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Autoreneintrag · Andreas Latzko
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Porträt Andreas Latzko
Andreas Latzko
1876 – 1943
– Autorenporträt –

Andreas Latzko

1876 – 1943 · 67 Jahre

Österreichischer Schriftsteller aus Budapest, der als Soldat an der Isonzofront zusammenbrach und daraus 1917 „Menschen im Krieg“ schrieb – ein Buch, das in neunzehn Sprachen erschien und in den meisten kriegführenden Staaten zeitweise verboten war.

Kurzbiografie↑

Andreas Latzko wurde 1876 in Budapest geboren und starb 1943 in Amsterdam. Er gilt als österreichischer Schriftsteller, der seine Erfahrungen als Soldat des Ersten Weltkriegs in scharfe Anklagen gegen den Krieg verwandelte. Bekannt wurde er 1917 mit dem Novellenband Menschen im Krieg, der in neunzehn Sprachen übersetzt wurde und in den meisten kriegführenden Staaten zeitweise verboten war. Latzko schrieb zunächst auf Ungarisch, bevor er zum Deutschen überging. 1933 verbrannten die Nationalsozialisten in Deutschland seine Bücher.


Biografie↑

Geboren wurde Andreas Latzko am 1. September 1876 in Budapest, damals Königreich Ungarn in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Er besuchte in Budapest das Gymnasium und legte dort die Matura ab. Danach diente er in der Gemeinsamen Armee Österreich-Ungarns als Einjährig-Freiwilliger und wurde Reserveoffizier des Ersatzheeres.

Latzko ging nach Berlin und studierte dort zunächst Chemie, später Philosophie. Seine ersten Texte schrieb er auf Ungarisch. 1901 wurde in Berlin ein Einakter aufgeführt, sein erster Versuch in deutscher Sprache. Als Journalist und Reiseschriftsteller unternahm er weite Fahrten: nach Ägypten, nach Vorder- und Hinterindien, nach Ceylon und nach Java.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 kehrte Latzko nach Europa zurück. Als Reserveoffizier wurde er in die k.u.k. Armee eingezogen. Als der Krieg zwischen Italien und Österreich-Ungarn begann, kam er an die Isonzofront. Dort erkrankte er an Malaria, musste aber im Feld bleiben. Nach einem italienischen Artillerieangriff in der Nähe von Gorizia erlitt er einen schweren Schock und wurde als Kriegszitterer dienstunfähig. Acht Monate lag er im Lazarett. 1916 kam er zur Kur nach Davos, wo er bis Anfang 1918 blieb.

In Davos schrieb Latzko 1917 sechs Novellen, die er zu dem Band Menschen im Krieg zusammenfasste. Das Buch nimmt die Lage der Soldaten an der Isonzofront in den Blick. Noch 1917 erschien es im Zürcher Rascher Verlag, die erste Auflage allerdings ohne Nennung des Verfassers. Der Erfolg war groß: Das Buch wurde in neunzehn Sprachen übersetzt und war in den meisten kriegführenden Staaten zeitweise verboten. Das Armee-Oberkommando der k.u.k. Armee degradierte Latzko daraufhin. 1918 betrug die Auflage bereits dreiunddreißigtausend Stück.

1918 erschien bei Rascher der Roman Friedensgericht. Im selben Jahr erschien der Roman Der wilde Mann. Für die internationale Frauenkonferenz für Völkerverständigung in Bern 1918 schrieb er den Text Frauen im Krieg.

In der Schweiz lernte Latzko Romain Rolland und Stefan Zweig kennen. Mit dem Kriegsende 1918 übersiedelte er nach München, wo er gemeinsam mit Gustav Landauer Vorträge hielt. Zwei Versuche, auch in Berlin Vorträge zu halten, verhinderte die Zensur. 1919 wurde Latzko aus Bayern ausgewiesen. Er ließ sich in Salzburg nieder und verkehrte dort mit Stefan Zweig und besonders mit Hermann Bahr. In Salzburg begegnete er auch Georg Friedrich Nicolai, als dieser Zweig besuchte; Nicolai hatte 1917 das Buch Die Biologie des Krieges veröffentlicht. Latzko arbeitete wieder als Journalist und schrieb Beiträge für Zeitungen. Um 1930 erschien sein Roman Sieben Tage.

1931 zog Latzko nach Amsterdam. Dort starb er am 11. September 1943. 1933 hatten die Nationalsozialisten in Deutschland seine Bücher verbrannt; die Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Publikationen und Autoren führt ihn auf. An seinem Grab wurde 1948 ein Denkmal enthüllt, das der niederländische Bildhauer Jan Havermans gestaltet hatte.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Latzkos Schreiben war der eigene Fronteinsatz. Was er als Soldat an der Isonzofront erlebt hatte, wurde unmittelbar zum Stoff seiner Bücher. Menschen im Krieg ist aus sechs Novellen gebaut. Latzko bleibt dabei nahe an den einzelnen Menschen und ihrer Lage, statt vom Krieg im Großen zu erzählen.

Sein Ton ist der des Anklägers. Das Berliner Tageblatt urteilte Anfang 1919: „Die Urheber und Schergen des Krieges sind nie so schonungslos enthüllt worden wie von Latzko.“

Bemerkenswert ist auch der Weg, den Latzko als Schreibender nahm. Er begann auf Ungarisch und wechselte erst später ins Deutsche; 1901 kam in Berlin ein Einakter zur Aufführung, sein erster deutschsprachiger Versuch. Neben dem erzählenden Werk stehen die journalistischen Arbeiten und die Reiseberichte aus Ägypten, Indien, Ceylon und Java.


Rezeption↑

Durchschlagend wirkte Menschen im Krieg. Der Band wurde in neunzehn Sprachen übersetzt und erreichte 1918 eine Auflage von dreiunddreißigtausend Exemplaren. Die meisten kriegführenden Staaten verboten ihn zeitweise, und das Armee-Oberkommando der k.u.k. Armee degradierte den Verfasser. Dass die erste Auflage anonym erschien, zeigt, wie heikel der Stoff war.

Zustimmung fand Latzko in der Presse der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das Berliner Tageblatt schrieb Anfang 1919, die Urheber und Schergen des Krieges seien nie so schonungslos enthüllt worden wie von Latzko. Auch seine Vortragstätigkeit stieß auf Widerstand der Behörden: In Berlin verhinderte die Zensur zwei Versuche, und 1919 wurde Latzko aus Bayern ausgewiesen.

1933 verbrannten die Nationalsozialisten seine Bücher in Deutschland. Er ist in der Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Publikationen und Autoren erfasst. Fünf Jahre nach seinem Tod, 1948, wurde an seinem Grab ein Denkmal des niederländischen Bildhauers Jan Havermans enthüllt. Nachschlagewerke in mehreren Ländern führen ihn: das Österreichische Biographische Lexikon 1815–1950 und das Historische Lexikon der Schweiz; sein Nachlass ist über den Kalliope-Verbund nachgewiesen.

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