1910
Der Wehrwolf
Überblick↑
Der Roman Der Wehrwolf von Hermann Löns erschien 1910. Er erzählt, wie sich eine Gruppe von Bauern, vom Unglück des Krieges geschlagen, während des Dreißigjährigen Krieges blutig und erbarmungslos gegen plündernde Feinde zur Wehr setzt. Schauplatz ist die norddeutsche Heide, in der die Bauern sich einen befestigten Zufluchtsort schaffen. Das Buch entwickelte im Nationalsozialismus eine besondere Wirkungsgeschichte. Sein Titel wurde vielfach mit der Sagengestalt des Werwolfs verwechselt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Der Krieg verwüstet das Land, und am schwersten trifft es die wehrlosen Bauern. Auch Harm Wulf, ein Bauer aus der Heide, verliert schon in den ersten Kriegsjahren seine Familie. Dieser Verlust verwandelt ihn: Aus dem friedlichen Bauern wird der Mann, der sich zur Wehr setzt, der „Wehr-Wulf“. Wer als Landstreicher, Plünderer oder Söldner in das Moorland eindringt, hat mit seinem harten Widerstand zu rechnen.
In einer alten Wallburg mitten im Moor richten die Heidebauern einen befestigten Zufluchtsort ein. Harm sucht unter den Bauern Gefährten, die seinem Beispiel folgen und sich gemeinsam verteidigen. So beginnt der Zusammenschluss der Männer, die nicht länger dulden wollen, dass ihnen der Krieg alles nimmt.
Die Handlung im Detail↑
Über das Land zieht der Dreißigjährige Krieg, und am härtesten trifft er die schutzlosen Bauern. Der Heidebauer Harm Wulf verliert bereits in den ersten Kriegsjahren seine Familie. Der Schmerz macht aus ihm einen anderen Menschen. Fortan ist er der „Wulf, der sich wehrt“ – der „Wehr-Wulf“. Ohne Erbarmen tötet er Landstreicher, Plünderer und Kriegsknechte, die es wagen, in das Moorland vorzudringen.
In einer alten Wallburg, einer Befestigungsanlage im Moor, richten sich die Heidebauern einen sicheren Rückzugsort ein. Von dort aus verteidigen sie sich. Harm sucht Gefährten, die nach seinem Vorbild zur Wehr greifen. Schließlich gründen dreiunddreißig Männer den Bund der Wehrwölfe. Immer mehr schließen sich an, bis mit einhunderteinundzwanzig Männern die Aufnahme für beendet erklärt wird. Von der Wallburg aus schlagen sie ihre Kämpfe, unter anderem eine Schlacht im Moor gegen die Schweden.
Als endlich der Frieden kommt, ist Harm ein alter Mann. Die Lebensfreude, die er einst von seinen Vorfahren geerbt hatte, ist ihm verlorengegangen. An seine Nachkommen vererbt er nur noch den Ernst, der ihm geblieben ist.
Stil↑
Angesiedelt ist die Handlung in der norddeutschen Heide. Für den Schauplatz ließ sich Löns von den Überresten einer kreisrunden Befestigung aus dem frühen Mittelalter nahe Altencelle in Niedersachsen anregen. Prägend ist das Spiel mit dem Namen der Hauptfigur: Harm Wulf. Der Nachname „Wulf“ steht dem Wort „Wolf“ nahe, während das Verb „wehren“ das Sich-Verteidigen meint. Aus dieser Verbindung entsteht der Titel „Wehrwolf“ – wörtlich der Bauer, der sich wehrt. Die Sprache bleibt herb und schmucklos und passt zur Härte des geschilderten Geschehens.
Rezeption↑
Immer wieder führte das Wort „Wehrwolf“ zu Verwechslungen mit der Sagengestalt des Werwolfs, die im Deutschen „Werwolf“ geschrieben wird. Löns selbst wies darauf hin, dass der Name nichts anderes bedeute, als dass Harm Wulf sich zur Wehr setzt.
Beide Bedeutungen vermischten sich, als Heinrich Himmler 1944 eine Bewegung mit dem Namen „Werwolf“ ins Leben rief, um den Kampf in bereits vom Feind besetzten Gebieten fortzusetzen. Jungen Flakhelfern und Mitgliedern der Hitlerjugend wurde damals die Lektüre des Buches empfohlen, um sie für diese Bewegung zu gewinnen. Der Roman wurde im Nationalsozialismus zu einem Verkaufserfolg. Der Abschnitt, der die Schlacht im Moor von der Wallburg aus gegen die Schweden schildert, fand sich noch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in deutschen Schullesebüchern.
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