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Werkseintrag · The Tin Flute
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Cover The Tin Flute
The Tin Flute
1945
– Werkseintrag –

The Tin Flute

1945 · Roman

Eine junge Kellnerin im Montrealer Armenviertel Saint-Henri träumt im Kriegswinter 1940 von einem besseren Leben und verliebt sich in den falschen Mann.

Überblick↑

Der Roman Bonheur d'occasion von Gabrielle Roy erschien im Juni 1945 und war das erste Buch der Autorin. Er spielt in Montreal und schildert das Leben einer Arbeiterfamilie im Armenviertel Saint-Henri. Im Dezember 1947 erhielt Gabrielle Roy dafür in Paris den Prix Femina; es war das erste Mal, dass ein kanadischer Autor mit einem der großen französischen Literaturpreise ausgezeichnet wurde. Im Mai desselben Jahres wählte die Literary Guild of America das Buch zum Buch des Monats. Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt; unter dem englischen Titel The Tin Flute ist es im englischsprachigen Raum bekannt geworden. In den französischsprachigen Ländern der Welt wird der Roman gelesen und studiert. Zusammen mit Au pied de la pente douce von Roger Lemelin aus dem Jahr 1944 gilt er als der große Québecer Roman über den Zweiten Weltkrieg. Am 12. August 2017 erklärte Minister Luc Fortin das Erscheinen des Buches nach dem Kulturerbegesetz zum historischen Ereignis.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Schauplatz der Geschichte ist Montreal, genauer das arme Arbeiterviertel Saint-Henri. Die Handlung umfasst die Monate Februar bis Mai 1940. Der Zweite Weltkrieg hat begonnen, und Québec leidet noch immer unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise.

Im Mittelpunkt steht Florentine Lacasse, neunzehn Jahre alt. Sie arbeitet als Kellnerin im Restaurant eines Billigkaufhauses und hilft mit ihrem Lohn, die Familie über Wasser zu halten. Vom Leben erhofft sie sich mehr, als sie hat. Eines Tages lädt ein Gast sie ins Kino ein: Jean Lévesque, ein junger Mann mit Ehrgeiz. Florentine lässt sich von ihm einnehmen. Doch Jean hängt an seiner Unabhängigkeit und will sich nicht binden. Er stellt ihr seinen Freund Emmanuel Létourneau vor, einen Soldaten auf Urlaub, der sich aufrichtig in Florentine verliebt. Florentine jedoch bekommt Jean nicht aus dem Kopf.

Neben der jungen Frau erzählt der Roman von ihren Eltern Rose-Anna und Azarius und vom mühsamen Familienleben in ständiger Armut.

Die Handlung im Detail↑

Zwischen Februar und Mai 1940 spielt der Roman im Montrealer Viertel Saint-Henri, einem Arbeiterbezirk, in dem die Armut den Alltag bestimmt. Der Zweite Weltkrieg ist im Gange, während die Menschen noch unter den Nachwirkungen der großen Depression leiden. Anders als die bis dahin überwiegend ländlich geprägte Literatur Québecs erzählt das Buch vom Leben in der Stadt.

Florentine Lacasse ist neunzehn und bedient im Restaurant eines sogenannten Fünf-Zehn-Fünfzehn-Ladens, eines Billigkaufhauses. Was sie verdient, hilft den Eltern beim Überleben. Sie träumt von einem besseren Leben. Ein Gast, Jean Lévesque, lädt sie ins Kino ein, und sie lässt sich von ihm bezaubern. Jean aber ist ehrgeizig und hütet seine gefühlsmäßige Unabhängigkeit; er will die Beziehung nicht fortsetzen. Stattdessen macht er Florentine mit seinem Freund Emmanuel Létourneau bekannt, einem Soldaten auf Heimaturlaub. Emmanuel verliebt sich wirklich in sie.

Florentine jedoch kann Jean nicht aus ihrem Herzen verbannen. Diese Anziehung, gegen die sie nicht ankommt, hat schwerwiegende Folgen für ihr weiteres Leben.

Parallel dazu erzählt der Roman vom Leben der Eltern. Rose-Anna und Azarius Lacasse halten die Familie unter größten Mühen zusammen, doch die Armut bestimmt jeden Tag. Rose-Anna erträgt die Schläge des Lebens mit Mut, ergibt sich aber ihrem Schicksal. Ihre Kinder Florentine und Eugène wollen dem Elend entkommen, jedes auf seine Weise, und ebenso denkt Jean Lévesque. Zwar gibt es schöne Augenblicke und Hoffnungsschimmer, doch der Grundton bleibt düster. Der Schlusssatz des Romans spricht von dunklen Wolken tief am Himmel, die ein Gewitter ankündigen.

Stil↑

Im Mittelpunkt des Buches steht das Elend, unter dem die frankokanadische Bevölkerung in den dreißiger und vierziger Jahren litt. Gabrielle Roy zeigt diese Not am Beispiel der Familie Lacasse. Sie schildert dazu ausführlich das Viertel Saint-Henri in Montreal, das für solche Verhältnisse geradezu kennzeichnend ist.

Der Roman stellt zwei Haltungen einander gegenüber. Auf der einen Seite steht Rose-Anna, die den Widrigkeiten mutig begegnet, sich aber letztlich in ihr Schicksal fügt. Auf der anderen stehen ihre Kinder Florentine und Eugène sowie Jean Lévesque, die auf je eigene Weise dem Elend entkommen wollen.

Bemerkenswert ist die Form des Stadtromans. Bis dahin spielte die Literatur Québecs überwiegend auf dem Land, hier rückt erstmals das großstädtische Arbeitermilieu in den Mittelpunkt. Trotz schöner Momente und mancher Hoffnungsschimmer gilt das Werk als im Kern pessimistisch. Der letzte Satz, in dem dunkle Wolken am Himmel ein Gewitter ankündigen, ist dafür oft angeführt worden.

Rezeption↑

Kurz nach dem Erscheinen fand das Buch über die Grenzen Kanadas hinaus Beachtung. Der Prix Femina, den Gabrielle Roy dafür 1947 in Paris erhielt, war die erste Auszeichnung eines kanadischen Autors mit einem der großen französischen Literaturpreise. Im selben Jahr wählte die Literary Guild of America das Werk zum Buch des Monats. Übersetzungen in mehrere Sprachen folgten. Der Regisseur Claude Fournier verfilmte den Stoff 1983.

Das Werk ist heute Teil des kanadischen Gedächtnisses. Ein Auszug daraus steht an der Wand der Gedenkkapelle im Erdgeschoss des Friedensturms im kanadischen Parlament. Im Jahr 2017 wurde in Saint-Henri, dem Schauplatz des Romans, an der Rue Notre-Dame die Place Bonheur-d'occasion eröffnet. Auf mehreren Bänken dort sind Sätze aus dem Buch zu lesen. Im selben Jahr erklärte der zuständige Minister das Erscheinen des Romans zum historischen Ereignis. In den französischsprachigen Ländern der Welt wird das Werk gelesen und studiert.

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