1731
The Tragedy of Tragedies
Überblick↑
Das Theaterstück The Tragedy of Tragedies stammt von Henry Fielding. Der vollständige Titel lautet The Tragedy of Tragedies; or, The Life and Death of Tom Thumb the Great. Es ist eine erweiterte und umgearbeitete Fassung eines früheren Stücks Fieldings mit dem Titel Tom Thumb. Im Mittelpunkt steht eine Gestalt, die an Körpergröße wie an Stand winzig ist und dennoch die Hand einer Prinzessin zur Ehe erhält. Eine erzürnte Königin und ein weiteres Mitglied des Hofes versuchen daraufhin, diese Verbindung zu zerstören. Die Uraufführung fand am 24. März 1731 am Haymarket Theatre statt, zusammen mit dem Begleitstück The Letter Writers. Das Werk ist eine Verspottung der ernsten Tragödie seiner Zeit.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Königreich von König Artus lebt der kleine Tom Thumb, eine Gestalt von zwergenhafter Statur und niedrigem Stand. Trotz seiner Geringheit gilt er als Held, und der König gewährt ihm die Hand seiner Tochter, der Prinzessin Huncamunca. Doch diese Heirat erregt Zorn und Widerstand am Hof. Königin Dollallolla und ein weiteres Mitglied des Hofstaats setzen alles daran, die Verbindung zu hintertreiben.
Um Tom Thumb herum spinnen sich verwickelte Liebesbeziehungen. Der Höfling Grizzle wird zu Toms Rivalen um das Herz der Prinzessin. Eine Riesin namens Glumdalca tritt hinzu und entzündet die Begierde gleich zweier Männer. Der Zauberer Merlin weissagt, welches Ende den kleinen Helden erwartet. Aus dieser Häufung von Eifersucht, Streit und übertriebenen Gefühlen entwickelt sich ein Geschehen, das die feierlichen Muster der ernsten Bühne mit voller Absicht ins Lächerliche zieht.
Die Handlung im Detail↑
Der grobe Handlungsverlauf folgt dem früheren Stück Tom Thumb, doch Fielding nahm bedeutende Änderungen vor. Er strich vollständig eine Szene, in der zwei Ärzte über Tom Thumbs Tod sprechen. Aus dem Vorläufer machte er ein Stück in drei Akten, dehnte einzelne Szenen aus und fügte neue Figuren hinzu.
Der Zauberer Merlin wird in die Handlung eingeführt, um Toms Ende vorherzusagen. Der Höfling Grizzle tritt als Toms Nebenbuhler um das Herz der Prinzessin Huncamunca auf. Zudem kommt die Riesin Glumdalca hinzu, die zugleich König Artus und Tom in Liebe entbrennen lässt. Im Verlauf des Stücks wird Tom nicht etwa von Grizzle getötet, sondern besiegt seinen Rivalen.
Das Ende fällt dann blutig und grotesk zugleich aus. Tom wird hinter der Bühne von einer riesigen, mordlüsternen Kuh verschlungen. Die Nachricht von seinem Tod löst eine Mordwelle aus: Am Schluss liegen sieben Leichen auf der Bühne verstreut. Der König bleibt allein zurück und rühmt sich noch, der Letzte zu sein, der falle – um sich unmittelbar darauf selbst zu erstechen. Anders als im früheren Stück, in dem der Geist Toms erscheint, tritt hier der Geist von Gaffar Thumb auf, Toms Vater.
Stil↑
Bereits die Wahl des Helden gibt dem Werk seinen spöttischen Grundton. Tragödien handeln üblicherweise von Königen und vornehmen Familien. Indem Fielding einen Mann aus niederem Stand in den Mittelpunkt stellt, der noch kleiner ist als ein gewöhnlicher Untertan, stellt er den parodistischen Charakter von Beginn an klar. Die übersteigerte Handlung, die verwickelten Beziehungen der Figuren und die am Schluss verstreuten Leichen verspotten allesamt die ernste Bühnentragödie des achtzehnten Jahrhunderts. Fielding selbst berichtete, das frühere Stück sei als Verhöhnung der erhabensten Teile der Tragödie kritisiert worden, als Versuch, die feierlichen Wendungen von der Bühne zu verbannen.
Ein Schwerpunkt der Satire liegt auf dem Missbrauch der Sprache. In den Dialogen werden Worte ihrer Bedeutung beraubt oder erfundene Wörter eingeschoben. Damit ahmt und verhöhnt Fielding die Sprechweise in den Stücken Colley Cibbers nach. Gegen Ende greift König Artus die Vergleiche im Allgemeinen an und verflucht den Dichter, der je einen Vergleich schuf. Auch außerhalb des Stücks zielt Fieldings Spott auf bestimmte Personen: Er macht sich über Lewis Theobald lustig, namentlich über dessen Tragödie The Persian Princess und über seine Anmerkungen zu Shakespeare.
Hinzu kommt eine Ebene, die das Verhältnis der Geschlechter berührt. König Artus und Königin Dollallolla streiten darüber, welche der Frauen Tom für sich gewinnen soll. Mögliche Anspielungen verbinden König Artus mit König Georg und Königin Dollallolla mit Königin Caroline – zumal verbreitet die Ansicht herrschte, Caroline nehme Einfluss auf die Entscheidungen des Königs. Verstärkt wurde dies dadurch, dass der männliche Tom Thumb bei vielen Aufführungen von einer Frau gespielt wurde. Diese Vertauschung erlaubte Fielding, das herkömmliche Bild des Helden in der Tragödie zu hinterfragen. Auch das Titelbild William Hogarths unterstreicht diese Absicht: Der Held Tom Thumb bleibt untätig, während die beiden Frauen das Feld beherrschen und miteinander kämpfen.
Rezeption↑
Die Kritiker fanden Gefallen an dem Stück. Zugleich wiesen sie darauf hin, dass es ursprünglich als Begleitstück zu The Author's Farce gedacht war. Ein Teil des Publikums sah die Aufführung allerdings eher zum Vergnügen als wegen der beißenden Satire, die Fielding eigentlich im Sinn hatte. Gerade deshalb bereitete ihm der possenhafte Zug seines Werks einige Schwierigkeiten. Mit der Änderung des Schlusses, bei der nun der Geist von Toms Vater anstelle des Geistes von Tom selbst stirbt, suchte Fielding einen Teil der rein erheiternden Wirkung zurückzunehmen, um den satirischen Zweck des Stücks stärker hervortreten zu lassen.
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