Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Kobsar
Eingang · Werke · Kobsar
Cover Kobsar
Kobsar
1840
– Werkseintrag –

Kobsar

1840 · Lyrik

Ein schmaler Band romantischer Gedichte, mit dem Taras Schewtschenko die moderne ukrainische Literatursprache begründete – und der ihm selbst den Beinamen „Kobsar" eintrug.

Überblick

Der Gedichtzyklus Kobsar ist der erste und zugleich bekannteste Gedichtzyklus des ukrainischen Dichters und Malers Taras Schewtschenko. Er versammelt acht überwiegend romantische Gedichte in ukrainischer Sprache und erschien 1840 in Sankt Petersburg. Mit ihm etablierte Schewtschenko die moderne ukrainische Literatursprache. Sein Erscheinen gilt als Meilenstein für die Kultur des Landes. Der Titel geht auf die ukrainischen Sänger zurück, die als Kobsar bezeichnet wurden und das Lauteninstrument Kobsa spielten.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der Band versammelt acht Gedichte, überwiegend romantischen Charakters und in ukrainischer Sprache verfasst. Einige tragen Titel wie „Perebendja", „Kateryna", „Iwan Pidkowa" und „Tarassowa nitsch". Ihren Namen hat die Sammlung vom Kobsar – dem volkstümlichen Sänger, dessen Stimme und Ton in den Gedichten nachklingen. Wer sie liest, begegnet der ukrainischen Sprache in ihrer frühen literarischen Gestalt.

Die Handlung im Detail

Acht Gedichte bilden den Zyklus, überwiegend romantisch und durchweg in ukrainischer Sprache. Einige tragen Personennamen wie „Kateryna" oder „Iwan Pidkowa", andere Titel wie „Perebendja", „Topolja", „Dumka" oder „Tarassowa nitsch". Eröffnet wird die Sammlung mit den Versen „Dumy moji, dumy moji".

Gedruckt wurde der Band erstmals 1840 in Sankt Petersburg. Zu verdanken ist das dem Gutsbesitzer Petr Martos aus Poltawa. Auf Empfehlung von Karl Brjullow ließ er sich im Winter 1839/1840 von Schewtschenko porträtieren. Dabei entdeckte er das Manuskript der Gedichte und ließ es auf eigene Kosten drucken.

Der Titel bündelt das Anliegen des Buches. Ein Kobsar war ein ukrainischer Sänger, der zur Kobsa, einem Lauteninstrument, seine Lieder vortrug. In dieser Rolle spricht die Dichtung – als Stimme des Volkes und seiner Sprache. So wurde der schmale Band zum Ausgangspunkt der modernen ukrainischen Literatursprache.

Stil

Die Gedichte sind überwiegend der Romantik verpflichtet und durchweg in ukrainischer Sprache geschrieben. Schon der Titel verweist auf ihre Wurzel im Volkstümlichen. Als Kobsar wurden ukrainische Sänger bezeichnet, die vor allem das Lauteninstrument Kobsa spielten und dazu ihre Lieder vortrugen. In dieser Tradition steht der Ton der Sammlung. Mit ihr prägte Schewtschenko die moderne ukrainische Literatursprache.

Rezeption

Das Erscheinen des Zyklus gilt als Meilenstein für die ukrainische Kultur und Sprache. Als eigentlicher Beginn der ukrainischen Literatur galt die im frühen 19. Jahrhundert erschienene Aeneida von Iwan Kotljarewskyj. Der Kobsar und die folgenden Werke Schewtschenkos rundeten diesen Prozess ab. Bis heute gilt der Band als sein bekanntestes und meistgelesenes Werk.

Nach dem Buchtitel erhielt der Dichter selbst den Beinamen „Kobsar". Auch seine späteren Dichtungen wurden so genannt. Sie standen – ähnlich der Figur des Kosaken Mamaj – symbolisch für die nationale und literarische Erneuerung der Ukraine.

Der Komponist Mykola Lyssenko (1842–1912) schuf in mehr als 80 Werken die Musik zum Kobsar. Schon im 19. Jahrhundert entstanden deutsche Übersetzungen. Anlässlich von Schewtschenkos 125. Geburtstag beschloss 1939 ein Kiewer Verlag eine deutsche Ausgabe. Eine Nachdichtung fast des gesamten Werks erschien 1951 zweibändig in Moskau, mit einem Vorwort von Alexander Deutsch.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten