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Werkseintrag · Der stille Don
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Der stille Don
1928
– Werkseintrag –

Der stille Don

1928 · Epik

Ein Donkosake sucht ein friedliches Leben und wird doch zwischen Liebe, Pflicht und den Fronten der russischen Revolution zerrieben.

Überblick↑

Das Werk Der stille Don ist ein weit ausgreifendes Romanepos, das zwischen 1928 und 1940 in vier Teilen erschien. Es gilt als eines der wichtigsten Werke der sowjetischen Literatur und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Als Verfasser gilt Michail Scholochow, der 1965 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Um die Urheberschaft gibt es allerdings bis heute Zweifel: russische Literaturwissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Scholochow wohl nur einen kleinen Teil selbst verfasste und in großem Umfang Texte anderer Autoren verwendete. Erzählt wird das Leben der Donkosaken vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs, der Oktoberrevolution und des Bürgerkriegs.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Vor dem geschichtlichen Hintergrund von Erstem Weltkrieg, Oktoberrevolution und Bürgerkrieg entfaltet sich die Lebensgeschichte des Donkosaken Grigori Melechow. In seiner Jugend verliebt er sich in Aksinja, die Frau seines Nachbarn Stepan Astachow. Obwohl er mit Natalja verheiratet wird, hält ihn diese verbotene Liebe fest im Griff, und immer wieder gerät er zwischen die beiden Frauen.

Zugleich wird Melechow vom Lauf der Geschichte erfasst. Als Soldat zieht er in den Krieg, den er trotz mehrfacher Verwundung übersteht. In den Wirren der Revolution und des Bürgerkriegs findet er weder bei den Roten noch bei den Weißen eine wirkliche Heimat – er sitzt, wie es im Roman heißt, „zwischen zwei Stühlen“. Was er sich ersehnt, ist ein friedliches Kosakenleben, doch der Krieg holt ihn stets aufs Neue ein. So schildert das Werk einen Menschen, der zwischen Liebe und Pflicht, zwischen den Fronten und zwischen den Idealen seiner Zeit hin- und hergerissen wird.

Die Handlung im Detail↑

Im Mittelpunkt steht der Donkosake Grigori Melechow. In seiner Jugend verliebt er sich in Aksinja, die Frau seines Nachbarn Stepan Astachow. Nachdem er mit Natalja verheiratet wird, flüchtet er mit Aksinja, kehrt aber, nachdem diese ihn betrogen hat, zu Natalja zurück und zeugt mit ihr zwei Kinder. Zu dieser Zeit kämpft er bereits als Soldat im Ersten Weltkrieg, den er trotz mehrfacher Verwundung überlebt.

Später schließt er sich den Bolschewiki an, verlässt sie jedoch nach kurzer Zeit wieder. Melechow sehnt sich nach einem friedlichen Kosakenleben, wird aber bald erneut vom Krieg eingeholt und kämpft nun auf Seite der Weißen gegen die Rote Armee. Aufgrund seines Mutes und seiner Kampferfahrung erreicht er den Offiziersrang. Mit den politischen Zielen der Weißen kann er sich jedoch ebenso wenig identifizieren wie mit denen der Roten. Nachdem die Weißen vernichtet sind, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Roten zu dienen. Er kämpft kurz an der polnischen Front.

Sein privates Leben zerfällt unterdessen. Nachdem er sein Verhältnis zu Aksinja erneuert hat, verliert er seine Frau Natalja durch eine misslungene Abtreibung. Auch sein Vater, die Schwägerin, sein Bruder Petro und zahlreiche Verwandte und Freunde sind bereits gestorben. Von Aksinja wird er immer wieder getrennt. Als er schließlich, nach dem Ausschluss aus der Roten Armee, zu ihr zurückkehrt, muss er erfahren, dass auch seine Mutter verstorben ist und seine Schwester Dunja sich mit seinem ehemaligen Freund, dem überzeugten Bolschewiken Michail, verheiratet hat. Michail, voller Hass auf die Weißen, zwingt den ehemaligen Rittmeister Melechow, sich vor den Bolschewiki für seine Tätigkeit in der Weißen Armee zu verantworten.

Melechow ahnt, dass dies seinen Tod bedeuten könnte, und verlässt seinen Heimatort. Schweren Herzens schließt er sich einer Räuberbande an, die schon bald von Schwadronen der Roten Armee zerschlagen wird. Nachdem er sich auf einer Insel versteckt gehalten hat, wagt er eine kurze Heimkehr, um Aksinja zu holen und mit ihr zu fliehen. Auf dieser Flucht wird Aksinja jedoch erschossen. Von der Sehnsucht nach seinen Kindern geplagt, legt Grigori Melechow alle Waffen ab und kehrt in den heimatlichen Chutor zurück. Das Ende bleibt weitgehend offen: Melechow findet seinen Sohn, der ihm erzählt, dass die Tochter gestorben und der gefährliche Schwager Michail an der Front ist. Vater und Sohn umarmen sich.

Stil↑

Als klassisches Beispiel für den Sozialistischen Realismus gilt Der stille Don. In den ersten beiden Büchern zeigen sich noch Ansätze zu avantgardistischem Schreiben: Zitate aus der Wirklichkeit, ungewöhnliche Metaphern und Ausdrücke auf niedrigem Sprachniveau. Diese weichen bald einer konservativeren Darstellung, die sich am Realismus der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts orientiert.

Der oft abrupte Wechsel von ruhiger zu beschleunigt-dramatischer Darstellung und von einem tragischen zu einem komischen Ton macht den Roman abwechslungsreich. Scholochow verzichtet auf die Kommentare eines allwissenden Erzählers und auf innere Monologe seiner Figuren. Stattdessen stellt er – oft in Dialogen und szenischen Bildern – allein deren Handlungen dar. Gerade dadurch fällt es schwer, die Figuren moralisch eindeutig einzuordnen.

Rezeption↑

Zu den wichtigsten Werken der sowjetischen Literatur zählt dieses Romanepos, und es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Als höchste Auszeichnung erhielt der geltende Verfasser Michail Scholochow im Jahr 1965 den Nobelpreis für Literatur.

Bis heute begleitet das Werk allerdings eine Debatte um seine Urheberschaft. Untersuchungen russischer Literaturwissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Scholochow wahrscheinlich nur einen kleinen Teil selbst verfasste und zu großen Teilen Texte anderer Autoren verwendete. Der Stoff wurde mehrfach für Kino und Fernsehen bearbeitet, unter anderem in Verfilmungen von Olga Preobraschenskaja und Sergei Gerassimow (1957) sowie in späteren Fernsehserien.

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