1580 – 1645
Francisco de Quevedo
Kurzporträt↑
Zu den großen Stimmen des spanischen Barocks, des sogenannten Siglo de Oro, zählt der Schriftsteller und Satiriker Francisco de Quevedo. Er wurde in Madrid geboren und starb 1645 in Villanueva de los Infantes. Er gehörte zu den Meistern des Schelmenromans (span. Novela Picaresca). Berühmt machten ihn seine scharfzüngigen Satiren, allen voran die unter dem Titel Sueños (Träume) gesammelten Traumbilder, sowie der Schelmenroman Historia de la vida del Buscón. Er galt als einer der bekanntesten Schriftsteller im Madrid der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sein Werk verbindet beißenden Witz mit einer tiefen Skepsis gegenüber Macht und gesellschaftlicher Größe.
Biografie↑
Geboren wurde Francisco Gómez de Quevedo Villegas y Santibáñez Cevallos in Madrid, wo er auch aufwuchs. Das genaue Geburtsdatum ist in der Forschung umstritten. Die Deutsche Nationalbibliothek nennt den 14. September 1580, und nach Wikipedia fand die Taufe am 26. September 1580 statt. Wikidata verzeichnet dagegen den 14. September 1584. Sein Geburtsort Madrid ist übereinstimmend belegt.
Von 1596 bis 1600 studierte Quevedo alte Sprachen in Alcalá de Henares. Anschließend studierte er von 1601 bis 1604 Theologie an der Universität Valladolid, wo er die Doktorwürde der Theologie erwarb. Er betätigte sich jedoch ebenso als Wissenschaftler und verfasste satirische Schriften. Sein Leben verlief unstet, und er galt als Frauenheld. Die erste Veröffentlichung von Gedichten fand 1605 in der Anthologie Flores de poetas ilustres von Pedro Espinosa statt.
Seit 1613 wirkte Quevedo als Privatsekretär des Herzogs von Osuna in Sizilien und Neapel. Dort wurden ihm wichtige diplomatische Missionen übertragen. 1632 wurde er Sekretär Philipps IV. Durch Hofintrigen geriet er für einige Jahre ins Gefängnis, von 1639 bis 1643. Zwei Jahre nach seiner Entlassung starb er verbittert auf seinem Landsitz.
Bekannt war seine Feindschaft mit dem Dichter Luis de Góngora. Er bezichtigte ihn, ein konvertierter Jude und homosexuell zu sein. Gegen Góngora veröffentlichte er auch die antisemitische Schmähschrift Aguja de navegar cultos. Quevedo humpelte und trug eine Brille, weshalb Brillen im Spanischen früher quevedos genannt wurden. Er galt jedoch als guter Fechter, der jederzeit bereit war, sich wegen der Ehre, der Literatur oder der Politik zu duellieren.
Er starb 1645 in einem Kloster in Villanueva de los Infantes. Seine sterblichen Überreste wurden mehrmals umgebettet. So war schließlich nicht mehr bekannt, wo sich seine Grabstätte befand. Im Jahr 2007 wurden in der Krypta einer Kirche in Villanueva de los Infantes Knochenteile entdeckt. Forscher der Universität Complutense Madrid, darunter der Forensiker José Antonio Sánchez, konnten sie mit großer Wahrscheinlichkeit Quevedo zuordnen. Da der Schädel fehlte, blieb ein unregelmäßig geformter Oberschenkelknochen das Hauptindiz für diese Zuschreibung.
Literarische Merkmale↑
Meisterhaft beherrschte Quevedo den Conceptismo, also die Kunst, Doppelsinnigkeiten zu benutzen, um intelligenten Witz zu zeigen. Bekannt wurde er durch satirische Schriften, die er um 1606 verfasst hatte. Er veröffentlichte sie jedoch erst 1627 unter dem Titel Sueños (Träume) in Saragossa: sechs Traumbilder in Dialogform. Seine reichhaltigen Lebenserfahrungen lieferten ihm den Stoff für seine Satiren und Schelmengeschichten. Daneben schrieb er Gedichte sowie einige religiöse und erotische Erzählungen.
Sein Schelmenroman Historia de la vida del Buscón, auch unter dem Titel Historia del gran Tacaño bekannt, zählt zu den Hauptwerken des spanischen Schelmenromans, neben dem Lazarillo de Tormes und dem Guzmán de Alfarache. Er war einer der bekanntesten Schriftsteller im Madrid der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als sich der Niedergang des spanischen Siglo de Oro abzuzeichnen begann.
Nach Andreas Dorschel ist Quevedos Werk erfüllt von „Skepsis gegen kollektive Macht". Es suche „einer immer noch vorwiegend mit ihrem längst brüchig gewordenen imperialen Programm befassten Gesellschaft eine aufs Individuum bezogene Alternative" anzubieten. Diese Alternative erwächst aus Ernüchterung, ja Enttäuschung: „Geschichte besteht darin, dass Menschen aus den Trümmern des Alten ihr Neues bauen und so nur weiterer Zerstörung das Material liefern".
Rezeption↑
Eine herausragende Würdigung erfuhr Quevedo durch Jorge Luis Borges. In einem Vorwort zu einer von ihm getroffenen Werkauswahl schrieb Borges, Quevedo sei vor allem ein „Literat für Literaten". Zugleich bezeichnete Borges ihn wiederholt – ebenso wie Leopoldo Lugones – als einen der vorzüglichsten Prosastilisten der spanischen Sprache. Auf seine Fähigkeiten bezogen stehe Quevedo keinem der großen Schriftsteller nach. Wörtlich heißt es: „..., aber bis heute ist er der größte Künstler der hispanischen Literatur geblieben. Wie Joyce, wie Goethe, wie Shakespeare, wie Dante, wie kein anderer Schriftsteller ist Francisco de Quevedo weniger ein Mensch als eine weite und komplexe Literatur."
Auch in der jüngeren Literatur lebt seine Gestalt fort. Quevedo ist eine der historischen Persönlichkeiten, die in den Romanen um den spanischen Söldner Alatriste von Arturo Pérez-Reverte eine Rolle spielen. Die Darstellung seiner Persönlichkeit kommt der Realität dabei sehr nahe. In Madrid trägt zudem die Metro-Station Quevedo seinen Namen.
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