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Werkseintrag · Tom Jones : die Geschichte eines Findelkindes
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Cover Tom Jones : die Geschichte eines Findelkindes
Tom Jones : die Geschichte eines Findelkindes
1749
– Werkseintrag –

Tom Jones : die Geschichte eines Findelkindes

1749 · Roman

Ein Findelkind wächst auf einem englischen Landsitz heran, verliebt sich in die Nachbarstochter und muss sich durch ein abenteuerliches England voller Wirtshäuser, Intrigen und Londoner Salons schlagen.

Überblick

Henry Fieldings Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes erschien am 18. Februar 1749 in London bei Andrew Millar. Er gilt als einer der ersten großen englischen Romane überhaupt. Das Werk verbindet Bildungsroman und Schelmenroman zu einer heiteren Lebensgeschichte. Diese führt einen jungen Mann aus der englischen Provinz bis nach London. Gewidmet ist der Roman George Lyttelton, einem Staatsmann und Förderer Fieldings. Bis heute zählt das Buch zu den Klassikern der Weltliteratur. W. Somerset Maugham nahm es 1948 unter die zehn besten Romane der Welt auf. Samuel Taylor Coleridge rühmte den fast vollkommenen Bau der Handlung. Und 2015 zählten ihn 82 internationale Literaturkritiker zu den bedeutendsten britischen Romanen.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der wohlhabende und gutmütige Gutsherr Allworthy lebt mit seiner Schwester Bridget auf einem Landsitz in Somerset. Eines Tages kehrt er von einer langen Reise nach London zurück und findet ein Baby in seinem Bett. Allworthy beschließt, den kleinen Jungen in seinem Haus aufzuziehen. Er nennt ihn Thomas. Tom wächst gemeinsam mit William heran, dem Sohn von Bridget aus ihrer späteren Ehe mit Captain Blifil.

Aus dem Findelkind wird ein gutaussehender, herzlicher junger Mann, dem die Frauen zugetan sind. Tom liebt die sanfte und tugendhafte Sophia Western, die Tochter eines Nachbarn, und sie liebt ihn. Doch für die Westerns ist Tom als uneheliches Kind kein standesgemäßer Partner. Zudem arbeitet ein Rivale im Hintergrund gegen ihn. Tom verliert das Vertrauen seines Ziehvaters und muss den Landsitz verlassen.

Von da an führt der Roman seinen Helden in zahllose Abenteuer. Tom schließt sich kurzzeitig den Soldaten in roten Uniformen an. Er trifft alte Bekannte wieder und lässt sich auf Affären ein. Schließlich folgt er der ebenfalls geflohenen Sophia bis ins lebhafte London. Dort zieht ihn die vornehme Lady Bellaston in ihren Bann. Wie es ausgeht, ob Tom sein Glück findet und wer seine wahre Herkunft kennt, gehört zu den großen Überraschungen des Buches.

Die Handlung im Detail

Gutsherr Allworthy kehrt von einem langen Aufenthalt in London auf sein Anwesen in Somerset zurück und findet ein Baby in seinem Bett. Er vertraut das Kind seiner Haushälterin Deborah Wilkins an. Als mutmaßliche Mutter wird Jenny Jones ermittelt, eine junge Frau im Haushalt des Schulmeisters Partridge. Jenny gibt zu, die Mutter zu sein, nennt aber den Vater nicht. Allworthy ermöglicht ihr einen Neuanfang an einem anderen Ort und verspricht seiner Schwester Bridget, den Jungen, den er Thomas nennt, in seinem Haushalt aufzuziehen. Schulmeister Partridge gerät immer stärker in den Verdacht, der Vater zu sein, und verliert schließlich seine Stellung.

Auf dem Anwesen verkehrt regelmäßig Dr. Blifil. Er stellt Bridget seinen Bruder, Captain Blifil, vor, und die beiden heiraten bald. Captain Blifil zeigt sich seinem eigenen Bruder gegenüber kaltherzig; dieser geht nach London zurück und stirbt dort, wie es heißt, an gebrochenem Herzen. Auch die Zuneigung zwischen Captain Blifil und Bridget kühlt ab. Eines Abends, nach einem Spaziergang, bricht der Captain durch einen Schlaganfall tot zusammen. Wenige Monate später bringt seine Witwe einen Sohn zur Welt, William Blifil, der gemeinsam mit Tom aufwächst.

Tom wird ein attraktiver, freundlicher junger Mann, der bei den Frauen Anklang findet. Seit Jugendtagen liebt er Sophia Western, die sanfte und tugendhafte Tochter eines benachbarten Gutsbesitzers, und sie liebt ihn. Daneben erliegt er aber auch dem Reiz der verführerischen Molly Seagrim, der Tochter von Allworthys Jagdaufseher. William Blifil nutzt jede Schwäche Toms aus und spinnt eine geschickte Intrige, durch die Tom die Zuneigung seines Ziehvaters verliert. Allworthy verbannt ihn vom Landsitz. Verzweifelt bricht Tom nach Bristol auf, um sich als Seemann anheuern zu lassen.

Für die Westerns kommt Tom als uneheliches Kind ohnehin nicht als Schwiegersohn in Frage. Sophias Vater, Gutsherr Western, und ihre Tante wollen sie zwingen, William Blifil zu heiraten. Angewidert von dessen Werben flieht Sophia mit ihrem Dienstmädchen Honour aus dem Haus und hofft, in London bei ihrer Verwandten Lady Bellaston Unterkunft zu finden.

Auf seiner Reise erlebt Tom zahlreiche Abenteuer. Er schließt sich vorübergehend einem Trupp Soldaten in roten Uniformen an und gibt den Plan, zur See zu gehen, wieder auf. Er trifft Partridge wieder, der einst als sein angeblicher Vater verdächtigt wurde, und nimmt ihn als Begleiter mit. In der Herberge von Upton verpassen sich Tom und Sophia nur knapp, weil Partridges Ungeschick eine Begegnung verhindert. Sophia zieht daraus den Schluss, Tom liebe sie nicht mehr, und reist weiter nach London. Tom hat in Upton ein Liebesabenteuer mit einer Mrs. Waters und folgt Sophia anschließend in die Hauptstadt. Dort lässt er sich von der reichen Lady Bellaston verführen.

Dann nimmt die Geschichte eine erschütternde Wendung. Partridge erkennt in Mrs. Waters niemand anderen als Jenny Jones, die als Toms Mutter gilt. Eine kurze Zeit lang glaubt Tom, Blutschande begangen zu haben. Doch Jenny klärt ihn auf: Seine wahre Mutter sei in Wirklichkeit Bridget Allworthy gewesen. Bridget hat dies inzwischen ihrem Bruder auf dem Totenbett gestanden. Lady Bellaston und ihr Geliebter Lord Fellarmar versuchen, Tom zwangsweise zum Militärdienst zu pressen; stattdessen wird er verhaftet, weil es so aussieht, als habe er in einem Zweikampf seinen Gegner getötet. Sophia kann ihm seine Affäre mit Lady Bellaston nicht verzeihen, und Toms Lage scheint ausweglos.

Da kommt eine unerwartete Wendung: Williams tückische Intrigen, mit denen er Tom seit der Kindheit gequält hat, werden aufgedeckt. Allworthy bereut sein hartes Urteil und nimmt Tom wieder bei sich auf. Bald darauf trifft Tom mit Sophia zusammen, die ihn nie aufgehört hat zu lieben, und auch ihr Vater stimmt am Ende der Verbindung zu. Großherzig vergibt Tom allen, die ihm Unrecht getan haben.

Stil

Der Roman ist in achtzehn Bücher gegliedert. Jedem dieser Bücher stellt Fielding ein einleitendes Kapitel voran. Dieses unterbricht die eigentliche Handlung und befasst sich oft mit ganz anderen Fragen als mit dem Schicksal seines Helden. So entsteht ein eigener Ton zwischen Erzählung und Plauderei. Der Erzähler tritt deutlich hervor, mischt sich ein, kommentiert, scherzt und sucht den Kontakt zum Leser. Diese spielerische, offene Art des Erzählens machte das Buch zu einem der frühen Muster dafür, wie ein moderner Roman aussehen kann.

Rezeption

Der Roman Tom Jones galt schon im 18. Jahrhundert als außergewöhnliches Werk. Bereits 1764 führte Charles Palissot seinen Tom Jones am französischen Hof in Versailles auf. Auch im deutschen Sprachraum wurde das Buch früh beachtet. 1774 erschien Friedrich von Blanckenburgs Versuch über den Roman, in dem Fieldings Werk eine wichtige Rolle spielt.

Im 20. Jahrhundert wurde das Buch mehrfach für die Leinwand bearbeitet. Berühmt wurde vor allem Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen von 1963, eine britische Filmkomödie unter der Regie von Tony Richardson mit einem Drehbuch des Dramatikers John Osborne. Der Film war einer der größten Komödienerfolge seiner Zeit. Er wurde von der Kritik gefeiert und mit dem Oscar ausgezeichnet. Auffallend war seine ungewöhnliche Machart. Die Anfangssequenz ist im Stil eines Stummfilms gehalten. Und die Figuren brechen immer wieder die sogenannte vierte Wand, indem sie direkt in die Kamera blicken und das Publikum ansprechen. Weitere Verfilmungen folgten 1975 mit Vagabund in tausend Nöten unter der Regie von Cliff Owen und 1997 mit der Fernsehfassung The History of Tom Jones, a Foundling unter der Regie von Metin Hüseyin.

Bis heute zählt der Roman zu den großen Klassikern. W. Somerset Maugham reihte ihn 1948 unter die zehn besten Romane der Welt. Samuel Taylor Coleridge rühmte den Bau der Handlung als einen der vollkommensten überhaupt. Und 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler Tom Jones zu einem der bedeutendsten britischen Romane.

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