1258
Golestan
Überblick↑
Das Werk Golestan, dessen persischer Titel „Rosengarten" bedeutet, entstand im Jahr 1258. Es ist eine Sammlung persischer Gedichte und Geschichten. Neben dem Bustan ist es das zweite allgemein bekannte Werk des Dichters Saadi und zählt zu den wichtigsten Werken der persischen Literatur. In kurzen Erzählungen, Anekdoten und Sprüchen verbindet es Lebensklugheit mit sprachlicher Feinheit.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Überwiegend in Prosa geschrieben und immer wieder von Versen durchzogen, versammelt das Werk Geschichten, persönlich gefärbte Anekdoten, Aphorismen, Ratschläge und humorvolle Betrachtungen. Es ist in acht Kapitel gegliedert – ähnlich den acht Pforten zum Paradies. Die Kapitel behandeln den Umgang mit den Königen, die Moral der Derwische, die Zufriedenheit und die Vorzüge des Schweigens, die Liebe und die Jugend, die Schwäche und das Alter, die Wirkung der Erziehung sowie Regeln für ein gutes Leben. Aus dem Wechsel von knapper Erzählung und eingestreutem Vers entsteht ein Bild vom rechten Verhalten in den verschiedenen Lagen des Lebens.
Die Handlung im Detail↑
In acht Kapiteln entfaltet sich eine Sammlung, die Lehre und Unterhaltung verbindet. Einer Einleitung, in der Saadi über Sinn und Zweck seines Werkes nachdenkt, folgen die einzelnen Abschnitte. Das erste Kapitel handelt vom Umgang mit den Königen und vom rechten Weg der Herrscher. Weitere Kapitel widmen sich der Moral der Derwische, der Zufriedenheit, den Vorzügen des Schweigens, der Liebe und der Jugend, der Schwäche und dem Alter, der Wirkung der Erziehung und schließlich den Regeln für ein gutes Leben.
Innerhalb dieser Kapitel reiht Saadi kurze Geschichten, Anekdoten und Sprüche aneinander. Die Prosa ist dabei fortlaufend von Versen unterschiedlicher Form und unterschiedlichen Versmaßes durchsetzt, die das Erzählte deuten oder zuspitzen. Aus dem ersten Kapitel, über den Weg der Könige, stammen jene Verse, die heute die Eingangshalle des UNO-Hauptquartiers in New York schmücken. Viele Sätze aus dem Werk verdichteten sich zu Sprichwörtern und Merksätzen, die weit über das Buch hinaus bekannt wurden.
Stil↑
Kennzeichnend für das Werk ist eine hohe sprachliche Eleganz und ein flüssiger, geschliffener Ausdruck. Saadi verbindet Prosa mit eingestreuten Versen in verschiedenen Formen und Versmaßen, sodass sich erzählende Passagen und gebundene Rede abwechseln. Die Sprache ist ausdrucksstark. Im Vergleich zum Bustan, dem ein ernsterer Ton und eine ernstere Absicht zugeschrieben werden, wirkt der Golestan leichter und ist von humorvollen Betrachtungen durchzogen.
Rezeption↑
Zahlreiche spätere Werke gehen auf den Golestan zurück, darunter der Bahārestān des Dichters Dschami aus dem Jahr 1487. Viele der 405 Sprichwörter und Aphorismen aus dem Buch gingen in den allgemeinen Sprachgebrauch aller persischen Gesellschaftsschichten ein. Schon im 16. Jahrhundert war das Werk auch in der Türkei, in Arabien und in Indien allgemein bekannt. Im 19. Jahrhundert diente es in Britisch-Indien als Lehrtext für die persische Sprache.
Über Übersetzungen gelangte das Werk aus Iran auch nach Europa. Erste Übertragungen entstanden im 17. Jahrhundert: 1634 ins Französische durch André du Ryer, 1636 ins Deutsche durch Friedrich Ochsenbach. Weitere Sprachen folgten. Unter den aufgeklärten Lesern des 18. Jahrhunderts erwarb sich Saadi den Ruf eines lehrreichen und zugleich unterhaltsamen Dichters der Umgangsformen und der Moral. Mit der Mode für orientalische Stoffe wuchs seine Bekanntheit; sein Name wurde unter anderem bei Denis Diderot, Voltaire, Ernest Renan, Johann Gottfried Herder und Johann Wolfgang von Goethe geläufig. Ralph Waldo Emerson führte das Werk in den US-amerikanischen Raum ein und stellte es als eines der heiligen Bücher der Welt vor. Henry David Thoreau zitierte daraus in seinem Buch Walden. Ins Deutsche übertrug Karl Heinrich Graf das Werk; seine Übersetzung erschien in mehreren Ausgaben.
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