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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · The Time of Your Life
Eingang · Werke · The Time of Your Life
Cover The Time of Your Life
The Time of Your Life
1939
– Werkseintrag –

The Time of Your Life

1939 · Drama

In einer kalifornischen Hafenkneipe des Jahres 1939 begegnen sich Träumer, Tagediebe und Gestrandete, während über Europa schon der Krieg heraufzieht.

Überblick↑

Das Schauspiel The Time of Your Life von William Saroyan erschien 1939 und wurde im selben Jahr uraufgeführt. Es erhielt den Pulitzer-Preis für Dramatik für das Jahr 1940. Saroyan nahm die Auszeichnung nicht an und begründete das damit, dass er der Jury die nötige Urteilskraft nicht zutraue. Zugesprochen wurde dem Stück außerdem der New York Drama Critics Circle Award. Es gilt als das am höchsten geschätzte Bühnenwerk des Autors.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht eine kleine Hafenkneipe in Kalifornien, deren Wirt Nick heißt. Der Ort hat einen zweifelhaften Ruf, und seine besondere Atmosphäre entsteht durch die vielen Nebenfiguren, die sich auf engem Raum tummeln. Da ist der Araber, ein Philosoph des Ostens, der Mundharmonika spielt. Da ist Harry, ein Tänzer aus Leidenschaft, der die Leute unterhalten möchte, dem es aber nicht recht gelingt. Wesley, ein junger Schwarzer, improvisiert auf einem schlechten Klavier, und Willy hängt besessen am Kugelautomaten. Mit der eigentlichen Handlung haben diese Gestalten nichts zu tun; sie bilden deren farbigen Hintergrund.

Man schreibt das Jahr 1939, und über Europa ziehen dunkle Wolken auf. In der Bar aber beginnt eine Liebesgeschichte zwischen Tom und Kitty. Tom ist ein gutmütiger Tropf, Kitty eine Prostituierte, die aus Polen stammt. Die politische Lage draußen und die Stimmung drinnen passen nicht zusammen: Hitler hin, Krieg her, die Liebe geht ihren eigenen Gang.

Ins Rollen bringt die Sache Joe, ein Freund Toms. Er ist jung, hat ein gutes Herz und viel Geld, gilt aber als Müßiggänger. Tom ist sein Schüler, sein Laufbursche und sein Freund. Kitty heißt in Wahrheit Katarzyna Koranowska. Nach dem Bankrott der elterlichen Farm und dem Tod des Vaters ist sie auf der Straße gelandet. Tom verliebt sich auf den ersten Blick in sie und nimmt an ihrer Lage keinen Anstoß. Er will rasch Arbeit finden und eine Familie gründen. Doch dem gemeinsamen Glück stellt sich noch ein Hindernis in den Weg.

Die Handlung im Detail↑

Die Handlung spielt an einem einzigen Ort, in Nicks Hafenkneipe im Jahr 1939. Während in der Welt draußen der Krieg heraufzieht, gehen die Gäste ihren kleinen Beschäftigungen nach. Joe, ein wohlhabender junger Mann ohne Beruf, sitzt beim Trinken und dirigiert das Geschehen. Sein Schützling Tom verliebt sich in Kitty, die eigentlich Katarzyna Koranowska heißt und nach dem Zusammenbruch der Familie in die Prostitution geraten ist. Sie wohnt in einem gemieteten Zimmer im Hotel „New York“ und nimmt dort zwei Dollar für einen Besuch.

Als Tom und Joe dieses Zimmer aufsuchen, treffen sie einen betrunkenen Matrosen an. Selbst das ändert nichts an Toms Absichten. Sein Gefühl ist so stark, dass er sich als die zweite Hälfte Kittys empfindet. Die Zukunft kümmert ihn nicht, die Folgen einer solchen Verbindung ebenso wenig. Joe hilft mit Geld nach: Gemeinsam bringen sie Kitty in ein besseres Hotel, Joe kauft ihr neue, hübsche Kleider. Einer seiner Geschäftspartner stellt Tom als Lastwagenfahrer ein, obwohl der noch gar keinen Führerschein besitzt.

Dann taucht Blick auf, ein Spitzel und Fänger von der Sittenpolizei. Er ist die abstoßende Figur des Stücks, in der alles Böse zusammenläuft. Mit mehreren Polizisten fällt er in die Bar ein, um Prostituierte aufzugreifen, und ihm gerät ausgerechnet Kitty in die Hände, die dort auf Tom wartet. Tom hat inzwischen seinen Lastwagen bekommen und soll damit nach San Diego fahren. Joe hat ihm Geld gegeben, damit er Kitty mitnehmen und dort heiraten kann.

Als Tom in der Bar erscheint, ist Nick außer sich. Er hat sich vor Kitty gestellt und wirft Blick unter großem Getöse auf die Straße hinaus. Dort erschießt ihn jemand mit einem Revolver. So wird das Böse besiegt, und die Liebe zwischen Tom und Kitty setzt sich gegen alle Hindernisse durch. Das gute Ende kommt auf durch und durch amerikanische Weise zustande: Das ganze Leben ist ein Vergnügen wie nie zuvor, und am Ende gewinnt immer die Liebe.

Stil↑

Auffällig ist der lockere Bau des Stücks. Neben der eigentlichen Liebesgeschichte steht eine ganze Reihe von Neben- und Episodenfiguren, deren Schicksale mit der Haupthandlung überhaupt nicht verknüpft sind. Sie treiben sich auf engem Raum herum und geben dem Ganzen seine Farbe. Der Mundharmonikaspieler, der glücklose Stepptänzer, der improvisierende Klavierspieler und der Automatenspieler ergeben so ein Bild vom Leben in dieser Kneipe.

Bemerkenswert sind auch die zahlreichen und ausführlichen Regieanweisungen. Saroyan beschreibt darin nicht nur Auftritte und Bewegungen, sondern vor allem die Stimmung: warm, natürlich, ungezwungen und amerikanisch. Jeder tut, was er für richtig hält, niemand steht mit einem anderen im Wettbewerb, niemand hasst den anderen. Leben und leben lassen ist die Grundhaltung. Obwohl es allen todernst ist, herrschen auf der Bühne Lächeln und gute Laune. Jeder bleibt er selbst und ist zugleich ein Teil des Ganzen.

Rezeption↑

Für das Jahr 1940 erhielt das Stück den Pulitzer-Preis in der Sparte Dramatik. Saroyan lehnte die Ehrung ab, weil er den Preisrichtern die nötige Kompetenz absprach. Der New York Drama Critics Circle Award ging ebenfalls an das Werk. Innerhalb von Saroyans Bühnenschaffen nimmt es den ersten Rang ein.

Der Stoff wurde zweimal verfilmt: 1948 unter der Regie von H. C. Potter und 1958 in einer Fassung von Tom Donovan.

Auch außerhalb des englischen Sprachraums fand das Stück seinen Weg auf die Bühne. In Polen wurde es unter dem Titel Zabawa jak nigdy gespielt. Die polnische Erstaufführung fand 1960 am Teatr Wybrzeże in Danzig statt, Regie führte Jerzy Goliński. Wenige Wochen später folgte eine Inszenierung von Aleksander Bardini am Teatr Ateneum in Warschau. 1965 brachte das polnische Fernsehtheater eine Fassung von Zbigniew Kuźmiński heraus, 1994 folgte eine Aufführung in Zielona Góra in der Regie von Roman Kłosowski.

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