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Werkseintrag · Ekkehard
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Ekkehard
1855
– Werkseintrag –

Ekkehard

1855 · Roman

Der junge Mönch Ekkehard trägt die verwitwete Herzogin Hadwig über die Schwelle des Klosters, die sie als Frau nicht überschreiten darf, und gerät danach in eine schwierige Zuneigung zwischen Gelübde und Gefühl. Scheffels historischer Roman spielt im 10. Jahrhundert im Kloster St. Gallen und auf der Burg Hohentwiel, während sich das Land gegen einfallende Reiterscharen rüstet.

Überblick

Das Werk Ekkehard trägt den vollständigen Titel Ekkehard. Eine Geschichte aus dem zehnten Jahrhundert und ist ein historischer Roman von Joseph Victor von Scheffel. Er erschien 1855, kurz nach Scheffels erfolgreichem Erstlingswerk Der Trompeter von Säkkingen. Der Roman spielt zur Zeit der Magyareneinfälle rund um das Kloster St. Gallen und den Hohentwiel. Zusammen mit Felix Dahns Ein Kampf um Rom und Gustav Freytags Die Ahnen zählt er zu den Werken, die man dem sogenannten Professorenroman zurechnete – einer Erzählform, die auf historische und landeskundliche Genauigkeit besonderen Wert legte.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht der junge Mönch Ekkehard aus dem Kloster St. Gallen. Als Hadwig, die verwitwete Herzogin von Schwaben, das Kloster besucht, ergibt sich eine ungewöhnliche Begegnung: Da eine Frau die Schwelle des abgeschlossenen Klosterbereichs nicht überschreiten darf, muss Ekkehard sie hinübertragen. Aus dieser Szene erwächst eine schwierige Zuneigung. Hadwig erbittet sich den gelehrten Mönch als ihren Lateinlehrer und nimmt ihn mit auf ihre Burg auf dem Hohentwiel.

Der Roman zeichnet das Leben im 10. Jahrhundert nach: das Klosterleben, den Gegensatz von christlichem Glauben und altem Heidentum sowie die Bedrohung des Landes durch einfallende Reitervölker, die hier als Hunnen bezeichnet werden. Ekkehard gerät zwischen sein Mönchsgelübde und seine Gefühle, zwischen fromme Pflicht und weltliche Versuchung. Neben seiner Geschichte entfaltet Scheffel mehrere Nebenhandlungen aus dem einfachen Volk, etwa um den Ziegenhirten Audifax und die Gänsemagd Hadumoth. Als die Reiterscharen näher rücken, muss sich das Land zur Verteidigung rüsten.

Die Handlung im Detail

Schauplatz ist zunächst das Kloster St. Gallen. Hadwig, die Witwe des Herzogs Burchard III. von Schwaben, kündigt eine Prüfungsvisite des ihr unterstehenden Klosters an. Weil sie als Frau die Schwelle des Klausurbereichs nicht überschreiten darf, der Konvent ihren Besuch aber nicht abweisen kann, schlägt der Pförtner Ekkehard im Scherz vor, man müsse sie hinübertragen. Diese Aufgabe fällt ihm selbst zu und wird zum Beginn einer schwierigen Liebesbeziehung. Neben einer Abschrift von Vergils Äneis aus der Klosterbibliothek erbittet sich Hadwig Ekkehard als Lateinlehrer. Auf seiner Wanderung zum Hohentwiel prügelt er bei einer Rast im Kloster Reichenau den liederlichen Kellermeister Rudiman, was ihm die Feindschaft dieses Klosters einträgt. Kurz vor der Burg wird er von Bewaffneten überfallen und verschleppt – was sich als Scherz Hadwigs herausstellt, eine Anspielung auf ihren eigenen ungewöhnlichen Einzug ins Kloster.

Als Ekkehard erfährt, dass an einer alten Kultstätte eine Waldfrau unter einer Eiche heidnische Opfer darbringt, lässt er in missionarischem Eifer die Eiche fällen und die Frau vertreiben. Diese Episode bildet eine Parallele zum Fällen der Donareiche durch Bonifatius.

Als die hier Hunnen genannten Magyaren ins Land einfallen, wird Ekkehard zu den Heidenhöhlen bei Überlingen geschickt. Dort lebt verborgen der letzte Karolinger, Karl der Dicke, der rät, sich zu bewaffnen und das Land zu verteidigen. Auch die Mönche von Reichenau und St. Gallen flüchten auf den Hohentwiel, wo die Verteidigung organisiert wird. Hadwig überreicht Ekkehard das Schwert Herzog Burchards. Doch im Zwiespalt mit seinem Gelübde verweigert er sich der unausgesprochenen Erwartung Hadwigs auf eine Ehe.

In der verlustreichen Ausfallschlacht, die zum Sieg über die Hunnen führt, bewährt sich Ekkehard als Kämpfer. Entscheidend aber ist das Eingreifen des „Alten aus der Heidenhöhle“, der den Hunnenführer erschlägt, dabei selbst fällt und so seine wenig erfolgreiche Herrschaft sühnt. Im Kloster war der geistig behinderte Mönch Heribald zurückgeblieben und erlebt die Besetzung durch die Hunnen; dank der Fürsprache Ericas, der schwäbischen Geliebten des Hunnenfürsten, bleibt er verschont. In den Nebenhandlungen befreit die Gänsehirtin Hadumoth den gefangenen Ziegenhirten Audifax, während der gefangene Hunne Cappan die Magd Friderun heiratet.

Nach der überstandenen Gefahr geht Hadwig auf kühle Distanz zu Ekkehard. Sie zieht seinen inzwischen aus St. Gallen eingetroffenen Neffen Burkard sichtlich vor und reizt Ekkehard damit zu einem unüberlegten Liebesgeständnis. Von seinem Feind, dem Reichenauer Mönch Rudiman, bloßgestellt, wird er ins Burgverlies geworfen. Mithilfe von Praxedis, der byzantinischen Dienerin der Herzogin, kann er entfliehen. Als Einsiedler findet er in einer Höhle beim Wildkirchlein am Fuße des Säntis Zuflucht. In der Abgeschiedenheit der Berge verfasst er das dem Nibelungenkreis zugehörige Walthari-Lied, von dem Scheffel eine Prosaübersetzung mitteilt.

Stil

Der Roman verbindet erzählerische Handlung mit einer betont genauen Schilderung der historischen Umgebung. Scheffel legt großen Wert auf die geschichtliche und landschaftliche Treue seiner Darstellung – auf das Klosterleben, die Bräuche und die Orte des 10. Jahrhunderts. Gerade diese Genauigkeit brachte dem Buch die Einordnung als Professorenroman ein. In die Erzählung flicht Scheffel gelehrtes Material ein, etwa eine Prosaübersetzung des Walthari-Liedes, mit der er sich zuvor in Zürich beworben hatte. Neben die Haupthandlung um Mönch und Herzogin stellt er als bewusstes Gegenbild eine schlichte Liebesgeschichte aus dem einfachen Volk, die des Ziegenhirten Audifax und der Gänsemagd Hadumoth.

Rezeption

Wie schon das kurz zuvor erschienene Erstlingswerk Der Trompeter von Säkkingen war Ekkehard in seiner Zeit außerordentlich erfolgreich. Noch zu Lebzeiten des Verfassers erlebte der Roman 90 Auflagen. Theodor Fontane erklärte nach dem Erscheinen, dass Ekkehard zu den besten Büchern zähle, die er gelesen habe. Scheffel erhielt für das Buch das für die Zeit hohe Honorar von 1200 Gulden. Damit finanzierte er eine Reise nach Italien, die er im Juni 1855 gemeinsam mit dem Maler Anselm Feuerbach unternahm.

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