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Werkseintrag · Den Teufel im Leib
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Den Teufel im Leib
1923
– Werkseintrag –

Den Teufel im Leib

1923 · Roman

Ein fünfzehnjähriger Schüler und die junge Frau eines Soldaten leben ihre Leidenschaft aus, während der Krieg die Männer an die Front schickt und alle Regeln außer Kraft zu setzen scheint.

Überblick

Der Roman Den Teufel im Leib erschien 1923 und war das erste Buch des jungen französischen Autors Raymond Radiguet. Er erzählt die Liebesgeschichte zwischen einem halbwüchsigen Schüler und einer jungen verheirateten Frau, deren Mann im Ersten Weltkrieg an der Front kämpft. Behandelt werden Themen wie erste Leidenschaft, Ehebruch, Verrat und gesellschaftlicher Skandal. Das Werk kam beim Verlag Bernard Grasset heraus. Wenige Monate nach der Veröffentlichung starb Radiguet im Alter von zwanzig Jahren.

Inhalt (ohne Spoiler)

Während des Ersten Weltkriegs beginnt ein fünfzehnjähriger Gymnasiast eine Liebesbeziehung mit Marthe, einer achtzehnjährigen jungen Frau. Ihr Ehemann Jacques, ein Soldat, kämpft an der Front, während der Erzähler noch zu jung ist, um eingezogen zu werden. Aus einer ersten Annäherung wird eine leidenschaftliche Affäre. Doch das Glück der beiden wird gestört – von ihrem Umfeld ebenso wie vom fordernden, eifersüchtigen Wesen des Jungen.

Die Handlung im Detail

Der Erste Weltkrieg bildet den Hintergrund der Geschichte. Der Erzähler ist ein fünfzehnjähriger Schüler und damit zu jung für den Kriegsdienst. Er lernt die achtzehnjährige Marthe kennen, die mit dem Soldaten Jacques verheiratet ist. Während Jacques an der Front dient, kommen sich der Junge und die junge Ehefrau näher. Aus der Bekanntschaft wird bald eine leidenschaftliche Liebe.

Die Affäre entfaltet sich in der Abwesenheit des Ehemanns und ist ein offener Ehebruch. Der Erzähler erweist sich dabei als fordernd, besitzergreifend und eifersüchtig. Sein Verhalten setzt der Beziehung ebenso zu wie das wachsende Misstrauen der Umgebung. Die Liebenden werden beargwöhnt, und ihr Verhältnis droht zum Skandal zu werden.

Der Krieg, der die Väter und Ehemänner an die Front schickt, schafft überhaupt erst den Freiraum für dieses Glück – eine Beobachtung, die dem Buch später heftige Kritik eintrug. Radiguet erzählt aus der Rückschau des Erzählers, der sein eigenes Verhalten mit kühler Genauigkeit beleuchtet. Verrat, Schuld, die Frage nach Elternschaft und die Zweifel der Liebenden bestimmen den weiteren Verlauf, bis der gesellschaftliche Druck und die Umstände des Krieges das heimliche Glück einholen.

Stil

Der nüchterne, oft zynische Ton kennzeichnet Radiguets Erzählweise. Der Erzähler bleibt im ganzen Roman namenlos; in seinen Entwürfen erwog Radiguet den Namen François, der später für die Verfilmung von 1947 gewählt wurde. Die Handlungsorte werden nur mit den Anfangsbuchstaben J… und F… angedeutet – vermutlich Joinville-le-Pont und Saint-Maur-des-Fossés, den Geburtsort des Autors am Ufer der Marne.

Über die eigentliche Liebesgeschichte hinaus behandelt Radiguet den Kreislauf des Lebens und die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen. Er schildert eine Jugend, die durch die vier Kriegsjahre und die aus ihnen erwachsende Langeweile verletzt ist. Der Leser sieht, wie die Familie zerfällt, wie gesellschaftliche Einrichtungen ins Wanken geraten und wie sich Gleichgültigkeit ausbreitet. Zugleich warnt der Roman vor den selbstsüchtigen Berechnungen, denen sich eine Gesellschaft hingeben kann.

Radiguets klarer, genauer Blick stellt das Buch in die Tradition der französischen Moralisten, von Madame de La Fayette bis Stendhal. Sein desillusionierter Ton erinnert an André Gide, etwa an dessen Roman Der Immoralist. Auch der Einfluss von Jean Cocteau ist spürbar. Radiguet hatte bereits seit 1918 Artikel, Erzählungen und Gedichte veröffentlicht. Seine frühe Reife verdankte er auch seinem Elternhaus und dem Vorbild seines Vaters, des bekannten Illustrators Maurice Radiguet. Den Anspruch, sein Roman sei ein Bekenntnis aus dem eigenen Leben, wies der Autor zurück und betonte den erfundenen Charakter jeder Romanhandlung. Denselben Titel trug übrigens schon ein heimlich verbreitetes erotisches Werk von Andréa de Nerciat aus dem Jahr 1803.

Rezeption

Als der Roman im März 1923 erschien, löste er einen Skandal aus, der im April und Mai seinen Höhepunkt erreichte. Kaum eine Zeitung, die nicht über das Buch berichtete. Der Verleger Grasset warb geschickt mit Anzeigen und kündigte das Werk als Meisterwerk eines sehr jungen Autors an. In der Reklame gab man Radiguets Alter mit siebzehn Jahren an, und am 12. April meldete der Verlag einen Verkauf von 50.000 Exemplaren.

Besonderen Anstoß erregte gleich zu Beginn eine Wendung, in welcher der Erzähler die vier Kriegsjahre für die ganz jungen Burschen als vier Jahre langer Ferien bezeichnete. Die Kriegsveteranen hatten in der öffentlichen Meinung noch großes Gewicht, und viele sahen darin eine Verhöhnung der Soldaten. Dass der Roman das Kriegsgeschehen geradezu zur Bedingung für das Glück der Liebenden machte, verletzte in ihren Augen den Respekt vor den Frontkämpfern.

Der Verleger inszenierte den Start des Buches mit großem Aufwand. In den Kinowochenschauen lief sogar ein Vorspann, der Radiguet als jüngsten Romancier Frankreichs vorstellte und ihn beim Unterzeichnen seines Vertrags zeigte. Die Presse gab ihm den Spottnamen „Bébé Cadum de la littérature". Der frühe Tod des Autors mit zwanzig Jahren trug dazu bei, dass sich um das Buch ein Mythos bildete.

Der Stoff wurde später mehrfach verfilmt, unter anderem 1947 von Claude Autant-Lara und 1986 von Marco Bellocchio.

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