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Werkseintrag · Mephisto
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Cover Mephisto
Mephisto
1936
– Werkseintrag –

Mephisto

1936 · Roman

Ein ehrgeiziger Schauspieler spielt auf der Bühne den Teufel Mephisto – und verkauft im nationalsozialistischen Deutschland seine Seele für die große Karriere.

Überblick

Der Roman Mephisto – Roman einer Karriere ist der sechste Roman von Klaus Mann. Er erschien 1936 im Exilverlag Querido in Amsterdam, während der Autor bereits im Exil lebte. Erzählt wird der Aufstieg des Schauspielers Hendrik Höfgen, der sich im nationalsozialistischen Deutschland mit den Machthabern arrangiert und dafür bis zum gefeierten Star und Intendanten aufsteigt. Das Buch zählt neben dem Tschaikowsky-Roman Symphonie Pathétique und dem Emigranten-Roman Der Vulkan zu den drei bedeutendsten Romanen Klaus Manns. Bis heute wird es häufig als Schlüsselroman gelesen, weil die Hauptfigur Züge des Schauspielers Gustaf Gründgens trägt. Klaus Mann selbst widersprach dieser Deutung: „Alle Figuren stellen Typen dar, nicht Portraits.“

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht der Schauspieler Hendrik Höfgen. Zu Beginn arbeitet er Mitte der 1920er Jahre am Hamburger Künstlertheater als Regisseur und Darsteller. Er hält sich insgeheim nur für einen Provinzschauspieler, tritt gegenüber den Kollegen aber überheblich und spöttisch auf. Ehrgeiz und Arbeitswut treiben ihn voran, oft steht er sechzehn Stunden am Tag auf der Bühne oder in der Garderobe.

Sein Weg führt über Wien nach Berlin ans Staatstheater, wo ihm der endgültige Durchbruch gelingt. Seine erfolgreichste Rolle wird der Mephisto in Goethes Faust – eine Figur, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint. Als die Nationalsozialisten an die Macht kommen, gerät der Opportunist in einen inneren Zwiespalt: Seine linke Vergangenheit und einige seiner Beziehungen könnten ihm gefährlich werden, doch die Verlockung der Karriere ist groß.

Der Roman verfolgt, wie Höfgen zwischen alten Bindungen und neuen Gönnern lavieren muss und welchen Preis sein Ehrgeiz hat. Die Erzählung reicht bis ins Jahr 1936, als Höfgen es zum gefeierten Star des „Neuen Reiches“ gebracht hat. Der Titel deutet an, worum es im Kern geht: um einen Pakt, dessen wahre Bedingungen erst nach und nach sichtbar werden.

Die Handlung im Detail

Der Roman setzt 1936 mit einer prunkvollen Feier ein: Der preußische Ministerpräsident begeht im Berliner Opernhaus seinen 43. Geburtstag. Das Fest ist so ausschweifend, dass sich ausländische Gäste darüber empören, ihm zugleich aber devot schmeicheln. Als der Propagandaminister den Saal betritt, erstarrt jede Regung; von ihm geht eine eiskalte Atmosphäre aus. Trotz seiner Behinderung bewegt er sich gewandt und steuert auf den Staatstheaterintendanten Hendrik Höfgen zu. Obwohl er den 39-Jährigen hasst, lässt er sich mit ihm fotografieren. Der Ministerpräsident zögert seine Ankunft hinaus, um größere Wirkung zu erzielen, und erscheint schließlich mit seiner Frau Lotte Lindenthal.

Eine Rückblende führt in die Mitte der 1920er Jahre. Zum Hamburger Künstlertheater gehören Höfgen, sein Freund Otto Ulrichs und der mit den Nationalsozialisten sympathisierende Hans Miklas. Höfgen arbeitet dort als Regisseur und Schauspieler, oft sechzehn Stunden am Tag, und leidet unter starker Anspannung. Insgeheim hält er sich nur für einen Provinzdarsteller, spielt sich vor den Kollegen aber als überlegen auf. Als die Berliner Charakterdarstellerin Dora Martin ein Gastspiel gibt, versteckt er sich in seiner Garderobe; obwohl er die Aufführung nicht gesehen hat, gratuliert er ihr, und sie bescheinigt ihm im Gegenzug Talent. In einer Hamburger Hafenkneipe lernt er die junge dunkelhäutige Juliette Martens kennen, deren Vater Ingenieur und deren Mutter Afrikanerin war. Sie gibt ihm Tanzunterricht und wird seine Geliebte. Nur sie darf ihn mit seinem verachteten Vornamen Heinz ansprechen.

Bei der Probe zu Frühlings Erwachen zeigt sich Höfgen tyrannisch und bricht die Arbeit ab, um Juliette zu treffen. Über die Kollegin Nicoletta von Niebuhr lernt er Barbara Bruckner kennen, die Tochter des Geheimrats Bruckner. Er wirbt um sie, beide heiraten und verbringen die Flitterwochen an den oberbayerischen Seen. Schon zwei Wochen nach der Rückkehr trifft sich Höfgen wieder mit Juliette. Nicoletta wiederum heiratet den dreißig Jahre älteren, verschrobenen Schriftsteller Theophil Marder und gibt ihren Beruf auf.

1928 erhält Höfgen durch Fürsprache von Dora Martin, Geheimrat Bruckner und Marder eine Rolle in Wien; das Hamburger Theater hatte er nach einem Streit mit Miklas verlassen, nachdem er Lotte Lindenthal eine „blöde Kuh“ genannt hatte. Bald bekommt er ein Engagement am Berliner Staatstheater, macht Karriere und verdreifacht seine Gage. Er singt nach den Vorstellungen Chansons, bezieht eine Wohnung am Reichskanzlerplatz und lernt Auto fahren. Barbara und ihr Vater ziehen sich immer weiter von ihm zurück. Für Juliette mietet er heimlich ein Zimmer in einem entlegenen Stadtteil.

1932, zum 100. Todestag Goethes, kommt der Faust auf den Spielplan. Höfgen übernimmt den Mephisto – seine erfolgreichste Rolle. Er glaubt kaum, dass die Nationalsozialisten an die Macht kommen, doch am 30. Januar 1933 wird Hitler Reichskanzler. Höfgen ist gerade zu Dreharbeiten in Madrid. Statt nach Deutschland zurückzukehren, reist er nach Paris, weil er gewarnt wird, dass „schwarze Listen“ kursieren, auf denen sein Name und der von Geheimrat Bruckner stehen. Dora Martin wandert nach Amerika aus.

Die Wende bringt Lotte Lindenthal: Nachdem die Hamburger Kollegin Angelika Siebert ein gutes Wort für Höfgen eingelegt hat, wünscht sich Lotte ihn als Partner für ihr Debüt am Staatstheater. Damit steht Höfgen unter dem Schutz des Ministerpräsidenten und kann zurückkehren. Erneut wird der Faust gespielt, und wieder erreicht Lotte über den Ministerpräsidenten, dass Höfgen den Mephisto bekommt. Dank seines Gönners erwirkt er sogar die Freilassung von Otto Ulrichs, den die Nazis als Kommunisten ins Lager gesperrt hatten, und überredet ihn zu einer kleinen Anstellung am Staatstheater. Hans Miklas dagegen fühlt sich vom Regime betrogen, hält die neuen Machthaber für korrupter als die alten und kündigt einen Parteiaustritt an – daraufhin wird er von der Gestapo erschossen.

Höfgen fürchtet, seine Beziehung zu Juliette könne bekannt werden. Er fordert sie auf, das Land zu verlassen und nach Paris zu gehen. Weil sie sich weigert, wendet er sich an seinen Protektor, der Juliette verhaften lässt. Im Gefängnis eröffnet Höfgen ihr, man werde sie nach Paris abschieben und er werde sie finanziell unterstützen. 1934 lässt sich Barbara von ihm scheiden; auch sie lebt nun in Paris. Nicoletta trennt sich ebenfalls von ihrem Mann, kehrt nach Berlin zurück und tritt wieder mit Höfgen auf.

Ministerpräsident und Propagandaminister geraten über die Neubesetzung der Intendanz in Streit. Der Ministerpräsident setzt sich durch und macht Höfgen zum Intendanten; dessen Vorgänger Cäsar von Muck wird Präsident der „Dichterakademie“. In Paris erfährt von Muck von Höfgens „schwarzer“ Geliebter und sorgt aus Rache dafür, dass die Information – mit erfundenen Einzelheiten ausgeschmückt – verbreitet wird; darüber hält der Führer mit Höfgen eine kurze Unterredung. So spät erkennt der Opportunist, dass er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Er ist zum „Affen der Macht“ und zum „Clown zur Zerstreuung der Mörder“ geworden, hat seine humanen Werte verloren und teilt die Auffassungen des Regimes.

Stil

Angelegt ist das Buch als gesellschaftskritischer Roman mit zahlreichen satirischen Elementen. Der Titel selbst arbeitet mit einem literarischen Bild: Die Hauptfigur, die auf der Bühne den Mephisto in Goethes Faust verkörpert, wird im Leben zum Menschen, der seine Seele für die Karriere verkauft. Der Theaterstoff und die Lebensgeschichte spiegeln einander.

Klaus Mann hat die Figuren ausdrücklich nicht als Abbilder wirklicher Personen verstanden wissen wollen, sondern als Typen. Höfgen ist für ihn ein „symbolischer Typus“: der Opportunist, der sich anpasst, verrät und dabei aufsteigt. Diese Anlage erlaubt es dem Roman, am einzelnen Fall ein allgemeines Muster von Mitläufertum und Machtnähe sichtbar zu machen.

Rezeption

Erschienen ist der Roman 1936 im Exil, im Amsterdamer Verlag Querido, und fand weltweite Beachtung. Schon während des Vorabdrucks in der Pariser Tageszeitung wurde er als Schlüsselroman vorgestellt und von den Lesern auch so verstanden. Klaus Mann, der das Buch nicht als solchen gedacht hatte, protestierte auf Drängen seines Verlegers Fritz Helmut Landshoff, der einen Prozess befürchtete, mit einer Richtigstellung unter dem Titel „Kein Schlüsselroman“. Darin betonte er, es handle sich nicht um ein Porträt, sondern um einen symbolischen Typus. Ob der Roman ein Schlüsselroman ist, blieb dennoch bis heute umstritten.

In Deutschland selbst wurde das Werk erst spät zugänglich: In der DDR erschien es bereits 1956 im Ostberliner Aufbau-Verlag. In Westdeutschland dagegen war der Roman jahrzehntelang gerichtlich verboten: Peter Gorski, Adoptivsohn und Alleinerbe des 1963 verstorbenen Gustaf Gründgens, klagte gegen eine geplante westdeutsche Neuauflage. Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg untersagte 1966 die Verbreitung, weil die Romanfigur Höfgen eine Herabwürdigung Gründgens darstelle; der Bundesgerichtshof bestätigte dieses Verbot 1968. Auch die Verfassungsbeschwerde des Verlags blieb erfolglos: Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts wies sie 1971 im vielzitierten „Mephisto-Beschluss“ bei Stimmengleichheit (3:3) zurück – bis heute eine Grundsatzentscheidung zum Verhältnis von Kunstfreiheit und postmortalem Persönlichkeitsschutz. Erst Ende 1980/Anfang 1981 erschien der Roman bei Rowohlt in einer Neuausgabe, ohne dass dagegen noch einmal gerichtlich vorgegangen wurde. Nachhaltig ins öffentliche Bewusstsein rückte der Stoff 1981 zusätzlich durch die Verfilmung des Regisseurs István Szabó, die 1982 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde.

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