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Werkseintrag · God's Bits of Wood
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God's Bits of Wood
1960
– Werkseintrag –

God's Bits of Wood

1960 · Roman

Ein Eisenbahnerstreik im kolonialen Senegal erfasst ein ganzes Land – und die Frauen, die in wichtigen Fragen nichts mitzureden hatten, marschieren vier Tage lang zu Fuß von Thiès nach Dakar.

Überblick↑

Der Roman Les bouts de bois de Dieu des senegalesischen Autors Ousmane Sembène erschien 1960 auf Französisch. Er erzählt von einem Eisenbahnerstreik im kolonialen Senegal der 1940er Jahre und gestaltet dieses historische Ereignis literarisch aus. Das Buch zeigt, wie sehr unterschiedlich Senegalesen und Malier auf die Kolonialherrschaft reagierten. Anpassung, Zusammenarbeit mit den Franzosen und deren Verklärung betrachtet der Roman kritisch. Die Streikenden dagegen, die sich gegen die Misshandlung der senegalesischen Bevölkerung wehren, stehen im Mittelpunkt. 1962 kam eine englische Übersetzung unter dem Titel God's Bits of Wood bei William Heinemann Ltd. heraus, als Teil der African Writers Series.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Erzählt wird von einem Streik der Eisenbahner, dessen Schauplätze vor allem Bamako, Thiès und Dakar sind. Eine Karte zu Beginn des Buches zeigt diese Orte und deutet an, worum es geht: um ein ganzes Land und all seine Menschen. An jedem Schauplatz tritt eine große Zahl von Figuren auf. Zu den hervorgehobenen gehören Fa Keita, Tiemoko, Maimouna, Ramatoulaye, Penda, Deune, N'Deye, Dejean und Bakayoko.

Der Grundkonflikt bündelt sich in zwei Gestalten: Dejean, der französische Betriebsleiter und Kolonialist, steht gegen Bakayoko, der dem Streik Herz und Richtung gibt. In einem anderen Sinn aber sind die eigentlichen Hauptfiguren die Menschen als Gemeinschaft und die Eisenbahn selbst.

Der Streik verändert das Selbstbild derer, die ihn tragen. Besonders deutlich wird das bei den Frauen von Bamako, Thiès und Dakar. Solange die Männer in den Werkstätten der Eisenbahn arbeiten, führen die Frauen die Märkte, bereiten das Essen und ziehen die Kinder auf. Mit dem Streik fällt ihnen die Aufgabe zu, die Familien zu ernähren, und das heißt zunächst: das Nötigste irgendwo aufzutreiben. Aus Frauen, die hinter den Männern stehen, werden Frauen, die neben ihnen gehen. Zugleich zeigt das Buch, wie sehr Frauen in der Kolonialzeit unterdrückt wurden: In Fragen, die alle angingen, hatten sie kein Wort mitzureden.

Die Handlung im Detail↑

Die Handlung spielt an mehreren Orten, vor allem in Bamako, Thiès und Dakar. Die Karte am Anfang des Buches führt diese Schauplätze vor Augen. Sie macht deutlich, dass hier nicht das Schicksal Einzelner verhandelt wird, sondern das eines ganzen Landes. Zu jedem Ort gehört eine große Zahl von Figuren. Hervorgehoben werden unter anderem Fa Keita, Tiemoko, Maimouna, Ramatoulaye, Penda, Deune, N'Deye, Dejean und Bakayoko.

Der Grundkonflikt verdichtet sich in zwei Männern. Dejean ist der französische Betriebsleiter, ein Kolonialist von Grund auf. Bakayoko ist die Seele des Streiks und hält ihn zusammen. Daneben laufen die eigentlichen Hauptfiguren als Kollektiv mit: die Menschen in ihrer Gesamtheit und die Eisenbahn, um die alles kreist.

Je länger der Streik dauert, desto stärker verändert sich, wie die Streikenden sich selbst sehen. Am sichtbarsten geschieht das bei den Frauen. Vorher versorgten sie die Märkte, das Essen und die Kinder, während die Männer ihr Geld bei der Eisenbahn verdienten. Nun müssen sie die Familien durchbringen, und oft bleibt ihnen nur, das Nötigste zusammenzusuchen. Aus Zuschauerinnen werden Beteiligte, und schließlich gehen sie den Männern voran.

Der Wendepunkt ist der Marsch der Frauen. Sie laufen über vier Tage lang zu Fuß von Thiès nach Dakar. Viele Männer sind anfangs dagegen. Doch gerade diese Entschlossenheit von Frauen, die von den Franzosen zuvor als „Konkubinen“ abgetan worden waren, macht sichtbar, wie unerbittlich die Streikenden und ihre Gemeinschaften sind. Die Franzosen begreifen erst durch den Marsch, gegen welchen Willen sie anrennen. Kurz darauf geben sie nach und erfüllen die Forderungen der Streikenden.

Das Buch zeigt zugleich, wie hart Frauen in der Kolonialzeit unterdrückt wurden. Man nahm ihnen die Möglichkeit, in Angelegenheiten mitzureden, die die Gesellschaft als Ganzes betrafen. Sembène hebt ihren Rang, indem er sie für den Streik und für die Gesellschaft als ebenso wichtig behandelt wie die Männer.

Stil↑

Angelegt ist der Roman nicht auf einen einzelnen Helden, sondern auf ein weit verzweigtes Personengeflecht. Die Handlung verteilt sich auf mehrere Städte, und zu jeder gehört eine eigene Gruppe von Figuren. Die Karte, die dem Buch vorangestellt ist, gibt dem Leser die Orientierung und macht zugleich den Anspruch des Werkes deutlich: Erzählt wird vom Land und seinen Menschen insgesamt. Einzelne Gestalten treten hervor, doch sie bleiben Teil eines größeren Ganzen. Neben den Menschen als Gemeinschaft wirkt die Eisenbahn selbst wie eine Hauptfigur. Geschrieben und veröffentlicht wurde das Buch auf Französisch, der Sprache der Kolonialmacht, über deren Herrschaft es kritisch urteilt.

Rezeption↑

Erschienen ist das Buch 1960, in dem Jahr, in dem Senegal seine Unabhängigkeit erlangte. Gerade darin liegt sein historisches Gewicht: Das Thema der Einheit, das den Roman durchzieht, war für den Aufbau des neuen, unabhängigen Staates von großer Bedeutung. 1962 folgte die englische Übersetzung unter dem Titel God's Bits of Wood. Sie erschien bei William Heinemann Ltd. und wurde in die African Writers Series aufgenommen, eine einflussreiche Reihe.

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