1210 – 1291
Saadi
Kurzporträt↑
Persischer Dichter und Mystiker aus Schiras, geboren um 1210. Berühmt ist er vor allem für zwei Werke: Bustan („Der Duftgarten") und Golestan („Der Rosengarten"). Beide entstanden nach jahrelangen Reisen durch den Vorderen Orient und nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt. Vor allem der Golestan erfreut sich im Iran bis heute großer Beliebtheit und wird in allen Lebenslagen zitiert. Saadi übte einen großen Einfluss auf die spätere persische Literatur aus. Später wurde er auch in Europa bekannt. Sein Mausoleum in Schiras ist bis heute ein vielbesuchter Ort.
Biografie↑
Über das Leben Saadis ist insgesamt wenig sicher bekannt. Nicht einmal die genaue Form seines Namens lässt sich zweifelsfrei rekonstruieren. Überliefert ist er unter zahlreichen Schreibweisen. „Saadi" selbst war ein Künstlername. Er gab ihn sich in Anlehnung an einen der salghuridischen Herrscher von Schiras. Auch sein Geburtsjahr ist nicht gesichert. Verschiedene Angaben kursieren. Doch gilt es als wahrscheinlich, dass er um 1210 in Schiras im heutigen Iran zur Welt kam. Ebenso schwankt die Überlieferung beim Todesjahr: Neben der Angabe um 1291 findet sich auch die Datierung um 1292.
Als junger Mann ging Saadi nach Bagdad. Dort studierte er an der angesehenen Nezamiyya, einer islamischen Hochschule (madrasa). Nach dieser Zeit begab er sich auf ausgedehnte Reisen. Als sicher gilt, dass er nach Syrien und Palästina, auf die Arabische Halbinsel und in den Irak reiste. Ob er auch bis in den Osten Irans und nach Indien gelangte, wird dagegen bezweifelt.
Um 1257 kehrte Saadi nach Schiras zurück. Dort verfasste er kurz nacheinander seine beiden bekanntesten Werke, den Bustan und den Golestan. Neben diesen beiden Hauptwerken schrieb er lehrhafte Schriften. Hinzu kam eine Sammlung von Prosa-Erzählungen, die mit Versen durchsetzt sind und meist als Diwan bezeichnet werden. Dazu kommen verschiedene lyrische Formen, darunter persische und arabische Qasiden, Ghaselen, Vierzeiler sowie zweisprachige arabisch-persische Gedichte. Sein Mausoleum in Schiras wird bis heute viel besucht.
Literarische Merkmale↑
Saadis Werk lässt sich zum Teil dem Genre des Fürstenspiegels zuordnen. Das ist jene belehrende Literatur, die Herrschern und Lesern rechtes Verhalten vor Augen führen will. Zugleich enthält es aber auch lustige und mitunter anzüglich-derbe Episoden und Verse. In seinem Schreiben lassen sich Einflüsse des Sufismus feststellen, der islamischen Mystik. Wegen ihrer deftigen Ausdrucksweise unterliegen manche seiner Schriften bis heute der Zensur. Zwar wurde eine Gesamtausgabe seiner Werke im 19. Jahrhundert, in der Qadscharenzeit, als Lithographie vollständig veröffentlicht. Doch eine vollständige kritische Edition gibt es bis heute nicht. Besonders der Golestan ist im Iran so bekannt, dass aus ihm in allen Lebenslagen zitiert wird.
Rezeption↑
Großen Einfluss übte Saadi auf die spätere persische Literatur aus. Im Iran ist vor allem der Golestan bis heute außerordentlich beliebt. Doch auch außerhalb Irans wurde sein Werk aufgenommen. So wurde laut Wikipedia der osmanische Hofdichter Hayâlî in seiner Jugend stark von den Gedichten Saadis beeinflusst.
In Europa wurde Saadi erstmals durch André du Ryers französische Übersetzung des Golestan aus dem Jahr 1634 bekannt. Ins Deutsche übertrug ihn unter anderem 1846 Karl Heinrich Graf. Später widmeten sich auch Friedrich Rückert und andere seinen Werken in Übersetzungen. Ein Zeichen seiner bis heute reichenden Wirkung ist sein Gedicht „Alle Völker sind Glieder eines Körpers" aus dem Golestan. Es ist am Sitz der Vereinten Nationen in New York zu finden.
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