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Werkseintrag · El Buscón
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Cover El Buscón
El Buscón
1626
– Werkseintrag –

El Buscón

1626 · Roman

Ein junger Mann aus ehrlosem Haus will unbedingt ein feiner Herr werden – und stolpert dabei durch ein Spanien voller Gauner, Prahler und Betrüger.

Überblick

Das Werk El Buscón ist der einzige Roman des spanischen Dichters Francisco de Quevedo. Sein Titel lautet Historia de la vida del Buscón, llamado Don Pablos – die Geschichte vom Leben des Gauners namens Don Pablos. Entstanden ist er wohl um 1604; das genaue Jahr der Vollendung ist nicht bekannt. Gedruckt wurde er erst 1626 in Zaragoza, und zwar ohne Quevedos Erlaubnis. Schon vorher war er in Abschriften im Umlauf gewesen. Der Roman gehört zur Gattung des Schelmenromans und gilt als scharfe Satire auf die spanische Gesellschaft.

Inhalt (ohne Spoiler)

In der Ich-Form erzählt der junge Pablos sein eigenes Leben. Er stammt aus ärmlichen und wenig ehrenhaften Verhältnissen: Der Vater ist Barbier und Dieb, die Mutter gilt als Hexe. Zwei Ziele setzt sich Pablos für sein Leben: Er will die Tugend erlernen und ein caballero, ein feiner Herr, werden. Als Kind kommt er zur Schule und freundet sich mit dem vornehmen Don Diego Coronel an. Bald geraten beide Jungen in die Obhut eines geizigen Hausvaters, unter dem sie bitteren Hunger leiden.

Von da an führt Pablos' Weg durch eine lange Kette von Missgeschicken. Er zieht durch Spanien und begegnet Betrügern, Prahlern und Halunken aller Art. Immer wieder versucht er, sich als Vornehmer auszugeben und gesellschaftlich aufzusteigen – mal unter dem einen, mal unter einem ganz anderen Namen. Ob es ihm gelingt, ein ehrbarer Herr zu werden, entscheidet sich erst auf seiner rastlosen Wanderung durch ein Land voller Schwindler.

Die Handlung im Detail

Als Kind wird Pablos zunächst in seiner Familie vorgestellt. Sein Vater Clemente Pablo ist Barbier und Dieb, seine Mutter Aldonza eine Dirne und Hexe. Im Ort wird gemunkelt, sie sei keine „Altchristin" – also womöglich eine erst spät zum Christentum übergetretene Familie. Auch Pablos' Bruder ist ein Dieb; er wird im Gefängnis zu Tode geprügelt. Pablos möchte zur Schule gehen, und die Eltern lassen ihn ziehen. Dort freundet er sich mit einem Jungen namens Don Diego Coronel an, erlebt aber allerlei Rückschläge. Schließlich beschließt er, weder in die Schule noch nach Hause zurückzukehren, und bleibt als Gefährte an Don Diegos Seite, der die Schule ebenfalls verlässt.

Diegos Vater, Don Alonso, gibt beide Jungen als Zöglinge in die Hand eines Mannes namens Dómine Cabra in Segovia. Unter ihm leiden die beiden furchtbaren Hunger. Als ein anderer Junge verhungert, holt Alonso die beiden fort und schickt sie zum Studium nach Alcalá. Unterwegs kehren sie in einer Herberge ein, wo Pablos von einer Gruppe Studenten verspottet und übel zugerichtet wird. In Alcalá wird Pablos, weil er kein Edelmann ist, von Don Diego getrennt und von Studenten gehänselt und geschlagen. In der Nacht verprügeln ihn vier Studenten, die sein Zimmer teilen, erneut. Daraufhin schlägt Pablos zurück: Er tötet fremde Schweine, gibt ein Fest, überlistet seine Wirtin um zwei Hühner und stiehlt Süßigkeiten von einem Händler sowie Degen vom Rektor und einem Friedensrichter. Seine Freunde lachen über seine Streiche. Dann erhält Pablos die Nachricht, dass sein Vater gehängt und seine Mutter eingekerkert wurde. Don Diego wiederum bekommt einen Brief seines Vaters, der die Freundschaft der beiden nicht länger wünscht. Die Freunde trennen sich, und Pablos macht sich auf, ein ihm nach dem Tod des Vaters zustehendes Erbe einzufordern.

Auf dem Weg nach Segovia trifft Pablos einen halb verrückten Projektemacher, einen Arbitrista. Sie unterhalten sich über vieles, unter anderem über den Erlass König Philipps III., mit dem die Morisken aus Valencia vertrieben wurden. Sie kehren in einer Herberge ein, wo Pablos auf einen Lehrer trifft. Am nächsten Tag begegnet er einem ebenfalls verwirrten alten Geistlichen, mit dem er in einer Herberge speist. Danach zieht Pablos weiter, trifft einen schwer verwundeten Soldaten und einen Einsiedler und erreicht mit ihnen Cercedilla. Beim Kartenspiel betrügt der Einsiedler die anderen und streicht alle Gewinne ein. In Segovia trifft Pablos schließlich seinen Onkel Alonso Ramplón. Im Haus des Onkels gibt es ein großes Essen, bei dem alle außer Pablos betrunken werden. Während die Gäste ihren Rausch ausschlafen, geht Pablos spazieren; zurückgekehrt jagt er alle bis auf den Onkel hinaus und bespricht mit ihm das Erbe. Dann bricht er nach Madrid auf und trifft einen Mann, der sich als Edelmann ausgibt, der bei Hofe war. Dieser angebliche Adelige lehrt Pablos, wie man sich bei Hofe benimmt, wie man lügt und wie man sich Vorteile verschafft.

Pablos und der angebliche Edelmann gelangen ins Haus eines Don Toribio, der sich ebenfalls für einen Adeligen ausgibt. Dort trifft Pablos auf eine ganze Bruderschaft von Gaunern und Halunken. In Lumpen und geflickter Kleidung gekleidet, wird er verhaftet und mit seinen neuen Freunden ins Gefängnis geworfen. Pablos freundet sich mit dem Kerkermeister an, der ihn verschont; schließlich lässt der Kerkermeister ihn frei und speist mit ihm, weil Pablos behauptet, ein Verwandter von dessen Frau zu sein. Seine Freunde dagegen werden ausgepeitscht und nach Sevilla verbannt. Pablos nennt sich nun „Ramiro de Guzmán" und gibt in einer Herberge den Reichen, um die Wirtstochter Berenguela zu gewinnen. Sie fällt auf seine Lügen herein und lädt ihn ein, nachts über das Dach in ihr Zimmer zu steigen. Doch das Dach bricht ein, die Wirtsleute erwachen, verprügeln ihn und lassen ihn einsperren.

Im Kerker wird Pablos ausgepeitscht, bis ihn zwei Männer befreien – einer aus Portugal, einer aus Katalonien –, die es ebenfalls auf Berenguela abgesehen haben. Als sie eine Heirat zwischen Pablos und Berenguela einfädeln wollen, stößt Pablos auf einige reiche, betagte Damen. Unter neuem Namen, „Don Felipe Tristán", sucht er die Villa auf, in der zwei dieser alten Frauen leben. Eine von ihnen hat drei ledige Nichten und möchte Pablos mit einer verheiraten; er verliebt sich in Doña Ana, die schönste der drei. Bei einem Picknick nähert sich ein Edelmann – es ist niemand anderes als Don Diego, der Pablos erkennt, ohne selbst bemerkt zu werden. Pablos spielt mit den Damen Karten und gewinnt viel Geld. Am nächsten Tag stellt Don Diego ihn und lässt seinen alten Freund verprügeln; ein Friedensrichter verhaftet Pablos und bringt ihn in eine Herberge.

Von dort zieht Pablos mit einem neuen Gewerbe weiter: dem des Bettlers. Ein Bettler namens Valcázar weiht ihn in das Handwerk ein. Mit dem verdienten Geld kauft sich Pablos neue Kleider, einen Degen und einen Hut und geht nach Toledo, wo ihn niemand kennt. Er schließt sich einer Schauspielertruppe an und arbeitet als deren Stückeschreiber, nun unter dem Namen „Alonso el Cruel"; auch Gedichte verfasst er. Als der Anführer der Truppe von der Polizei festgenommen wird, löst sich die Gruppe auf. Pablos gibt den Beruf auf und verliebt sich in eine Nonne. Er geht häufig zur Messe, um sie zu sehen, doch sie beachtet ihn nicht. Schließlich reist er nach Sevilla und schließt sich einer Diebesbande an. Als die Diebe nach einem durchzechten Abend nach Hause gehen, hält sie die Polizei auf und tötet einen von ihnen; die anderen entkommen. Pablos und die übrigen beschließen, ihr Glück in den Indien, also in Amerika, zu versuchen. Am Ende berichtet Pablos, dass es ihm dort noch schlechter erging als zuvor.

Stil

Geschrieben ist der Roman durchgängig in der ersten Person: Pablos erzählt sein Leben selbst. Quevedo nutzt das Werk als kunstvolles Spiel mit der Sprache. Er häuft Wortspiele und sprachliche Kunststücke und zeigt sein Talent als literarischer Karikaturist, der Menschen mit wenigen Strichen ins Lächerliche zieht. Ein Kritiker hat die Handlung als eine Reihe „verketteter Unglücksfälle" beschrieben – Pablos wird von einem Missgeschick ins nächste geworfen, und diese Kette hält den Roman zusammen. Wiederkehrende Motive wie Familie, Schmutz und Grausamkeit – mit und gegen das Gesetz – verbinden die einzelnen Episoden zu einem geordneten Gefüge.

Der Roman ist in drei Bücher gegliedert. Weil das Werk zur Gattung des Schelmenromans gehört, ist es auch sprachgeschichtlich wertvoll: Es hält den Jargon vieler Schichten der Gesellschaft fest, darunter die Diebessprache, die sogenannte Germanía. So gibt der Text viel über die Gaunersprache seiner Zeit preis.

In das Werk fließen auch persönliche Erlebnisse Quevedos ein. 1608 lieferte er sich ein Duell mit dem Schriftsteller und Fechtmeister Luis Pacheco de Narváez, den er in einem seiner Werke kritisiert hatte; beim ersten Zusammentreffen schlug Quevedo dem Gegner den Hut vom Kopf, und die beiden blieben lebenslang verfeindet. Im El Buscón wird dieses Duell verspottet: Ein Fechter, der sich auf mathematische Berechnungen verlässt, muss vor einem erfahrenen Soldaten das Weite suchen. An anderer Stelle spielt Quevedo mit einem Wortwitz über eine Nase „zwischen Rom und Frankreich" auf die Folgen der Syphilis an – einer der frühen Hinweise auf diese Krankheit in der Literatur.

Rezeption

Bewertet wurde das Werk auf zweierlei Weise: als tiefgründige Satire auf das spanische Leben und zugleich als sprachliches Kunststück, in dem Quevedo seine ganze Wortgewalt entfalten konnte. Der Roman vertritt dabei eine harte Sicht auf die Gesellschaft: Kinder von Eltern ohne Ehre, so die Botschaft, werden selbst niemals zu Ehren gelangen. Pablos strebt beständig nach einem höheren Rang, und Quevedo lässt ihn für diesen Ehrgeiz büßen – für den Dichter hätte ein solcher Aufstieg der unteren Schichten nur die Ordnung der Ständegesellschaft gestört.

Der Vater des Schriftstellers Juan Pérez de Montalbán brachte einen Raubdruck des El Buscón heraus, was einen heftigen Streit auslöste. 1882 erschien eine von Daniel Vierge gestaltete Ausgabe, die das Verfahren der Bildreproduktion auf einen hohen Stand brachte.

Bis heute wirkt der Stoff fort. 1979 entstand eine Verfilmung des Romans unter der Regie von Luciano Berriatúa, in der Francisco Algora den Pablos spielte und auch Ana Belén und Francisco Rabal mitwirkten. Der französische Comic Les Indes fourbes von Alain Ayroles und Juanjo Guarnido aus dem Jahr 2019 versteht sich als Fortsetzung des Romans und erfindet dazu Pablos' Abenteuer in der Neuen Welt.

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