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Werkseintrag · Quo Vadis
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Cover Quo Vadis
Quo Vadis
1895
– Werkseintrag –

Quo Vadis

1895 · Roman

Im prunkvollen Rom des Kaisers Nero verliebt sich ein junger Patrizier in eine Christin – und gerät zwischen zwei Welten, die unversöhnlicher kaum sein könnten.

Überblick

Der Roman Quo Vadis des polnischen Schriftstellers Henryk Sienkiewicz führt in das Rom des Kaisers Nero und schildert die Anfänge des Christentums. Er erschien erstmals 1895. Der Titel geht auf eine alte Legende zurück: die Wiederbegegnung des Apostels Petrus mit Jesus. Das Buch wurde rasch zu einem großen Erfolg und machte den Autor weltberühmt; als Sienkiewicz 1905 den Nobelpreis für Literatur erhielt, würdigte die Begründung sein episches Gesamtwerk, nicht ein einzelnes Buch. Bis heute zählt es zu den bekanntesten historischen Romanen über die frühe Christenheit und wurde mehrfach verfilmt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Rom des Kaisers Nero verliebt sich der junge Patrizier Marcus Vinicius in Lygia, eine Königstochter vom Volk der Lygier. Einst kam sie als Geisel in die Stadt; nun lebt sie bei ihren Adoptiveltern, dem General im Ruhestand Aulus Plautius und dessen Frau Pomponia Graecina. Was Vinicius lange nicht ahnt: Lygia gehört den Christen an, einer damals noch kleinen und beargwöhnten Gemeinschaft. Zwischen dem verwöhnten Adligen und der gläubigen jungen Frau prallen zwei Lebenswelten aufeinander.

Um dieses Liebespaar entfaltet der Roman ein weites Bild der Kaiserzeit. Am Hof Neros bewegt sich der einflussreiche Petronius, der dort eine Art Kanzleramt bekleidet; in der Stadt wirken in diesen Jahren die Apostel Petrus und Paulus. Bald geraten die Liebenden in den Strudel der neronischen Christenverfolgung des Jahres 64. Ob die beiden zueinanderfinden und wie sie dieser Bedrohung standhalten, treibt die Handlung voran.

Die Handlung im Detail

Der junge Patrizier Marcus Vinicius verliebt sich leidenschaftlich in Lygia. Sie ist die Tochter eines Königs vom Volk der Lygier und kam einst als Geisel nach Rom; nun lebt sie bei ihren Adoptiveltern, dem angesehenen General im Ruhestand Aulus Plautius und dessen Frau Pomponia Graecina. Vinicius, an die rasche Erfüllung seiner Wünsche gewöhnt, wendet sich an den einflussreichen Petronius, um Lygia für sich zu gewinnen. Petronius bekleidet am Hof Neros den Rang eines Kanzlers und besitzt großen Einfluss.

Doch Lygia ist Christin. Ihre Gemeinschaft – noch klein, arm und von den Römern misstrauisch beäugt – hält fest zusammen; über sie wacht der hünenhafte, ihr treu ergebene Ursus. In Rom wirken in diesen Jahren auch die Apostel Petrus und Paulus. Je näher Vinicius der jungen Frau und ihrem Glauben kommt, desto mehr gerät seine eigene, von Genuss und Macht bestimmte Welt ins Wanken.

Über allem thront Kaiser Nero, umgeben von seiner Gattin Poppaea Sabina und dem skrupellosen Tigellinus. Im Jahr 64 bricht die große Verfolgung über die Christen herein. Sienkiewicz schildert die Hinrichtungen mit drastischer Deutlichkeit: Menschen werden von wilden Tieren zerrissen oder als lebende Fackeln verbrannt, während das Volk in den Arenen zusieht. Auch Lygia gerät in tödliche Gefahr – doch der riesenhafte Ursus rettet sie mit gewaltiger Kraft.

Sienkiewicz erzählt die Ereignisse historisch weitgehend getreu und zugleich mit deutlicher Sympathie für die Christen. Die Verfolgung vernichtet die junge Gemeinde nicht. Der Roman schließt mit einem Ausblick auf das weitere Wachstum der Kirche in Rom.

Stil

Als historischer Roman zeichnet Quo Vadis ein breites, farbenreiches Bild des antiken Rom. Sienkiewicz stellt zwei Welten einander gegenüber: den glänzenden, doch verdorbenen Hof Neros mit seinen Festen und Intrigen auf der einen, die arme und standhafte Gemeinschaft der frühen Christen auf der anderen Seite. Die grausamen Schilderungen der Verfolgung – Menschen, die von wilden Tieren zerrissen oder als lebende Fackeln verbrannt werden – sind bewusst drastisch gehalten. Sie folgen einer antiken Vorlage, dem Bericht über die Christenverfolgung in den Annalen des Geschichtsschreibers Tacitus.

Historische Gestalten wie Kaiser Nero, der Höfling Petronius und die Apostel Petrus und Paulus treten neben frei erfundene Figuren: Marcus Vinicius, Lygia und der treue Ursus sind Schöpfungen des Autors. Insgesamt bleibt der Roman historisch weitgehend zuverlässig, färbt die Ereignisse aber deutlich zugunsten der Christen. In der Figur der Lygia klingt zudem das eigene Land des Autors an. Zur Entstehungszeit war Polen zwischen fremden Mächten aufgeteilt, und das Volk der Lygier, dem Lygia entstammt, siedelte einst im Gebiet des späteren Großpolen.

Rezeption

Schon kurz nach seinem Erscheinen wurde der Roman zu einem großen Erfolg und verkaufte sich in hohen Auflagen. Umstritten waren allein die teils sehr detailliert geschilderten Grausamkeiten in den Kapiteln über die Hinrichtung der Christen. Für Sienkiewicz bedeutete das Buch den Durchbruch zu weltweitem Ruhm: 1905 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, dessen Begründung allerdings sein gesamtes episches Schaffen würdigte und kein einzelnes Werk nannte.

Der Stoff wurde vielfach für Bühne, Musik und Film bearbeitet. Bereits 1901 entstand eine erste Verfilmung. Die italienische Fassung von Enrico Guazzoni aus dem Jahr 1913 gilt als der erste Monumentalfilm der Filmgeschichte. Am bekanntesten wurde der Hollywood-Film von 1951 mit Peter Ustinov als Nero. 1985 folgte eine italienische Fernsehserie mit Klaus Maria Brandauer in der Rolle des Kaisers, 2001 eine polnische Verfilmung von Jerzy Kawalerowicz. Auch die Musik griff den Stoff auf – in einem Oratorium des Komponisten Feliks Nowowiejski, das 1907 uraufgeführt wurde, und in einem Musical, das 2005 im Trierer Amphitheater erstmals gespielt wurde.

Um den Roman rankt sich zudem eine alte Streitfrage. Wegen Ähnlichkeiten in Ort, Zeit und Figuren wurde ein Zusammenhang mit dem Bühnenstück Im Zeichen des Kreuzes von Wilson Barrett vermutet, das rund elf Monate früher herauskam. Ob Sienkiewicz das Stück im geteilten Polen überhaupt kannte, ist jedoch fraglich. Romane über diese Epoche waren seit dem Erfolg von Ben Hur ohnehin beliebt.

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