1917
Menschen im Krieg
Überblick↑
Mit dem Buch Menschen im Krieg legte Andreas Latzko (1876–1943) ein frühes Zeugnis pazifistischer Antikriegsliteratur vor. Das Werk entstand 1917, also mitten im Ersten Weltkrieg, und erschien im selben Jahr im Schweizer Rascher Verlag. Die erste Auflage kam ohne Namen des Verfassers heraus. In sechs Abschnitten schildert das Buch Leben und Sterben an der Isonzofront. Latzko hatte dort selbst gedient. Heute ist das Werk fast vergessen.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Sechs Novellen bilden das Buch: Der Abmarsch, Feuertaufe, Der Sieger, Der Kamerad, Heldentod und Heimkehr. Schon die Titel deuten den Weg an, den die Erzählungen nehmen: vom Aufbruch an die Front bis zur Heimkehr. Latzko setzt sich darin mit der Lage an der Isonzofront auseinander, wo sich seit 1915 Italien und Österreich-Ungarn gegenüberstanden. Er kannte diesen Kriegsabschnitt von Anfang an aus eigener Erfahrung. Auch der Journalismus jener Jahre kommt im Buch kritisch zur Sprache.
Die Handlung im Detail↑
Die sechs Novellen des Bandes heißen Der Abmarsch, Feuertaufe, Der Sieger, Der Kamerad, Heldentod und Heimkehr. Sie reichen vom Abmarsch der Truppen und dem ersten Feuergefecht bis zum Sterben im Lazarett und zur Heimkehr eines Soldaten, die in Gewalt endet. Den Hintergrund bildet die Isonzofront, an der Latzko selbst gedient hatte.
Die Entstehung des Buches ist von der eigenen Erfahrung des Verfassers nicht zu trennen. 1916 kam Latzko nach acht Monaten Lazarett schwer traumatisiert zur Kur nach Davos. Dort in der Schweiz schrieb er die sechs Novellen. Der Krieg war zu diesem Zeitpunkt noch nicht beendet.
Neben dem Soldatenschicksal nimmt das Buch den Journalismus der Kriegsjahre ins Visier und stellt ihn kritisch dar.
Stil↑
Der Band ist nicht als durchlaufender Roman angelegt, sondern als Folge von sechs Novellen. Jede trägt einen eigenen Titel, und erst zusammen ergeben sie ein Bild vom Leben und Sterben an der Isonzofront. Die Titel greifen Wörter des Kriegspathos auf, etwa Der Sieger oder Heldentod. Zum Verfahren des Buches gehört es, auch die Sprache der Zeitungen kritisch vorzuführen.
Rezeption↑
Das Buch wurde ein großer Erfolg und in neunzehn Sprachen übersetzt. In den meisten kriegführenden Staaten war es zeitweise verboten, auch in Österreich. Das Armee-Oberkommando der k.u.k. Armee degradierte den Verfasser deshalb. Berühmt wurde Latzko mit dem Antikriegsbuch dennoch weit über die Grenzen Österreichs hinaus.
Das Werk erschien in der Sammlung Europäische Bücher im Max Rascher Verlag in Zürich. Dort kamen auch die deutsche Übersetzung von Le Feu (Das Feuer) von Henri Barbusse und Requiem für die Gefallenen von Europa von Iwan Goll heraus. In derselben Sammlung erschien 1918 Latzkos Buch Friedensgericht. Romain Rolland stellte das Buch im Dezember 1917 in einem großen Aufsatz sogar über Barbusses Das Feuer. Karl Kraus hatte das Werk bereits 1917 in seiner Zeitschrift Die Fackel wahrgenommen und urteilte dort 1931 noch einmal über Autor und Buch.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Buch verdrängt; es fiel 1933 der Bücherverbrennung zum Opfer. Latzko starb im holländischen Exil. Wiederentdeckt wurde er erst spät, um 2014. Neuauflagen erschienen 2014 und 2019, eine davon mit einem Nachwort von Hans Weichselbaum. Ein von Jacques Lajarrige herausgegebener Sammelband von 2021 fragt im Titel, ob Latzko ein vergessener Klassiker der Kriegsliteratur sei.
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