Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · The School for Scandal
Eingang · Werke · The School for Scandal
Cover The School for Scandal
The School for Scandal
1777
– Werkseintrag –

The School for Scandal

1777 · Komödie

Eine Gesellschaft, die aus dem Verleumden ein Vergnügen macht – und ein reicher Onkel, der unerkannt prüft, welcher seiner beiden Neffen unter der Maske das bessere Herz verbirgt.

Überblick↑

Das Lustspiel The School for Scandal (deutsch: Die Lästerschule) stammt von Richard Brinsley Sheridan. Am 8. Mai 1777 wurde es im Theatre Royal Drury Lane zum ersten Mal gespielt. Sheridan hatte das Theater ein Jahr zuvor von David Garrick übernommen und schrieb das Stück in großer Eile und unter enormem Druck. Dennoch wurde es zu einer der erfolgreichsten Sittenkomödien seiner Zeit und zählt bis heute zu den meistgespielten englischen Komödien. Bemerkenswert ist, wie geschickt Sheridan zwei zunächst getrennt geplante Komödien zusammenfügte: Im fertigen Werk gehen die verschiedenen Handlungsstränge nahtlos ineinander über.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht eine Gesellschaft von Klatschmäulern, die den Ruf unschuldiger Menschen zu ihrem Vergnügen durch geschickt gesponnene Lügengeschichten zerstören. An ihrer Spitze steht Lady Sneerwell. Ihre Liebe zu dem jungen, verschwenderischen, aber gutherzigen Charles Surface bleibt unerwidert, und so setzt sie falsche Gerüchte in die Welt, um seine Beziehung zu der jungen Maria zu zerstören.

Zugleich unterstützt sie damit die Bemühungen von Charles' Bruder Joseph, der es auf Maria abgesehen hat. Joseph gilt als ehrbar, ist aber in Wahrheit berechnend und geldgierig. Er umwirbt heimlich Lady Teazle, die junge Frau des alten Sir Peter, und lenkt dessen Eifersucht geschickt auf seinen Bruder Charles.

In die Verwicklungen greift die Rückkehr von Sir Oliver Surface aus Bengalen ein. Er ist der reiche Onkel der beiden Brüder, den keiner von ihnen seit sechzehn Jahren gesehen hat. Unerkannt will er prüfen, wer von den Neffen sein Vermögen verdient. So entsteht ein raffiniertes Spiel aus Schein und Wahrheit, in dem sich Ehrbarkeit und Verschwendung, Klatsch und ehrliche Zuneigung gegenüberstehen.

Die Handlung im Detail↑

Der Titel spielt auf einen Kreis von Menschen an, die das üble Nachreden zur hohen Kunst getrieben haben. An der Spitze steht Lady Sneerwell. Sie liebt den jungen, sittenlosen und verschwenderischen, aber herzensguten Charles Surface, ohne dass er ihre Gefühle erwidert. Aus Eifersucht verbreitet sie das falsche Gerücht einer Affäre zwischen Charles und Lady Teazle. Damit will sie seine Beziehung zu der jungen Maria, der Heldin des Stücks, zerstören.

Zugleich hilft sie damit Charles' Bruder Joseph, der sich um Marias Hand bemüht. Joseph gibt sich ehrbar, ist in Wahrheit aber skrupellos und geldgierig. Er umwirbt heimlich Lady Teazle, die junge, hübsche und gewandte Frau des alten, eigensinnigen, aber liebevollen Sir Peter. Dessen Eifersucht lenkt Joseph geschickt auf Charles.

Zum entscheidenden Auftritt kommt es in der berühmten „screen scene“, der Wandschirm-Szene: In Josephs Wohnung versteckt sich Lady Teazle hinter einem Wandschirm, als ihr Mann und Charles eintreten. Sie wird entdeckt. Dabei zeigt sich, dass sie nur zum Schein mit Joseph kokettiert hat, weil eine Affäre in ihren Kreisen zur Mode geworden ist. So erkennt Sir Peter endlich den wahren Sachverhalt.

Die verschlungene Handlung hängt an der Rückkehr Sir Oliver Surfaces aus Bengalen. Er ist der reiche Onkel der Brüder Charles und Joseph, den beide sechzehn Jahre nicht gesehen haben. Unerkannt sucht er beide auf, um ihren wahren Charakter zu prüfen, bevor er entscheidet, wer sein Vermögen erben soll. Dabei versagt Joseph kläglich und wird entlarvt. Charles dagegen besteht die Probe. Sir Oliver begleicht seine Schulden. Am Ende finden Charles und Maria zueinander, und auch die lange erhoffte Versöhnung zwischen Sir Peter und Lady Teazle gelingt.

Stil↑

Als Sittenkomödie lebt das Werk von seinem geschliffenen, geistreichen Dialog. Der Witz entsteht aus dem Widerspruch zwischen Schein und Wahrheit: Menschen, die sich ehrbar geben, entpuppen sich als heuchlerisch, während die scheinbar Leichtsinnigen ein gutes Herz besitzen. Sheridan verbindet zwei ursprünglich getrennt geplante Komödien so kunstvoll, dass die Handlungsstränge nahtlos ineinandergreifen. Die Wandschirm-Szene gilt als Glanzstück der Bühnentechnik und Situationskomik: Ein einziges Versteck bringt mehrere Verwicklungen gleichzeitig ans Licht. Die Figuren tragen sprechende Namen wie Lady Sneerwell oder Surface, die ihr Wesen bereits andeuten.

Rezeption↑

Schon bald nach der Uraufführung entwickelte sich das Stück zu einer der erfolgreichsten Sittenkomödien des 18. Jahrhunderts und blieb bis heute eine der meistgespielten englischen Komödien. Ins Deutsche wurde es früh und immer wieder übertragen. Eine erste Übersetzung von Leonhardi erschien 1782 in Berlin unter dem Titel Die Lästerschule. Später legten unter anderem Wolfgang Hildesheimer (1962) und John von Düffel (1995) eigene Bearbeitungen vor, und im Reclam-Verlag erschien 1973 eine zweisprachige Ausgabe.

Auch die Musik nahm sich des Stoffes an. Samuel Barber komponierte 1931 eine Ouvertüre zu The School for Scandal. Es war sein erstes Orchesterwerk und wurde 1932 vom Philadelphia Orchestra unter Alexander Smallens uraufgeführt. Rudolf Stephan Hoffmann formte den Text zu einem Opernlibretto um, das Paul von Klenau vertonte. Diese komische Oper in drei Akten wurde 1926 unter der Leitung von Clemens Krauss in Frankfurt am Main uraufgeführt.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten