1642 – 1693
Ihara Saikaku
Kurzbiografie↑
Ihara Saikaku war ein japanischer Schriftsteller der Edo-Zeit. Geboren wurde er 1642, gestorben ist er 1693. Er begann als Haiku-Dichter und wandte sich später der Prosa zu. Aus dieser Verbindung entstand eine neue Erzählform, die von Elementen des Haikai durchzogen war. Bekannt wurde er mit Büchern wie Nanshoku Ōkagami (Der große Spiegel der männlichen Liebe, 1687) und Kōshoku Ichidai Otoko (Das Leben eines verliebten Mannes). Er gilt als erster japanischer Gesellschaftskritiker.
Biografie↑
Geboren wurde Ihara Saikaku im Jahr 1642, mit bürgerlichem Namen Hirayama Tōgo. In der Forschung umstritten sind sowohl das genaue Geburtsdatum als auch der Geburtsort: Wikidata nennt den 1. Januar 1642 und Nakatsu als Geburtsort, die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet dagegen nur das Jahr 1642 ohne Tagesangabe, und in der Überlieferung wird Ōsaka als Geburtsstadt genannt. Sicher ist allein das Geburtsjahr.
Sein Vater war Kaufmann. Früh verlor Saikaku seine Frau und seine blinde Tochter. Diese Verluste fielen in die ersten Jahrzehnte seines Lebens.
Mit vierzehn Jahren wurde er Schüler einer Dichtergruppe, die das siebzehnsilbige Haiku pflegte. Sechs Jahre später erhielt er den Titel eines Meisters. In dieser Zeit nahm er den Familiennamen seiner Mutter an: Ihara.
Ab den 1670er Jahren unternahm er zahlreiche Reisen. Dabei begegnete er Menschen aus den verschiedensten Schichten. Diese Erfahrungen verarbeitete er später in seinen Büchern.
In regelrechten Marathonveranstaltungen verfasste er Gedichte, angeblich mehrere Tausend an einem einzigen Tag. Das trug ihm den Beinamen „Meister der 20.000 Haikus“ ein. Ein zweiter Beiname lautete Oranda Saikaku, also Holland-Saikaku. Damit war vermutlich keine Verbindung zu den Niederlanden gemeint, obwohl dies der einzige ausländische Staat war, der eine Handelsniederlassung in Japan betreiben durfte. Der Name sollte wohl eher ausdrücken, dass Saikaku kein konservativer Schriftsteller der alten Schule war. Die neue Richtung des Haiku, die um 1670 aufkam, war volkstümlicher und witziger als die ältere und ging stärker vom Menschen aus.
Sein erstes Prosawerk erschien 1682 und wurde rasch bekannt. Von da an arbeitete er unermüdlich: Ein bis zwei Bücher pro Jahr konnte er fertigstellen, und diese Bücher zählten zu den Verkaufserfolgen ihrer Zeit.
Die Jahre nach 1685 waren besonders ertragreich. 1685 erschienen Kōshoku Gonin Onna, auf Deutsch als Fünf Geschichten von liebenden Frauen vorliegend, sowie Honchō Nijū Fukō, zu Deutsch „Zwanzig Fälle unloyaler Kinder“. 1687 folgten Budō Denraiki („Übertragung der Kampfkünste“) und Nanshoku Ōkagami. Im Jahr 1688 kamen Buke Giri Monogatari („Geschichten von der Ehre der Samurai“) und Nippon Eitaigura („Das ewige Schatzhaus Japans“) heraus. Sein spätes Buch Seken Munazan'yō erschien 1692.
Ihara Saikaku starb am 9. September 1693. Als Sterbeort wird Yariyamachi genannt.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Saikakus Prosa ist ihre Herkunft aus der Dichtung. Er schuf eine neue Erzählform, die von Elementen des Haikai durchzogen war. Seine Wurzeln lagen in der neuen, um 1670 aufgekommenen Richtung des Haiku: volkstümlicher, witziger und stärker am Menschen orientiert als die ältere Schule.
Sein Stoff kam aus dem gelebten Leben. Auf seinen Reisen ab den 1670er Jahren traf er Menschen aus allen Schichten, und was er dort erfuhr, floss in seine Bücher ein. Die Titel zeigen die Spannweite: Kaufleute und ihr Geld, Samurai und ihre Ehre, liebende Frauen, ungeratene Kinder. Er schrieb über die Gesellschaft seiner Zeit, wie sie war, und gilt darum als erster japanischer Gesellschaftskritiker.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten war Saikaku ein Erfolgsautor. Seine Bücher zählten zu den meistgekauften ihrer Zeit, und er brachte ein bis zwei davon pro Jahr heraus. Sein erstes Prosawerk von 1682 wurde schnell bekannt.
Unmittelbare Einflüsse Saikakus lassen sich bei Ejima Kiseki finden.
Seine Werke werden bis heute neu aufgelegt. In der Beschreibung greift man dabei gern zu Vergleichen mit Boccaccio und Casanova. Auch im deutschen Sprachraum ist er präsent: 1957 erschien Kôshokumono, 1966 Yonosuke – der dreitausendfache Liebhaber, 1973 Saikaku-oridome mit Szenen aus dem japanischen Volksleben des 17. Jahrhunderts. 1978 folgte die Übersetzung Fünf Geschichten von liebenden Frauen, 1998 Der Liebespfad der Samurai. Michael Kuhl übertrug 2007 Japanische Parallelfälle im Schatten des Kirschbaumes aus dem vormodernen Japanisch und versah die Ausgabe mit Einleitung und Anmerkungen.
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