1682
The Life of an Amorous Man
Überblick↑
Mit Kōshoku Ichidai Otoko aus dem Jahr 1682 legte der japanische Dichter und Erzähler Ihara Saikaku sein erstes Prosawerk vor. Es erzählt das Liebesleben eines Städters vom siebten Lebensjahr an, Jahr für Jahr. Das Buch gilt als Ausgangspunkt einer neuen Gattung, der ukiyo-zōshi, der „Bücher der fließenden Welt“. Saikaku zählt zu den herausragenden Gestalten der japanischen Literatur der Edo-Zeit.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Yonosuke, ein chōnin, also ein Angehöriger der städtischen Bürgerschicht, in zweiter Generation. Sein Vater Yumesuke kennt sich in den Wegen der Liebe bestens aus. Auch seine Mutter wird dem Vergnügungsviertel von Kyoto zugerechnet.
Yonosuke beginnt seinen Weg schon im Alter von sieben Jahren. Sein unbedachter Lebenswandel macht ihn untauglich für den Kaufmannsberuf. Mit neunzehn Jahren wird er enterbt und zieht mittellos durch Japan. Auf diesen Wanderjahren begegnet er Frauen aus allen Schichten und Berufen.
Das Buch umfasst fünf Bände und fünfundvierzig Abschnitte, für jedes Lebensjahr des Helden einen. Es zerfällt in zwei Teile: Der erste schildert die Jugendabenteuer und das Vagabundenleben, der zweite führt in die berühmten Vergnügungsviertel der großen Städte.
Die Handlung im Detail↑
Der Held Yonosuke stammt aus wohlhabendem städtischem Haus. Sein Vater Yumesuke ist ein erfahrener Lebemann, seine Mutter stammt aus dem Vergnügungsviertel von Kyoto. Schon mit sieben Jahren beginnt Yonosukes Reihe von Liebesabenteuern.
Weil er sich dem Kaufmannsleben verweigert und ausschweifend lebt, wird er mit neunzehn Jahren enterbt. Verarmt zieht er nun durch das Land und begegnet Frauen jeden Standes und Gewerbes.
Mit vierunddreißig Jahren stirbt sein Vater. Unerwartet fällt Yonosuke ein riesiges Erbe zu. Nun verbindet er großen Reichtum mit seiner Erfahrung in Liebesdingen und sucht die gefeierten tayū der Vergnügungsviertel auf: Yoshino in Misujimachi in Kyoto, Yūgiri in Shinmachi in Osaka, Takahashi in Shimabara in Kyoto und Takao in Yoshiwara in Edo. Der zweite Teil des Buches folgt diesem Leben der Verschwendung.
Das Buch endet im Jahr 1682, dem Jahr seines Erscheinens: Yonosuke schifft sich ein, um zur Insel der Frauen zu fahren.
Stil↑
Für sein Werk griff Saikaku, der zuvor als Meister des haikai bekannt war, den Stoff der damals beliebten Führer durch die Vergnügungsviertel auf. In den 1640er und 1650er Jahren waren solche Bücher über Shimabara in Kyoto, Yoshiwara in Edo und Shinmachi in Osaka verbreitet. Sie boten Unterhaltung mit einem Zug zum Genuss und zur Wirklichkeitsnähe. Titel wie Azuma monogatari von 1641 oder Naniwa monogatari und Miyako monogatari von 1656 zeigen, dass diese Führer bereits die Form erzählender Geschichten annahmen.
Daneben knüpfte Saikaku an die lange Überlieferung japanischer Liebesdichtung an, die vom Genji Monogatari der Murasaki Shikibu und vom Ise Monogatari bis zu den kana-zōshi des 17. Jahrhunderts reicht. Die fünfundvierzig Abschnitte erinnern an die vierundfünfzig Kapitel des Genji Monogatari.
Die Form ist eine versuchsfreudige, dramatische Spielart des haibun, also der haikai-Prosa. Kennzeichnend sind die Umgangssprache und ein Blick für den Alltag, wie es die Prosa jener Zeit bis dahin nicht kannte. Die berühmten Kurtisanen zeichnet Saikaku vielschichtig, wirklichkeitsnah und oft humorvoll. Damit löst er sich von den festen Rollenbildern der zeitgenössischen Viertel-Führer.
Die Erstausgabe von 1682 enthielt Illustrationen von Saikaku selbst, leicht hingeworfen im Stil einer haikai-Skizze. Die 1684 in Edo gedruckte Ausgabe brachte andere Bilder mit schwereren, dickeren Linien. Sie stammen von Hishikawa Moronobu, einem Maler und Holzschneider, der für die Entwicklung des ukiyo-e bekannt ist.
Rezeption↑
Ausgehend von diesem Buch entstand die Gattung der ukiyo-zōshi, der „Bücher der fließenden Welt“. Dazu zählen kürzere Erzählungen ebenso wie längere Werke, die für ein breites Publikum bestimmt waren. Sie spiegelten den neuen Wohlstand und die freie Zeit der chōnin, der städtischen Bürger, in den Vergnügungsvierteln. Solche Bücher waren häufig gewagt und wurden oft verboten. In der frühen Edo-Zeit erlebten sie dennoch eine bemerkenswerte Blüte.
Ins Spanische wurde das Werk zweimal übertragen: 1982 von Antonio Cabezas García unter dem Titel Hombre lascivo y sin linaje, später von Fernando Rodríguez Izquierdo als Amores de un vividor.
Auch Film und Zeichentrick griffen den Stoff auf. 1961 drehte Yasuzo Masumura eine Verfilmung nach einem Drehbuch von Yoshio Shirasaka, mit Raizô Ichikawa als Yonosuke. 1991 entstand eine Anime-Fassung unter der Regie von Yukio Abe, geschrieben von Eiichi Yamamoto.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →