auf Karl Thomas. Er wird für verrückt erklärt. Am Ende erhängt sich Thomas.

Stil

Als expressionistisches Theaterstück verbindet das Werk verschiedene Ausdrucksmittel und Schauplätze zu einem eindringlichen Zeitbild. Die Uraufführung fand auf der Piscator-Bühne statt. Passend dazu wird die Handlung durch ein Zwischenspiel mit Filmaufnahmen aus den Jahren 1919 bis 1927 fortgeführt, das den Sprung über die acht Jahre sichtbar macht. Für die Uraufführung schuf Edmund Meisel die Bühnenmusik.

Der Bau des Stücks setzt Vorspiel und Hauptteil bewusst gegeneinander: Das Vorspiel spielt 1919, die fünf Akte in der Gegenwart des Jahres 1927. Die Handlung wandert dabei durch wechselnde Schauplätze, unter anderem durch die Kanzlei einer Irrenanstalt, das Arbeitszimmer des Ministers, ein Zimmer bei Eva Berg, eine Arbeiterwirtschaft, ein Grand Hotel und schließlich das Gefängnis. So entsteht ein breites Panorama der Gesellschaft der Weimarer Republik.

Rezeption

Zum erfolgreichsten Theaterstück Tollers wurde Hoppla, wir leben!, das in neun Sprachen übersetzt wurde. Wie Tollers übrige Werke fiel auch dieses Stück der nationalsozialistischen Bücherverbrennung zum Opfer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es mehrfach neu auf die Bühne gebracht, unter anderem 1951 durch den italienischen Regisseur Giorgio Strehler und 1984 durch Rüdiger Kuhlbrodt am Westfälischen Landestheater. Der britische Dramatiker Mark Ravenhill nahm das Werk zur Vorlage für sein Stück Some Explicit Polaroids von 1999. 1983 entstand zudem eine rund 112-minütige Hörspielfassung, die Willi Schmidt für den SFB einrichtete und selbst inszenierte; die Erstsendung fand am 16. November 1983 statt.

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