Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Margaret Laurence
Eingang · Autoren · Margaret Laurence
Porträt Margaret Laurence
Margaret Laurence
1926 – 1987
– Autorenporträt –

Margaret Laurence

1926 – 1987 · 60 Jahre

Kanadische Erzählerin, die in den Romanen um das erfundene Städtchen Manawaka das Leben in der Provinz schilderte – ihr bekanntestes Buch ist „The Stone Angel“.

Kurzbiografie↑

Margaret Laurence gehört zu den bekanntesten Schriftstellerinnen Kanadas. Geboren wurde sie 1926 in der Kleinstadt Neepawa in der Provinz Manitoba. Ihre literarische Laufbahn begann sie in Afrika, wo sie mit ihrem Mann mehrere Jahre lebte; berühmt aber wurde sie mit Romanen, die in der kanadischen Provinz spielen. Diese Bücher fasst man bisweilen als „Manawaka-Serie“ zusammen. Der Roman The Stone Angel von 1964 ist bis heute ihr meistgelesenes Buch und zählt zu den großen Werken der kanadischen Literatur. Laurence starb 1987.


Biografie↑

Zur Welt kam sie als Jean Margaret Wemys in einer Kleinstadt in Manitoba. Ihre Eltern starben früh, und so wuchs sie bei ihrer Tante auf. Ihr Studium absolvierte sie am United College in Winnipeg, der heutigen University of Winnipeg. Danach arbeitete sie zunächst als Journalistin bei der Zeitung Winnipeg Citizen.

1947 heiratete sie den Ingenieur Jack Laurence. Drei Jahre später zog das Ehepaar nach Afrika. Ihr Mann arbeitete dort zuerst in Somalia, dann in der britischen Kolonie Goldküste, dem heutigen Ghana. Diese Jahre prägten ihr frühes Werk. 1957 kehrte die Familie nach Kanada zurück.

1962 trennte sich Margaret Laurence von ihrem Mann und ging nach England. Dort entstanden die ersten drei Teile ihrer Manawaka-Bücher. Ab 1969 verbrachte sie für einige Jahre die Sommer in einer verlassenen Waldhütte in Kanada, die Winter aber weiterhin in England. In dieser Zeit hatte sie zudem Lehraufträge an verschiedenen kanadischen Universitäten inne.

1971 wurde sie zum Companion of the Order of Canada ernannt. Drei Jahre später kehrte sie endgültig in ihre Heimat zurück und ließ sich in Lakefield in der Provinz Ontario nieder. Von 1981 bis 1983 arbeitete sie an der Trent University in Peterborough.

Neben dem Schreiben und der Arbeit an den Universitäten mischte sich Laurence auch in politische Fragen ein. Sie trat für nukleare Abrüstung und für den Umweltschutz ein und wandte sich gegen Zensur.

Ihr Biograf James King berichtet, dass sie zeit ihres Lebens mit Depressionen und mit Alkoholismus zu kämpfen hatte; ihre Kinder haben das bestätigt. Nachdem bei ihr Lungenkrebs festgestellt worden war, nahm sich Margaret Laurence 1987 das Leben. Als Sterbeort wird meist Lakefield in Ontario angegeben, in manchen Verzeichnissen auch Selwyn.


Literarische Merkmale↑

Angefangen hat Margaret Laurence mit Übersetzungen. 1954 veröffentlichte sie eine Sammlung somalischer Lyrik und Erzählungen, die sie ins Englische übertragen oder auch frei nacherzählt hatte. Ihr erster eigener Roman, This Side Jordan, entstand bereits wieder in Kanada, handelt aber von Afrika: Er behandelt die ghanaische Unabhängigkeitsbewegung. Auch in den folgenden Büchern kehrte sie immer wieder an afrikanische Schauplätze zurück. Aus einem Tagebuch, das sie in Somalia geführt hatte, machte sie den autobiografischen Roman The Prophet's Camel Bell. Als bestes Buch dieser Jahre gilt Kritikern der Erzählungsband The Tomorrow-Tamer von 1963.

Der Durchbruch kam mit den späteren Romanen, die größtenteils in der Gegend um ihren Geburtsort Neepawa spielen. The Stone Angel (1964), A Jest of God (1966) und The Fire-Dwellers (1969) schrieb sie noch in England. 1974 schloss sie die Reihe mit The Diviners ab, einem Roman, der Figuren aus den früheren Teilen wieder aufgreift und als ihr ehrgeizigstes Buch gilt. Weitere Romane folgten nicht mehr; danach schrieb sie nur noch Essays und Kinderbücher.

Im Mittelpunkt ihrer Romane stehen die Menschen. Der äußeren Form maß sie nach eigenen Angaben nur so viel Bedeutung bei, wie nötig ist, um einen Rahmen für ihre Figuren zu schaffen. Diese Figuren sind meist Durchschnittsmenschen ohne besondere Eigenschaften: oft alleinstehende Frauen in mittleren Jahren, oft auch Gestalten am Rand der Gesellschaft.

In den späteren Büchern greift Laurence zu den Mitteln der klassischen Moderne. Sie schreibt im Bewusstseinsstrom, lässt ihre Figuren innere Monologe führen und wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Ihre Themen sind Schuld und Anmaßung, das Unglück des gesellschaftlichen Aufstiegs und das Leben in der kanadischen Provinz des frühen 20. Jahrhunderts.


Rezeption↑

Eine breite Leserschaft fand Margaret Laurence vor allem in Kanada. Mit den drei ersten Manawaka-Romanen wurde sie dort zu einer der bekanntesten Schriftstellerinnen des Landes. Ihren großen Erfolg führte man teils darauf zurück, dass sie Kanada als eigenständige kulturelle Region ernst nahm und damit ein Selbstbild schuf, das von der Kolonialgeschichte unabhängig war. Denselben Blick hatten schon ihre frühen Bücher aus Afrika, die überwiegend noch in der Kolonialzeit entstanden und den Kampf um kulturelle und politische Unabhängigkeit behandeln.

Für die Romane A Jest of God und The Diviners erhielt sie jeweils den Governor General's Award for Fiction. 1971 wurde sie zum Companion of the Order of Canada ernannt. The Stone Angel ist bis heute ihr meistgelesenes Buch und wird zu den großen Werken der kanadischen Literatur gezählt.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (4 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten