Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Karel Čapek
Eingang · Autoren · Karel Čapek
Porträt Karel Čapek
Karel Čapek
1890 – 1938
– Autorenporträt –

Karel Čapek

1890 – 1938 · 48 Jahre

Tschechischer Schriftsteller und Journalist, dessen Schauspiel „R.U.R." dem Wort „Roboter" zu weltweiter Verbreitung verhalf – siebenmal für den Literaturnobelpreis nominiert.

Kurzporträt

Zu den wichtigsten Autoren der tschechischen Literatur des 20. Jahrhunderts zählt Karel Čapek. Er wurde am 9. Januar 1890 im ostböhmischen Malé Svatoňovice geboren und starb am 25. Dezember 1938 in Prag. Er arbeitete als Schriftsteller, Übersetzer, Journalist und Fotograf. Bekannt wurde er vor allem durch seine Science-Fiction. Sein Schauspiel R.U.R. prägte das international gebräuchliche Wort „Roboter". Der Begriff selbst wurde von seinem Bruder Josef Čapek vorgeschlagen. Sein Roman Der Krieg mit den Molchen gehört zu seinen meistgenannten Werken. Neben Prosa und Dramen verfasste er zahlreiche Feuilletons, Kinderbücher und Reiseberichte.


Biografie

Karel Čapek wuchs in der ostböhmischen Kleinstadt Úpice auf. Er war ein Sohn des Landarztes Antonín Čapek und seiner Frau Božena, geborene Novotná. Mit seinen älteren Geschwistern Helena und Josef verbrachte er die Ferien regelmäßig im nahegelegenen Hronov. Dort besaßen die Großeltern eine Mühle. Nach der Grundschule in Úpice besuchte er ab 1901 das Gymnasium in Königgrätz. Dieses musste er 1905 vorzeitig verlassen, weil er einen geheimen antiösterreichischen Schülerverein gegründet hatte. Er wechselte nach Brünn, wo seine Schwester mit ihrem Ehemann lebte, dem Rechtsanwalt František Koželuha. 1907 zog er mit seinen Eltern an die Prager Kleinseite. 1909 legte er am Akademischen Gymnasium die Matura ab.

In Prag traten Karel und sein Bruder Josef stets als Einheit auf, als „Gebrüder Čapek". Sie kleideten sich als exzentrische Dandys und veröffentlichten gemeinsam verfasste Geschichten und journalistische Beiträge. Von 1909 bis 1915 studierte Karel an der Philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität. Zwischenzeitlich studierte er auch an der Berliner Universität und zusammen mit seinem Bruder an der Sorbonne in Paris. Dort wurden beide rasch Teil des lebendigen Kulturlebens. Vom 21. Lebensjahr an litt Čapek an der Bechterewschen Krankheit und hatte zeitlebens chronische Schmerzen. Wegen dieser Krankheit wurde er im Ersten Weltkrieg nicht eingezogen.

Am 29. November 1915 promovierte er mit einer Arbeit über Ästhetik zum Doktor der Philosophie. Kurzzeitig war er 1916/1917 als Erzieher beim Grafen Prokop Lažanský auf Schloss Chyše tätig sowie als Bibliothekar des Museums des Königreichs Böhmen. Ab 1917 arbeitete er als Journalist bei den Národní listy. Da ihn die nationalistischen Tendenzen dieser Zeitung nach Kriegsende störten, wechselte er 1920 als Redakteur zu den Lidové noviny. Seine Übersetzungen moderner französischer Poesie wurden von der dichterischen Avantgarde um Vítězslav Nezval begeistert aufgenommen. Daneben wirkte er von 1921 bis 1923 als Dramaturg und Regisseur am Prager Theater in den Weinbergen.

Čapek gilt als Hauptinitiator des Stammtisches Pátečníci, der „Freitagsrunde". Diese traf sich ab 1925 meist in seiner Wohnung. Zu ihr gehörten neben den Gebrüdern Čapek und weiteren Intellektuellen auch der tschechoslowakische Präsident Tomáš Garrigue Masaryk. Von 1925 bis 1933 war er Mitglied des tschechoslowakischen PEN-Klubs. Er unternahm zahlreiche Reisen: 1923 nach Italien, 1924 nach England, 1929 nach Spanien, 1931 nach Holland und 1936 nach Dänemark, Schweden und Norwegen.

Am 26. August 1935 heiratete Čapek nach vierzehn Jahren Bekanntschaft die Schauspielerin und Schriftstellerin Olga Scheinpflugová (1902–1968). Sie war eine Tochter des Schriftstellers und Journalisten Karel Scheinpflug. Von einer Hochzeit war ihm wegen seines schlechten Gesundheitszustands jahrelang abgeraten worden. Als Hochzeitsgeschenk erhielten die Eheleute vom Generaldirektor der Dobříšer Hüttenwerke, Václav Palivec, eine Villa am Teich Strž bei Stará Huť zur lebenslangen Nutzung. Sie wurde Čapeks letzter Hauptwohnsitz. Bei der Beseitigung von Hochwasserschäden am Strž zog er sich eine Lungenentzündung zu. An ihr starb er am 25. Dezember 1938. Am 29. Dezember 1938 wurde er auf dem Vyšehrader Friedhof beigesetzt.


Literarische Merkmale

Breit war das Arbeitsfeld, dem sich Čapek widmete: Realismus, Drama und utopische Literatur. Sein Werk gilt als meisterhaftes Beispiel der tschechischen Sprache. Inhaltlich verband er eine klare Beobachtungsgabe der Gesellschaft mit einem oft satirischen, treffsicheren Humor.

International ist er vor allem für jene Werke bekannt, die der Science-Fiction zugerechnet werden. Darin steht er Schriftstellern wie Aldous Huxley und George Orwell nahe. Viele seiner Werke behandeln die ethischen Seiten von Entwicklungen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts absehbar waren. Dazu gehören die industrielle Massenproduktion, Massenvernichtungswaffen oder die Begegnung mit anderen Intelligenzen: den Robotern in R.U.R. und den Amphibien in Der Krieg mit den Molchen. Der Roman Das Absolutum oder die Gottesfabrik zeichnet ein pessimistisches Bild davon, wie Menschen mit ungeahnten Möglichkeiten umgehen. Bei der Atomspaltung wird nebenbei das „Absolutum" freigesetzt, die Essenz des Göttlichen. Seine Verfügbarkeit würde der Menschheit theoretisch den Weg ins Utopia eröffnen. Doch Machtdenken und Selbstsucht führen zu Sektierertum, Missionsbewegungen und schließlich zu einem sinnlosen, weltweiten Krieg. Noch düsterer ist Krakatit aus dem Jahr 1924. Sein besessener, an Dostojewski gemahnender Held entfesselt das Zerstörungspotential der Atomkraft.

Daneben verfasste Čapek Detektivgeschichten, Romane, Märchen und Schauspiele. Auch ein Buch zum Gartenbau stammt aus seiner Feder. Ein wiederkehrendes Thema ist die Frage „Was ist Wissen". Diese entfaltet er besonders in Das Absolutum oder die Gottesfabrik sowie in der Romantrilogie aus Hordubal, Ein Meteor und Ein gewöhnliches Leben.


Rezeption

Anerkennung weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus fand Čapek vor allem durch seine der Science-Fiction zugerechneten Werke. In ihnen wird die Nähe zu Autoren wie Aldous Huxley und George Orwell betont. Insgesamt war er siebenmal für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Bis heute wirkt er durch das Wort „Roboter" nach. Es wurde von seinem Bruder Josef Čapek vorgeschlagen, in seinem Schauspiel R.U.R. erstmals verwendet und international gebräuchlich.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (51 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten