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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · La Celestina
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Cover La Celestina
La Celestina
1500
– Werkseintrag –

La Celestina

1500 · Komödie

Eine alte Kupplerin spinnt das Netz einer verbotenen Liebe – und wird selbst mit hineingezogen.

Überblick↑

Zu den bekanntesten Werken der spanischen Literaturgeschichte zählt La Celestina von Fernando de Rojas. Die Tragikomödie kursierte schon in den 1490er Jahren als Handschrift in den Kreisen der Universität von Salamanca. Wann und wo sie zuerst gedruckt wurde, ist in der Forschung nicht eindeutig geklärt: Manche Fachquellen nennen einen nur in einem einzigen, unvollständigen Exemplar erhaltenen Druck aus Burgos von 1499, andere die 1500 in Toledo erschienene Ausgabe, die als erste namentlich Fernando de Rojas als Autor nennt. Der Text erzählt von einer verhängnisvollen Liebe, die eine alte Kupplerin in Gang setzt. Hinter der Handlung steht ein düsteres Weltbild, das den Menschen den Kräften des Schicksals und der Begierde ausgeliefert sieht.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Ein junger Mann namens Calisto verliebt sich in Melibea, doch sie will von ihm nichts wissen. Auf Anraten seines Dieners Sempronio wendet sich Calisto an Celestina, eine alte Kupplerin. Diese verschafft sich rasch Zugang zu Melibea und versteht es, sie umzustimmen, sodass die beiden schließlich zueinanderfinden.

Um die Diener Calistos an sich zu binden, verkuppelt Celestina den Sempronio mit Elicia und den Pármeno mit Areúsa. So gewinnt sie beide für ihre Zwecke, und gemeinsam wollen sie aus Calistos Verlangen Gewinn schlagen. Zwischen Habgier, geheimen Treffen und geliehener Loyalität entwickelt sich ein Geflecht, in dem jede Figur ihren eigenen Vorteil sucht. Dass eine solche Verbindung, die gegen die gesellschaftlichen Regeln der Zeit verstößt, keinen guten Weg nehmen kann, deutet sich früh an.

Die Handlung im Detail↑

Calisto, ein junger Mann, verliebt sich in Melibea, die zunächst nichts von ihm wissen will. Auf Anraten seines Dieners Sempronio schaltet er die alte Kupplerin Celestina ein. Sie verschafft sich Zugang zu Melibea und überzeugt sie, sich mit Calisto zu treffen. Sein anderer Diener, Pármeno, versucht ihn vergeblich von dem Vorhaben abzuhalten. Durch Celestinas Hilfe werden Melibea und Calisto ein Liebespaar.

Celestina zieht die beiden Diener auf ihre Seite, indem sie Sempronio mit Elicia und Pármeno mit Areúsa verkuppelt. So gestillt in ihrer Begierde, wollen die Diener gemeinsam mit Celestina aus Calistos Verlangen Profit schlagen. Als Calisto die Kupplerin bezahlt, weigert sie sich zu teilen. Daraufhin töten Sempronio und Pármeno die Celestina und fliehen, werden aber gefasst und wenig später gehängt.

Auch das Glück von Melibea und Calisto währt nicht lange. An einem Abend besucht Calisto seine Geliebte. Als er ein Geräusch hört, will er nach seinen neuen Dienern sehen, die für ihn Wache halten. Dabei stürzt er von einer Leiter und stirbt. Melibea, außer sich vor Verzweiflung, nimmt sich das Leben, indem sie sich von einem Turm stürzt.

Das Werk endet mit der Klage Pleberios, des Vaters von Melibea. Er hadert mit dem Wirken der Fortuna, der Welt und der Liebe und macht alle drei für den Tod seiner Tochter verantwortlich. Für Pleberio wird die Welt zu einem Labyrinth aus Irrtümern, in dem keine innere Ordnung mehr herrscht; Ungerechtigkeit und Planlosigkeit beherrschen das irdische Geschehen. Als eigentlichen Urheber allen Übels sieht er die Liebe, die nicht nur seine Tochter, sondern insgesamt fünf Menschen in den Tod getrieben hat. Seiner Tochter, die freiwillig aus dem Leben schied, gibt er keine Schuld. Mit diesem pessimistischen Schlussmonolog vollendet Fernando de Rojas das düstere Weltbild seiner Tragikomödie.

Stil↑

Ursprünglich trug es die Bezeichnung „Comedia“, obwohl es ein tragisches Ende nimmt. Auf den Wunsch des Publikums nach einem längeren Liebesplot wurde der Text auf 21 Akte erweitert und fortan als Tragikomödie geführt.

Auffällig ist die enge Verbindung zu den Gedanken des italienischen Dichters Francesco Petrarca. Fernando de Rojas bezieht sich mehrfach auf ihn, teils durch wörtliche Zitate, teils durch Anlehnung an dessen Einsichten; besondere Bedeutung haben die Werke De Remediis, De Rebus Familiaribus und Bucolicum Carmen. Von Petrarca übernimmt Rojas den Gedanken vom Leben als universellem Konflikt zwischen Vernunft auf der einen und Wollust und Begehrlichkeit auf der anderen Seite. Diese Vorlagen übernimmt er nicht als bloßes Plagiat, sondern legt sie nach eigenen Vorstellungen aus und hebt sie auf ein noch pessimistischeres Niveau.

Auch das antike Bild der Fortuna prägt den Text. Wer die oberste Stufe des irdischen Glücks erreicht hat, muss mit der Drehung ihres Rades unweigerlich wieder herabsinken. Bezeichnend ist, dass die meisten Figuren durch einen Sturz zu Tode kommen; nur bei der Kupplerin ist der Fall bildlich zu verstehen. So werden positive Werte wie Liebe, Freundschaft und Loyalität im Verlauf des Werkes auf falsche Grundlagen gestellt und schlagen ins Verderben um. Den deutlichsten Ausdruck findet dieses Weltbild im abschließenden Monolog Pleberios, durch den Rojas seine Ansichten unmittelbar verkünden lässt.

Rezeption↑

Als eines der bekanntesten Werke der spanischen Literaturgeschichte hat La Celestina eine lange Wirkungsgeschichte. In Spanien lief das Drama bis ins 17. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Tragikomödie“. Im Ausland setzte sich, ausgehend von Italien, schon im 16. Jahrhundert der heute gängige Titel durch.

Früh fand das Werk auch im deutschen Sprachraum Beachtung. Christoph Wirsung übertrug es zweimal ins Deutsche, 1520 unter dem Titel Ain Hipsche Tragedia und 1534 als AJnn recht Liepliches büchlin. Seine Übersetzung ging dabei auf eine italienische Fassung von Alfonso Ordóñez zurück.

Bis in die jüngere Zeit hat der Stoff Bearbeiter angezogen. So entstanden dramatisch-musikalische Fassungen, unter ihnen eine aus dem Jahr 1902, sowie eine Verfilmung von Gerardo Vera aus dem Jahr 1996.

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