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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · The Stone Angel
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Cover The Stone Angel
The Stone Angel
1964
– Werkseintrag –

The Stone Angel

1964 · Roman

Eine neunzigjährige Frau wehrt sich gegen das Pflegeheim und blickt dabei auf ein Leben voller Stolz, Starrsinn und verweigerter Zärtlichkeit zurück.

Überblick↑

Der Roman The Stone Angel der kanadischen Schriftstellerin Margaret Laurence erschien 1964 bei McClelland and Stewart. Er gehört zu einer Reihe von fünf Romanen, die im erfundenen Städtchen Manawaka in der Provinz Manitoba angesiedelt sind, und gilt als eines der bekanntesten Bücher dieser Reihe. Erzählt wird das Leben der Hagar Currie Shipley. Zwei Erzählstränge laufen nebeneinander her: die Gegenwart der frühen sechziger Jahre und die Vergangenheit, in die sich die alte Frau zurückerinnert. In Kanada wird das Buch bis heute zu den bedeutenden Romanen des Landes gezählt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Hagar Shipley, eine neunzigjährige Frau, die auf ein Leben voller Starrsinn und Verluste zurückblickt. In der Gegenwart wehrt sie sich mit aller Kraft dagegen, in ein Pflegeheim gebracht zu werden. Für sie bedeutet dieses Heim nichts anderes als den Tod. Umsorgt wird sie von ihrem älteren Sohn Marvin, der selbst schon vierundsechzig ist, und von dessen Frau Doris.

In lose gereihten Szenen kehrt Hagar immer wieder in ihre Vergangenheit zurück. Als junges Mädchen weigert sie sich, ihren sterbenden Bruder zu trösten. Als junge Frau heiratet sie Bram Shipley gegen den Willen ihres Vaters und zerschneidet damit die Bande zur eigenen Familie. Von ihren beiden Söhnen bevorzugt sie offen den jüngeren, John. Stolz und die Vorurteile, die aus dem Denken in gesellschaftlichen Rangordnungen erwachsen, ziehen sich durch ihr ganzes Leben.

Eines Tages bricht die alte Frau unerwartet allein in die Wälder auf. Bei ihrem Alter liegt über diesem Aufbruch die Ahnung, dass es der letzte sein könnte.

Die Handlung im Detail↑

In einer Folge von Einzelszenen entfaltet der Roman das Leben der Hagar Shipley. Schon als Kind zeigt sich ihre Härte: Sie weigert sich, ihren sterbenden Bruder in den Kleidern der Mutter zu wiegen und ihm so Trost zu spenden. Als junge Frau heiratet sie Bram Shipley, obwohl ihr Vater die Verbindung ablehnt. Die Ehe kostet sie den Zusammenhalt mit der eigenen Familie.

Von ihren Söhnen liebt Hagar den jüngeren, John, deutlich mehr. Als sie sich von ihrem Mann trennt, nimmt sie John mit. Der Sohn kehrt jedoch schließlich zum Vater zurück. Als John stirbt, weint Hagar nicht. Von diesem Augenblick an erstarrt sie innerlich und wird selbst zum steinernen Engel, der dem Buch den Titel gibt.

Erst spät zeigt sich, dass der ältere Sohn Marvin die ganze Zeit über der gute und treue Sohn gewesen war, obwohl die Mutter ihm ihre Zuneigung versagte. Er ist es, der sie im hohen Alter gemeinsam mit seiner Frau Doris pflegt. Gegen den drohenden Umzug ins Pflegeheim setzt sich die Neunzigjährige zur Wehr und bricht allein in die Wälder auf. Dort trifft sie auf einen anderen Umherziehenden. Im Gespräch mit diesem Fremden öffnet sie sich zum ersten Mal. Ein Leben lang verschüttete Gefühle brechen hervor, und Hagar weint endlich.

Am nächsten Tag holen Polizei und Marvin sie aus dem Wald zurück. Aus Liebe und aus Reue gesteht Hagar ihrem Sohn, dass er der bessere Sohn gewesen sei. Am Ende des Romans stirbt sie an Krebs.

Stil↑

Kennzeichnend für das Buch ist die Doppelung der Zeitebenen. Die Gegenwart der frühen sechziger Jahre und die Erinnerungen der alten Frau wechseln einander ab, und aus diesem Wechsel setzt sich ihr Leben nach und nach zusammen. Die Vergangenheit erscheint dabei nicht als durchlaufende Erzählung, sondern in einer Reihe kurzer Einzelszenen. Der Schauplatz Manawaka in Manitoba ist erfunden; Margaret Laurence hat ihn in insgesamt fünf Romanen verwendet. Die Gestalt des steinernen Engels gibt dem Buch nicht nur den Titel, sondern auch sein durchgehendes Bild für eine Frau, die ihre Gefühle versteinern lässt.

Rezeption↑

Zu den Romanen von Margaret Laurence wird The Stone Angel beständig gezählt, wenn von den großen kanadischen Romanen die Rede ist. Das Buch fand früh seinen Platz in den Lehrplänen von Schulen und Universitäten. In den siebziger und achtziger Jahren gerieten Laurences Romane allerdings unter Druck: Einzelne kanadische Schulbehörden wurden gedrängt, sie aus dem Unterricht zu verbannen, darunter auch dieses Werk.

Der Stoff wurde mehrfach für andere Bühnen bearbeitet. James W. Nichol schrieb zunächst eine Hörspielfassung, die 1989 in sechs Teilen im kanadischen Rundfunk gesendet und später als Hörbuch veröffentlicht wurde. Seine Bühnenfassung kam 1991 beim Blyth Festival heraus, Regie führte Brian Richmond, die Hagar spielte Barbara Chilcott. Weitere Aufführungen folgten 1993, 1999 und 2014.

Im Jahr 2002 war der Roman einer der ausgewählten Titel der Sendereihe Canada Reads, wo ihn Leon Rooke vertrat. 2007 kam eine Verfilmung heraus, gedreht in Winnipeg sowie in Hartney in Manitoba. Zur Besetzung gehörten Ellen Burstyn, Dylan Baker, Elliot Page und Kevin Zegers.

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