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Autoreneintrag · Henryk Sienkiewicz
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Porträt Henryk Sienkiewicz
Henryk Sienkiewicz
1846 – 1916
– Autorenporträt –

Henryk Sienkiewicz

1846 – 1916 · 70 Jahre

Polnischer Erzähler historischer Romane und Schöpfer von „Quo Vadis“ – 1905 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Kurzbiografie↑

Henryk Sienkiewicz war ein polnischer Schriftsteller. Er wurde 1846 im damals zum Russischen Kaiserreich gehörenden Kongresspolen geboren und starb 1916 im Schweizer Exil. Bekannt wurde er vor allem durch historische Romane. Diese hatten Episoden der polnischen Geschichte ebenso wie die frühe Christenheit zum Thema. Weltweite Berühmtheit erlangte er mit dem Roman Quo Vadis von 1896, der die Christenverfolgung unter Kaiser Nero schildert. Im Jahr 1905 erhielt er „auf Grund seiner großartigen Verdienste als epischer Schriftsteller“ den Nobelpreis für Literatur. Bis heute zählt er zu den meistgelesenen Autoren der polnischen Literatur.


Biografie↑

Geboren wurde Henryk Adam Aleksander Pius Sienkiewicz am 5. Mai 1846 in Wola Okrzejska, einem Ort im damals russisch beherrschten Kongresspolen. Er war das älteste von fünf Kindern. Sein Vater Józef Sienkiewicz (1813–1896) gehörte dem einfachen Landadel an, seine Mutter Stefania Cieciszowska († 1873) entstammte dem polnischen Adel. Über seine Verwandtschaft war er in eine literarisch bedeutsame Familie eingebunden. Eine Cousine zweiten Grades war die romantische Dichterin Jadwiga Łuszczewska, ein entfernterer Onkel der Historiker und Freiheitskämpfer Joachim Lelewel.

Seine Kindheit war geprägt von der Tradition des Landlebens und vom Patriotismus des Vaters, der am Kampf für die polnische Unabhängigkeit teilgenommen hatte. Später zog die Familie nach Warschau. Dort besuchte Sienkiewicz die Schule und studierte an der Universität Geschichte und Literatur. Seinen Lebensunterhalt verdiente er zunächst als Hauslehrer. Ab 1872 veröffentlichte er kurze satirische Texte und schrieb Feuilletons für die Zeitung Gazeta Polska.

Im Jahr 1876 unternahm er eine längere Reise in die Vereinigten Staaten. Von dort sollte er der Gazeta Polska Reiseberichte übermitteln. Diese Briefe von der Reise nach Amerika fanden große Resonanz. Längere Zeit hielt er sich bei der nach Kalifornien emigrierten Schauspielerin Helena Modrzejewska auf. Den Wechsel von Reisen, Schreiben und erneutem Reisen behielt er sein gesamtes Leben über bei. Zumeist reiste er innerhalb Europas, 1891 jedoch auch nach Afrika. Dieses wurde zum Schauplatz seines Jugendromans Durch Wüste und Wildnis.

Sein Frühwerk wird literarisch dem Polnischen Positivismus zugerechnet. Von dieser Richtung löste er sich spätestens mit dem ab Mai 1883 als Fortsetzung erschienenen Roman Mit Feuer und Schwert, als er sich dem historischen Roman zuwandte. Dieser Roman war Teil einer Trilogie, die Ereignisse der polnischen Geschichte des 17. Jahrhunderts behandelt. Zu ihr gehören auch Die Sintflut (1886) und Herr Wołodyjowski (1888). Die Trilogie begründete seinen Ruhm innerhalb der polnischen Literatur. Es folgten weitere Werke wie Ohne Dogma (1891), Familie Połaniecki (1894) und der Roman Die Kreuzritter, der den Deutschen Orden thematisiert.

Weltweit bekannt wurde Sienkiewicz vor allem durch Quo Vadis von 1896, der die Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Nero behandelt. 1898 erschien das Buch auf Deutsch. 1896 wurde er korrespondierendes und 1914 Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Im Jahr 1900 zeichnete ihn Kaiser Franz Joseph I. mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft aus. 1905 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Sienkiewicz war dreimal verheiratet. 1881 heiratete er Maria Szetkiewicz, mit der er zwei Kinder hatte, Henryk Józef und Jadwiga. Sie starb bereits 1885. Die zweite Ehe mit Maria Romanowska von 1893 scheiterte rasch und wurde 1895 geschieden. 1904 heiratete er schließlich seine Cousine zweiten Grades Maria Babska.

Neben dem Schreiben engagierte er sich vielfach für patriotische und soziale Anliegen. So protestierte er gegen die Verfolgung polnischer Kinder in Września und forderte in der Revolutionszeit 1905 Autonomie für das Polnische Königreich. Politisch stand er der Nationalen Demokratie nahe. 1900 erhielt er von verehrenden Politikern ein Landhaus in Oblęgorek als Nationalgeschenk, das heute ein Sienkiewicz-Museum beherbergt. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs ging er ins Exil nach Vevey in der Schweiz. Dort organisierte er gemeinsam mit Ignacy Jan Paderewski und Antoni Osuchowski ein Hilfskomitee für die polnischen Kriegsopfer. Dort starb er am 15. November 1916. Seine sterblichen Überreste wurden 1924 in die Krypta der Johanneskathedrale in Warschau überführt.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Sienkiewicz ist die Hinwendung zum historischen Roman. Mit ihr löste er sich von seinem dem Polnischen Positivismus zugerechneten Frühwerk. Seine großen Erzählwerke greifen Schlüsselereignisse der Vergangenheit auf. Die Trilogie schöpft aus der polnischen Geschichte des 17. Jahrhunderts, etwa dem Chmelnyzkyj-Aufstand, dem Zweiten Nordischen Krieg und den Kämpfen gegen das Osmanische Reich. Die Kreuzritter behandelt den Deutschen Orden und die Schlacht bei Tannenberg, und Quo Vadis führt in das Rom Neros zurück.

Vor den großen Romanen schrieb Sienkiewicz zahlreiche Novellen und Erzählungen, darunter Janko der Musikant und Der Leuchtturmwärter. Zudem arbeitete er als Journalist und Verfasser von Feuilletons und Reiseberichten. Mit dem Nobelpreis für Literatur wurde er 1905 ausdrücklich für seine Verdienste als epischer Schriftsteller gewürdigt. Das ist ein Hinweis darauf, dass sein Werk vor allem auf das breit angelegte, geschichtliche Erzählen ausgerichtet war.


Rezeption↑

Fast alle Werke Sienkiewiczʼ wurden ins Deutsche übersetzt. Die ersten Übertragungen seiner Erzählungen erschienen 1880. In den Jahren 1901/02 brachte Reclams Universalbibliothek in Leipzig zehn Bände mit seinen historischen Romanen heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR zahlreiche Neuübersetzungen, häufig angeregt durch Verfilmungen einzelner Romane.

Am populärsten war in Deutschland Quo Vadis, der insgesamt 73 verschiedene Ausgaben erlebte. Einer Befragung zufolge kannten 80 Prozent der Leser das Werk. Doch nur 35,5 Prozent wussten, dass es von einem polnischen Autor stammte. Zwischen 1945 und 1984 entfielen rund 4,5 Prozent aller in deutscher Übersetzung erschienenen Titel der polnischen Literatur auf Sienkiewicz. Damit lag er hinter Stanisław Lem an zweiter Stelle. Einige seiner Werke wurden überdies ins Sorbische und ins Esperanto übertragen.

Seine Stoffe wirkten weit über die Literatur hinaus und wurden mehrfach verfilmt. Einem breiten Publikum vertraut ist insbesondere Mervyn LeRoys Verfilmung von Quo Vadis aus dem Jahr 1951 mit Peter Ustinov als Nero. Eine Neuverfilmung des Regisseurs Jerzy Kawalerowicz aus dem Jahr 2001 versuchte, den polnischen Charakter des Stoffes stärker hervorzuheben. Auch seine historischen Romane gelangten wiederholt auf die Leinwand, mehrere davon unter der Regie von Jerzy Hoffman.

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