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Werkseintrag · Der Wald der Gehenkten
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Cover Der Wald der Gehenkten
Der Wald der Gehenkten
1922
– Werkseintrag –

Der Wald der Gehenkten

1922 · Roman

Ein junger Offizier zieht begeistert in den Ersten Weltkrieg und muss doch erkennen, dass die Uniform, die er trägt, gegen sein eigenes Volk kämpft.

Überblick↑

Der Roman Der Wald der Gehenkten von Liviu Rebreanu erschien 1922 beim Verlag Cartea Românească. Er spielt im Ersten Weltkrieg und schildert den inneren Zwiespalt eines jungen Offiziers, der als Rumäne in der österreichisch-ungarischen Armee dient und zwischen Soldatenpflicht und dem Gefühl der Zugehörigkeit zu seinem eigenen Volk zerrieben wird. Der Stoff ist zum Teil vom Schicksal des Autors eigenem Bruder angeregt: Emil Rebreanu war Offizier der k.u.k. Armee und wurde 1917 wegen Spionage und Fahnenflucht gehängt. Das Werk zählt zu den bekannten Romanen der rumänischen Literatur über den Ersten Weltkrieg.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Leutnant Apostol Bologa, geboren und aufgewachsen im siebenbürgischen Parva, damals Teil des Königreichs Ungarn. Als Sohn einer Witwe wäre er vom Wehrdienst befreit gewesen, und er war an der Universität Budapest zum Philosophiestudium eingeschrieben. Dennoch meldet er sich zu Kriegsbeginn freiwillig zur österreichisch-ungarischen Armee. Ihn treibt der jugendliche Ehrgeiz, sich vor seiner Verlobten Marta Domșa als tapfer zu erweisen, dazu die Anschauungen, die er in ungarischen Schulen aufgenommen hat.

Nach der Artillerieschule kommt Bologa an die Front. In Italien und Galizien kämpft er mutig, wird in zwei Jahren zweimal verwundet, zum Leutnant befördert und dreifach ausgezeichnet. Als Mitglied eines Kriegsgerichts trägt er mit seiner Stimme dazu bei, dass ein tschechischer Offizier, der aus der Armee desertiert war, zum Tode verurteilt wird. Von da an beginnt in Bologa eine innere Wandlung, in der die selbstverständliche Treue zum Kaiserreich zu wanken beginnt.

Die Handlung im Detail↑

Leutnant Apostol Bologa stammt aus Parva in Siebenbürgen. Obwohl er als Witwensohn nicht eingezogen worden war und in Budapest Philosophie studierte, meldet er sich bei Kriegsausbruch freiwillig zur k.u.k. Armee. Beweggründe sind der jugendliche Wunsch, vor seiner Verlobten Marta Domșa Mut zu beweisen, die von den Uniformen der ungarischen Offiziere begeistert war, sowie die gesellschaftlichen Ansichten, die er in ungarischen Schulen übernommen hatte. Nach der Artillerieschule zieht er an die Front, kämpft tapfer in Italien und Galizien, wird zweimal verwundet, zum Leutnant befördert und dreimal ausgezeichnet. Als Beisitzer eines Kriegsgerichts hilft er mit seiner Stimme, den tschechischen Unterleutnant Svoboda, der desertiert war, zum Tode zu verurteilen.

Der Roman verfolgt dann Bologas seelische Verwandlung. Unter dem Einfluss des tschechischen Hauptmanns Otto Klapka wächst in ihm der Widerwille gegen das österreichische Kaiserreich und die Liebe zur rumänischen Nation. Als er an die rumänische Front in den Ostkarpaten versetzt wird, wird ihm der Gedanke an Fahnenflucht zur festen Idee. Wieder wird er gezwungen, an einem Kriegsgericht teilzunehmen, diesmal, um einen rumänischen Bauern wegen Spionage zu richten. In der Nacht bricht Bologa auf, um zu den rumänischen Linien zu gelangen und zu seinen Brüdern im Blut zu kommen. Er wird gefasst und gehängt, auf die gleiche Weise wie einst der Tscheche, den er hatte verurteilen helfen. Am Galgen spricht sein Beichtvater die Worte: „Nimm auf, o Herr, die Seele deines Knechtes Apostol.“

Stil↑

Angelegt ist das Werk als psychologischer Kriegsroman, der ganz aus dem Inneren einer einzigen Gestalt heraus erzählt. Nicht die Schlachten stehen im Vordergrund, sondern die langsame seelische Verwandlung Apostol Bologas: der Weg von der selbstverständlichen Treue zum Kaiserreich hin zu Zweifel, Gewissensnot und dem drängenden Gedanken an Fahnenflucht. Die äußeren Ereignisse des Krieges – Front, Verwundung, Kriegsgericht – dienen dabei als Stationen, an denen sich dieser innere Umschwung entzündet und vertieft.

Rezeption↑

Über die Grenzen Rumäniens hinaus fand der Roman durch zahlreiche Übersetzungen Verbreitung. Schon in den Jahren nach dem Erscheinen kam er unter anderem auf Tschechisch, Italienisch, Polnisch, Französisch und Englisch heraus. 1932 erschien eine deutsche Fassung unter dem Titel Der Wald der Gehenkten, übersetzt von Erast Carabăț. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Übertragungen in viele europäische Sprachen sowie ins Türkische, Arabische, Russische und Japanische hinzu.

Der Stoff wirkte auch in anderen Künsten nach. 1965 wurde der Roman verfilmt; Regie führte Liviu Ciulei, der beim Filmfestival in Cannes im selben Jahr als bester Regisseur ausgezeichnet wurde. Die Komponistin Carmen Petra Basacopol schuf in den Jahren 1988 bis 1990 eine vom Roman angeregte Oper mit dem Titel Apostol Bologa. 2018 entstand eine weitere Verfilmung des Stoffes.

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