Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Krabat
Eingang · Werke · Krabat
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Krabat
1971
– Werkseintrag –

Krabat

1971 · Roman

Ein Waisenjunge geht in einer abgelegenen Mühle bei einem Müllermeister in die Lehre und merkt zu spät, dass man dort mehr lernt als das Mahlen – und mehr bezahlt als Lehrgeld.

Überblick↑

Das Jugendbuch Krabat von Otfried Preußler erschien erstmals 1971 und greift die sorbische Krabat-Sage auf. Erzählt wird von einem Jungen, der bei einem Zaubermeister in die Lehre geht und sich gegen ihn behaupten muss. Preußler arbeitete mit mehreren Unterbrechungen zehn Jahre an dem Buch. Das Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1972 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis. Es ist in mehr als 30 Sprachen übersetzt und in Deutschland millionenfach verkauft worden. Filme, Hörspiele, Opern und Theaterstücke haben den Stoff weitergetragen.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Die Geschichte spielt in der Lausitz zur Zeit des Großen Nordischen Krieges. Der vierzehnjährige sorbische Waisenjunge Krabat bettelt sich mit seinem Freund Lobosch durchs Land. Ein Traum fordert ihn auf, eine Lehrstelle in einer einsamen Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm anzunehmen. Dort stellt sich schnell heraus, dass die Mühle eine „Schwarze Schule“ ist. Der Müllermeister unterrichtet zwölf Mühlknappen nach einem Zauberbuch, dem Koraktor, in der „Kunst der Künste“, der Schwarzen Magie.

Zunächst gefällt Krabat das Leben auf der Mühle. Ihn fasziniert die Macht, die man mit Magie über andere Menschen ausüben kann. Besonders mit dem Altgesellen Tonda freundet er sich an, der ihm zum Vorbild wird. Doch es gibt Dinge, die niemand erklärt. In Neumondnächten erscheint ein Fremder mit einer roten Hahnenfeder am Hut, vor dem sich selbst der Meister fürchtet. Und die Jahre auf der Mühle zählen anders als draußen.

Am Ostermorgen sieht Krabat die Kantorka aus dem Dorf, die Vorsängerin der Ostergesänge, und verliebt sich in sie. Erst ein Jahr später spricht er sie an. Je länger Krabat bleibt, desto deutlicher ahnt er, in welches Spiel er geraten ist. Von da an sucht er nach einem Weg, aus der Mühle freizukommen.

Die Handlung im Detail↑

In der Lausitz zur Zeit des Großen Nordischen Krieges verlässt der vierzehnjährige sorbische Waisenjunge Krabat seinen Freund Lobosch, mit dem er sich durchs Land gebettelt hat. Ein Traum fordert ihn auf, eine Lehrstelle in einer einsamen Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm anzutreten. Die Mühle erweist sich nach kurzer Zeit als eine „Schwarze Schule“: Der Müllermeister unterrichtet zwölf Mühlknappen anhand eines Zauberbuchs, des Koraktors, in der „Kunst der Künste“, der Schwarzen Magie.

Die Lehrzeit gefällt Krabat zunächst. Ihn fasziniert die Macht, die man mittels Magie über andere Menschen ausüben kann. Mit dem Altgesellen Tonda freundet er sich besonders an, der ihm zum Vorbild wird. In Neumondnächten erscheint ein Fremder mit einer roten Hahnenfeder am Hut an der Mühle, vor dem sich selbst der Meister fürchtet. Er lässt die Knappen geheimnisvolle Dinge im sonst nie benutzten siebenten Mahlgang mahlen. Am Silvesterabend des ersten Jahres kommt Tonda auf rätselhafte Weise zu Tode, für ihn kommt der neue Lehrjunge Witko. Zu Beginn des neuen Jahres wird Krabat zu seiner Überraschung freigemüllert. Er ist nun Geselle und erfährt, dass ein Jahr auf der Mühle für drei zählt: Er ist tatsächlich um drei Jahre gealtert.

Bei einer rituellen Handlung am Ostermorgen sieht Krabat die Kantorka aus dem Dorf, die Vorsängerin der Ostergesänge, und verliebt sich in sie. Nach Ablauf des zweiten Jahres stirbt der Geselle Michal, und Krabats Freund Lobosch kommt als neuer Lehrjunge. In der Osternacht des dritten Jahres wagt Krabat, sich der Kantorka zu offenbaren. Nach und nach durchschaut Krabat das furchtbare Spiel, dessen Teil er geworden ist. Der Meister hat sich dem Teufel verschrieben, „dem mit der Hahnenfeder“. In jeder Silvesternacht muss er einen seiner Schüler opfern, um nicht selbst zu sterben. Dazu sucht er sich einen Schüler heraus, ehe dieser so viel gelernt hat, dass er ihm gefährlich werden könnte.

Um freizukommen, übt Krabat sich darin, den magischen Kräften des Meisters zu widerstehen. Unterstützt wird er von Juro, der sich zur Tarnung dumm stellt und von allen für dumm gehalten wird. Juro hat entdeckt, dass die Liebe eines Mädchens zu einem der Müllerburschen den Meister besiegen kann. Das Mädchen muss in der Silvesternacht in der Mühle erscheinen und ihren Geliebten freibitten. Dann muss es eine Probe auf Leben und Tod bestehen: Sie muss den ihren unter den zwölf erkennen. Magie erschwert ihr das. Scheitert sie, muss sie mit ihrem Liebsten sterben. Einige hätten das schon versucht, geklappt habe es nie. Lange ringt Krabat mit sich, ob er der Kantorka das zumuten möchte. Als er ihr davon erzählt, entscheidet sie sich selbst dafür.

Am Ende des dritten Jahres bietet der Meister Krabat an, bald selbst der neue Meister auf der Mühle zu werden. Der Meister träumt von einem Leben abseits der Mühle, mit vielen Annehmlichkeiten, die ihm die Schwarze Magie ermöglicht. Auch Krabat stellt er eine solche Zukunft in Aussicht, wenn er zunächst seine Nachfolge antritt und für den Bösen arbeitet. Er räumt Krabat sogar ein mitzuentscheiden, welcher Mühlknappe die nächste Silvesternacht nicht überlebt, und schlägt den intriganten Lyschko vor. Krabat lehnt entschieden ab. Daraufhin ordnet der Meister Krabats Tod in der Silvesternacht an.

Am Silvesterabend erscheint die Kantorka und fordert vom Meister Krabats Freiheit. Sie besteht die Probe, indem sie die Angst spürt, die Krabat um sie empfindet. Damit ist der Tod des Meisters um Mitternacht besiegelt. Die Gesellen verlassen die Mühle als freie Menschen, haben aber alle magischen Fähigkeiten verloren. Die Kantorka geht mit Krabat nach Schwarzkollm.

Stil↑

Auffällig an Krabat ist, wie wenig der Text ausmalt. Die Mühle verlegte Preußler in den Koselbruch. Es sollte ein verrufener, etwas unwirklicher Ort sein. Später erreichten ihn Zuschriften von Lesern, die ihm versicherten, bei ihm stimme dort jeder Baum.

Der Roman ist nach den drei Jahren auf der Mühle gegliedert, die jeweils an Silvester enden. Dieser Jahresrhythmus gibt dem Buch seinen Takt. Erzählt wird aus dem Erfahrungskreis des Jungen: Krabat begreift erst allmählich, was um ihn vorgeht, und der Leser erfährt es mit ihm. Der Stoff kommt aus der Sage. Die Geschichte des Lehrlings, der sich gegen seinen Meister behaupten muss und ihn zum Kampf herausfordert, findet sich in vielen Sagen, ebenso das Motiv der Erlösung durch die Liebe.

Rezeption↑

Ausgezeichnet wurde Krabat gleich mehrfach. 1972 erhielt das Buch den Deutschen Jugendbuchpreis. 1973 kamen der niederländische Jugendbuchpreis Zilveren Griffel von Rotterdam, der Europäische Jugendbuchpreis der Universität Padua und die Auszeichnung der American Library Association hinzu. 1977 wurde die polnische Übersetzung mit Illustrationen von Antoni Boratyński für ihre Gesamtaufmachung mit dem Preis des polnischen Verlegerverbandes PTWK bedacht.

Die Erstausgabe erschien 1971 im Arena Verlag, seit 1981 erscheint das Buch im Thienemann-Verlag. Die Illustrationen der Standardausgabe wie der farbigen Luxusausgabe von 2005 stammen von Herbert Holzing. 2023, zum hundertsten Geburtstag des Autors, erschien eine Schmuckausgabe mit neuen Illustrationen von Mehrdad Zaeri. Preußler selbst sah in Krabat eine Aufarbeitung seines Verhältnisses zum Nationalsozialismus, von dem er in seiner Jugend fasziniert war.

Der Stoff wurde vielfach weiterbearbeitet. Der tschechische Trickfilmer Karel Zeman schuf 1977 den Animationsfilm Čarodějův učeň; in der Stuttgarter Fassung sprach Friedrich Schütter den Müllermeister, in der DEFA-Fassung Horst Kempe. Eine Realverfilmung unter der Regie von Marco Kreuzpaintner entstand von 2006 bis 2008. Die Uraufführung fand im September 2008 beim Filmfestival Toronto statt. Am 9. Oktober 2008 kam der Film in die deutschen Kinos. In der Krabat-Mühle Schwarzkollm wird er regelmäßig gezeigt.

Auch für Ohr und Bühne wurde der Roman immer wieder neu erschlossen. 1983 las Preußler sein Buch für eine dreiteilige Hörbuchreihe selbst. Es folgten Hörspiele von Deutschlandradio Berlin (1998), zur Realverfilmung (2008) und vom Westdeutschen Rundfunk (2010). Bis in die 2020er Jahre kamen weitere Produktionen hinzu, darunter Lesungen mit Felix von Manteuffel und Charly Hübner. Fredrik Zellers Oper kam 2007 am Nationaltheater Mannheim heraus. Markus Bothes Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg wurde in fünf Jahren 87 Mal gespielt. Hinzu kommen Figuren- und Schattentheater, eine niederdeutsche Fassung in Oldenburg und ein Ballett von Demis Volpi am Stuttgarter Ballett (2013). Hinzu kommen außerdem eine Inszenierung bei den Bad Hersfelder Festspielen (2016) und eine Mainzer Aufführung von 2019, die auch der sorbischen Sprache Raum gab. 2022 kam am Musiktheater im Revier eine Oper der Band Coppelius und von Himmelfahrt Scores hinzu. ASP widmete dem Stoff 2008 das Album Zaubererbruder – Der Krabat-Liederzyklus.

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