1806 – 1884
Heinrich Laube
Kurzbiografie↑
Heinrich Laube war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Theaterleiter. Er wurde 1806 in Sprottau in Schlesien geboren. Aus einfachen Verhältnissen stieg er zu einer der prägenden Figuren des deutschsprachigen Theaters im 19. Jahrhundert auf. In den 1830er Jahren gehörte er zu den Jungdeutschen. Seine freimütigen politischen Schriften brachten ihm Haft und polizeiliche Überwachung ein. Von Ende 1849 an leitete er achtzehn Jahre lang als artistischer Direktor das Wiener Burgtheater. Dort entwickelte er eine Spielweise, die Vorbildcharakter für die deutsche Bühne gewann. 1848 saß er als Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung. Laube starb 1884 in Wien.
Biografie↑
Als Sohn eines Handwerkers kam Heinrich Rudolf Constanz Laube am 18. September 1806 in Sprottau zur Welt. Die Familie war kleinbürgerlich; die Kinderjahre verbrachte er in seiner Geburtsstadt. 1820 schickten ihn die Eltern mit vierzehn Jahren auf das Gymnasium in Glogau. Dort sicherte ihm ein Freitisch, den er sich mit Nachhilfestunden verdiente, ein knappes Auskommen. Der pedantische Zwang der Schule verleidete ihm den Unterricht, und so wechselte er 1825 auf das liberalere Gymnasium in Schweidnitz.
1826 immatrikulierte sich Laube an der Universität Halle für Theologie. In den ersten drei Semestern war er in der Alten Halleschen Burschenschaft äußerst aktiv, was ihm mehrere Wochen Karzer eintrug. Zum vierten Semester ging er nach Breslau, ohne sich dem Brotstudium ernsthaft zu widmen. 1828 trat er dort der Alten Breslauer Burschenschaft Arminia bei. Stattdessen fand er Zugang zu einem Kreis junger Literaten und machte durch forsche Kritik am romantisierenden Zeitgeschmack auf sich aufmerksam. Anfang 1829 debütierte er mit Theaterkritiken in der Breslauer Zeitschrift Die Freikugeln; im selben Jahr wechselte er das Studienfach und belegte Literaturgeschichte. Im Juli 1829 übernahm er die Redaktion der neu gegründeten Zeitschrift Aurora, die ihr Erscheinen jedoch bald wieder einstellen musste. Karl Schall, Redakteur der Breslauer Zeitung, holte ihn als Theaterkritiker. In diese Zeit fallen erste Schauspielentwürfe; eine Tragödie Gustav Adolf kam in Breslau ohne Erfolg zur Aufführung.
Über seine berufliche Zukunft im Unklaren, trat Laube Mitte 1830 eine Hauslehrerstelle in Kottwitz bei Breslau an. Unter dem Eindruck der französischen Julirevolution und des polnischen Aufstands wandte er sich historischen Studien und der aktuellen Politik zu. Seit Mitte 1831 arbeitete er als Hofmeister auf dem Gut Jäschkowitz. Dort wurde er mit dem Gedankengut der Saint-Simonisten vertraut, korrespondierte für Leipziger Zeitschriften und schrieb für die Blätter für die literarische Unterhaltung.
Im Juni 1832 ging Laube nach Leipzig. Theaterkritiken, in denen er ein Spielangebot von öffentlichem Interesse forderte, erregten Aufsehen. Ende 1832 erhielt er die Redaktion der Zeitung für die elegante Welt. Gleichzeitig vollendete er das historisch-politische Werk Das Neue Jahrhundert, das 1833 erschien. Darin behandelte er die politischen, sozialen und literarischen Zustände in Deutschland seit der Julirevolution und vor allem den polnischen Freiheitskampf. Der Ton war offen oppositionell, der Stil populär. Im Juli 1833 folgte Die Poeten, das erste Stück der Romantrilogie Das junge Europa, in dem er die Anschauungen der Jungdeutschen breit entfaltete. Beide Werke wurden sofort nach Erscheinen von der Zensur kassiert. Im Sommer 1833 reiste Laube mit Karl Gutzkow nach Italien; die Eindrücke verarbeitete er in den Reisenovellen, die 1834 erschienen. Mit Ludolf Wienbarg, der neben Gutzkow als Wortführer des Jungen Deutschland gilt, schloss er Freundschaft.
Im Frühjahr 1834 wurde Laube auf Betreiben Preußens aus Leipzig ausgewiesen. Den Ernst der Lage unterschätzte er und begab sich nach Berlin, wo er im Juli 1834 verhaftet wurde. Im September 1834 erhob die Anklage ihm gegenüber den Vorwurf burschenschaftlicher Umtriebe sowie der Anstiftung zur Unzufriedenheit gegen den Deutschen Bund. Erst im April 1835 kam er aus der Untersuchungshaft frei, nachdem er ein Gnadengesuch eingereicht und seinen bisherigen Anschauungen abgeschworen hatte. Als Aufenthaltsort wurde ihm Naumburg zugewiesen, unter dauernder polizeilicher Überwachung. Dort setzte er die in der Haft begonnene Arbeit am zweiten Teil von Das junge Europa fort: Die Krieger und Die Bürger erschienen 1837. Daneben verfasste er politisch unanstößige Novellen und konzipierte die Neuen Reisenovellen, die 1837 erschienen.
Ende 1835 übernahm Laube inkognito die Redaktion der Mitternachtzeitung, in der er 1836 anonym zahlreiche Beiträge veröffentlichte. 1836 heiratete er Iduna Hänel, geborene Buddeus, die Witwe des Leipziger Medizinprofessors Albert Friedrich Hänel. Sie brachte den Sohn Albert Hänel mit in die Ehe, der später als Jurist und Politiker Laubes Werke herausgab; aus der Verbindung ging der Sohn Hans Laube hervor. Die Hochzeitsreise führte nach Straßburg. Dort spionierte Laube für den preußischen Innenminister Gustav Adolf von Rochow, denn Preußen interessierte sich für den Straßburger Putsch Louis Napoleons. Eine uneheliche Tochter Laubes war die Schauspielerin Cornelia Haas.
Im Winter 1836/37 fällte das Berliner Kammergericht das Urteil: sieben Jahre Festungshaft. Im Zuge der Demagogenverfolgung wurde Laube im Schwarzen Buch der Frankfurter Bundeszentralbehörde geführt. Nach einem Gnadengesuch und der Fürsprache seiner Freundin Lucie von Pückler-Muskau, einer Tochter des früheren Staatskanzlers Karl August von Hardenberg, wurde die Strafe auf achtzehn Monate verkürzt. Als Ort des Strafvollzugs wies man ihm Muskau in der Oberlausitz zu. Dort konnte er sich völlig frei bewegen, führte viele Gespräche mit dem in Muskau lebenden Komponisten und Schriftsteller Leopold Schefer und ging gern auf die Jagd.
Nach der Entlassung reiste Laube im Frühsommer 1839 mit seiner Frau nach Paris und lernte dort zahlreiche Größen der französischen Kunst und Literatur kennen. 1840 nahm er festen Wohnsitz in Leipzig und begann für die Bühne zu schreiben. Ab 1845 knüpfte er Fäden zu Wiener Bühnenkreisen; 1846 erschienen seine Briefe über das Theater, die seine Ambitionen auf die Leitung des Burgtheaters deutlich machten.
Die Märzrevolution 1848 brachte Laube nach Jahren politischer Zurückhaltung kurzzeitig in die Politik zurück. Journalistisch vertrat er die Position einer großdeutschen Staatseinigung unter der preußischen Krone. Als Berichterstatter über das Vorparlament hielt er sich in Frankfurt auf. In seinem Heimatbezirk blieb er als Kandidat erfolglos, zog dann aber mit einem deutsch-böhmischen Mandat in die Paulskirche ein. Dort zählte er als konstitutioneller Monarchist zum Augsburger Hof. Nach der Kaiserwahl im März 1849 legte er sein Mandat nieder, weil er seine Idee eines großdeutschen Staates als gescheitert ansah.
Ende 1849 wurde Laube mit umfangreichen Kompetenzen und hohem Gehalt als artistischer Direktor des Wiener Burgtheaters berufen. Achtzehn Jahre übte er dieses Amt aus, der Deutschen Biographie zufolge in der Art eines Alleinherrschers. Nach Kompetenzstreitigkeiten mit dem Intendanten Friedrich Halm gab er die Direktion im Herbst 1867 auf und lebte zunächst privat in Wien. 1869 übernahm er für knapp zwei Jahre die Leitung des Leipziger Stadttheaters. 1872 trat er an die Spitze des neuen Wiener Stadttheaters. Nach einer kurzen Unterbrechung leitete er es noch einmal von 1875 bis 1880. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Schulvereins. Am 1. August 1884 starb Heinrich Laube in Wien; begraben wurde er auf dem evangelischen Friedhof Matzleinsdorf. 1891 wurde der Laubeplatz in Wien-Favoriten nach ihm benannt.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Laubes frühe Arbeiten ist ein unverhüllter, bewusst populärer Ton. Seine Kritiken griffen den romantisierenden Zeitgeschmack forsch an; die Tendenz von Das Neue Jahrhundert beschreibt die Neue Deutsche Biographie als ultraliberal, im Ton offen und im Stil populär. In Die Poeten und den weiteren Teilen von Das junge Europa entfaltete er breit die ethisch, sozial und politisch oppositionellen Anschauungen der Jungdeutschen. Die Reisenovellen ordnet die Neue Deutsche Biographie als marktgängige Nachfolge von Heines Reisebilder ein.
Sein Hauptfeld war das Theater. Zwischen 1840 und 1848 entstanden Tragödien, Lustspiele und Schauspiele. Monaldeschi erschien 1845, Struensee 1847. Dazu kamen die Lustspiele Rococo 1846 und Gottsched und Gellert 1847. Die Schauspiele Die Bernsteinhexe und Die Karlsschüler folgten 1847 beziehungsweise 1846. Prinz Friedrich erschien 1854. Mehrere dieser Stücke suchten ihre Stoffe in der jüngeren nationalen Geschichte, einem damals verpönten Themenkreis. Die Veröffentlichung seiner Dramen verband Laube mit scharfen polemischen Ausfällen gegen den herrschenden Theaterbetrieb. Dazu kam die Forderung nach einer grundlegenden Reform. Auch ein Gutteil seiner Publizistik dieser Jahre bewegte sich in dieser Richtung.
Am deutlichsten wird Laubes Handschrift in seiner Dramaturgie am Burgtheater. Seine Grundsätze waren Vielfalt im Repertoire, Gegenwartsnähe und nationale Bedeutung der Stücke sowie Wirkung auf das Publikum. Er setzte auf das Zusammenspiel des Ensembles statt auf die virtuose Einzelleistung. Von Wort und Handlung verlangte er Deutlichkeit und Natürlichkeit anstelle des gesungenen Jambentons und des starren Spiels zum Publikum hin. Prunkvolle Ausstattung nach Opernart lehnte er ab. Umgesetzt wurde das durch systematische Schauspielerausbildung, straffe Regie und eine rege Bearbeitertätigkeit. Dazu trug Laube eigene Stücke bei, unter denen Graf Essex zu den bekanntesten zählt.
Seine schriftstellerische Produktion versiegte nie. Seit den 1860er Jahren entstand eine Reihe teils umfangreicher Novellen und Romane. Daneben besorgte er Ausgaben deutscher Dichter: Grillparzer 1874, Lessing 1883, Heine 1884–85. 1884 erschien seine Lebensgeschichte Grillparzers.
Rezeption↑
Umstritten war Laube schon zu Lebzeiten, und zwar in zweierlei Hinsicht: politisch und moralisch. Das Neue Jahrhundert und Die Poeten wurden sofort nach Erscheinen von der Zensur kassiert. Seine Artikel in der Zeitung für die elegante Welt führten zur Ausweisung, später zu Verhaftung, Anklage und einem Urteil von sieben Jahren Festungshaft, das auf achtzehn Monate verkürzt wurde. Im Schwarzen Buch der Frankfurter Bundeszentralbehörde war er als Verdächtiger verzeichnet. Richard Wagner war von Laubes Schicksal stark mitgenommen.
Auch seine Dramen sorgten für Aufsehen. Rococo zog den Vorwurf der Unmoral auf sich, Struensee den des Plagiats am gleichnamigen Trauerspiel von Michael Beer. Die Berliner und die Wiener Zensur verboten Struensee; Prinz Friedrich konnte vor der Märzrevolution nicht aufgeführt werden, weil er wie Die Karlsschüler im verpönten Themenkreis der jüngeren nationalen Geschichte angesiedelt war. Prinz Homburg sorgte für politisches Aufsehen.
Nachhaltiger wirkte Laube als Theatermann. Seine am Burgtheater entwickelte Dramaturgie gewann nach dem Urteil der Neuen Deutschen Biographie Vorbildcharakter für die deutsche Bühne. Seine Erfahrung aus dreißig Jahren Dramaturgenarbeit legte er in Werken nieder, die die Deutsche Biographie als theatergeschichtlich bedeutsam einstuft: Das Burgtheater erschien 1868, Das Norddeutsche Theater 1872 und Das Wiener Stadttheater 1875.
In der Wissenschaft wurde Laube seit dem frühen 20. Jahrhundert in einer Reihe von Dissertationen behandelt. Diese trennen seine verschiedenen Rollen: Laube als Dramatiker, seine literarische Frühzeit, Laube als sozialer und politischer Schriftsteller sowie Laube als jungdeutscher Journalist. Sein Nachlass liegt im Laube-Museum in Sprottau und im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig. Verzeichnet ist er unter anderem in der Allgemeinen Deutschen Biographie, der Neuen Deutschen Biographie und im Österreichischen Biographischen Lexikon.
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