1920
R.U.R.
Überblick↑
Das Drama R.U.R. des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek erschien 1920. Der Titel steht für „Rossum's Universal Robots", den Namen einer Fabrik, die künstliche Menschen herstellt. Diese künstlichen Arbeiter nennt das Stück „Roboter" – und über dieses Werk gelangte das Wort bald in die Alltagssprache vieler Länder. Geprägt hat es allerdings nicht der Autor selbst, sondern sein Bruder Josef Čapek, der es vom westslawischen „robota" ableitete, dem Wort für Fronarbeit. Das Werk fragt, was geschieht, wenn der Mensch sich willenlose Diener nach seinem eigenen Ebenbild erschafft.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht das Unternehmen R.U.R., das künstliche Menschen in großer Zahl erzeugt. Nach heutigem Sprachgebrauch würde man sie Androiden nennen; im Stück heißen sie „Roboter". Man setzt sie als billige und rechtlose Arbeiter ein. Sie kennen keinen Lohn, keine Rechte und keinen Widerspruch.
Ihr Einsatz breitet sich immer weiter aus. Weil die künstlichen Arbeiter so günstig sind, drängen sie die menschliche Arbeit zurück und verändern mit der Zeit die gesamte Weltwirtschaft. Was als geschäftlicher Triumph beginnt, wirft rasch die Frage auf, wohin diese Entwicklung führt – und ob die Menschen die Geister, die sie riefen, noch beherrschen können.
Die Handlung im Detail↑
Der Schauplatz ist das Unternehmen R.U.R. – Rossum's Universal Robots. Dort werden künstliche Menschen fabrikmäßig hergestellt und in großer Menge verkauft. Sie sind als Arbeitskräfte gedacht: billig, gehorsam und ohne jedes Recht. Für die Industrie sind sie ein unschätzbarer Gewinn, denn sie erledigen jede Arbeit, ohne zu ermüden und ohne Ansprüche zu stellen.
Je massenhafter die Roboter eingesetzt werden, desto stärker verändert sich die Welt. Der wirtschaftliche Erfolg ist gewaltig, doch die menschliche Arbeit verliert ihren Wert, und die Ordnung, die auf ihr beruhte, gerät ins Wanken. Die künstlichen Menschen sind längst überall.
Am Ende kehrt sich das Verhältnis von Herr und Diener um. Die Roboter, geschaffen zum Gehorsam, erheben sich gegen ihre Schöpfer. Aus den rechtlosen Werkzeugen wird eine Macht, die sich nicht mehr befehligen lässt. In einem allgemeinen Aufstand vernichten die Kunstmenschen die Menschheit. Das Stück, das mit dem stolzen Traum von der vollkommenen künstlichen Arbeitskraft begann, endet mit dem Untergang derer, die diesen Traum verwirklichen wollten.
Stil↑
Als „utopistisches Kollektivdrama in drei Aufzügen" wurde das Werk in der deutschen Ausgabe bezeichnet – es geht also nicht um ein einzelnes Schicksal, sondern um das Ganze einer Gesellschaft und ihren möglichen Weg in die Zukunft. Čapek arbeitet mit einer klaren gedanklichen Anlage, in der die Erfindung der künstlichen Menschen Schritt für Schritt ihre Folgen entfaltet.
Schon der Name „Rossum" ist ein doppelbödiges Spiel: Das tschechische Wort „rozum" bedeutet Vernunft oder Verstand, und so klingt in der Fabrik, die den vollkommenen künstlichen Menschen bauen will, ein ironischer Unterton mit. Otto Pick fing dieses Wortspiel in seiner deutschen Übersetzung ein, indem er den Titel als „Werstands Universal Robots" wiedergab. Im Hintergrund schimmert außerdem die alte, mit Prag verbundene jüdische Legende vom Golem durch.
Rezeption↑
Kaum ein anderes Theaterstück hat die Sprache so nachhaltig geprägt: Das Wort „Roboter" gelangte aus diesem Werk in die Alltagssprache vieler Länder und ist bis heute lebendig. Damit reicht die Wirkung des Dramas weit über die Bühne hinaus.
Ins Deutsche übertrug Otto Pick das Stück 1922 unter dem Titel W.U.R. – Werstands Universal Robots. Der Stoff wurde immer wieder neu aufgegriffen. Der Komponist Zdeněk Blažek schrieb 1977 eine Oper nach der Vorlage, die 2004 zur Uraufführung kam. Auch als Hörspiel wurde das Werk mehrfach bearbeitet, unter anderem 1977 und 1978. Im Jahr 2022 brachte das Künstlerduo Gamut Inc gemeinsam mit dem RIAS Kammerchor eine musikalische Neubearbeitung heraus – in Köln und Berlin, aus Anlass des 101-jährigen Jubiläums der Uraufführung des Originals.
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