1883
Krambambuli
Überblick↑
Die Erzählung Krambambuli gehört zu den bekanntesten Texten Marie von Ebner-Eschenbachs. Sie erschien 1883 als Teil des Bandes Dorf- und Schlossgeschichten. Bis heute gilt sie als eine der berühmtesten Hundegeschichten der deutschsprachigen Literatur. Im Mittelpunkt steht die Treue eines Tieres, das zwischen zwei Herren steht und an diesem Zwiespalt zugrunde geht. Die Erzählung wurde mehrfach verfilmt. Sie ist eines der Werke, mit denen die Autorin bis weit über ihre Zeit hinaus gelesen wird.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
In einem Wirtshaus begegnet der Jäger Hopp einem Landstreicher, den man den Gelben nennt. An dessen Seite läuft ein Hund, der Hopp sofort tief beeindruckt. Er ist so beeindruckt, dass er dem Vagabunden ein ungewöhnliches Tauschgeschäft anbietet: zwölf Flaschen Krambambuli, einen Wacholderschnaps, gegen das Tier. Der Handel kommt zustande. Der Jäger nennt seinen neuen Begleiter fortan nach eben jenem Getränk.
Doch der Hund hängt mit jeder Faser an seinem ersten Herrn. Erst nach Wochen harter Erziehung wird er Hopp zum treuen Gefährten. Zwischen Mann und Tier wächst eine Verbundenheit, die fast etwas Sprechendes hat. Dann aber kreuzt eine vornehme Gräfin die Wege der beiden. Später taucht eine Bande von Wildschützen im Forst auf, und der Gelbe ist nicht aus dem Leben des Hundes verschwunden. Die Erzählung führt unweigerlich auf einen Augenblick zu, in dem Krambambuli sich zwischen seinem alten und seinem neuen Herrn entscheiden muss.
Die Handlung im Detail↑
In einem Wirtshaus trifft der Jäger Hopp den Landstreicher, der wegen seiner Kleidung der Gelbe genannt wird. Bei ihm sitzt ein Hund, an dem Hopp größeren Gefallen findet als an jedem anderen Tier zuvor. Um ihn zu bekommen, gibt er dem Gelben zwölf Flaschen Krambambuli – und so heißt der Hund von nun an.
Der Tausch hat einen Preis: Der Hund will dem Jäger weder folgen noch gehorchen. Erst nach zwei Monaten harter, ja brutaler Unterwerfung gewinnt Hopp ihn für sich. Dann allerdings wird Krambambuli zu einem treuen Freund und Hüter; die beiden hängen so eng aneinander, dass es scheint, der Jäger könne mit seinem Hund sprechen und werde von ihm verstanden.
Eines Tages erscheint die Gräfin und verlangt den Hund als Geburtstagsgeschenk für ihren Mann. Hopp gibt ihn nur unter der Bedingung her, dass er ihn zurückerhält, falls der Graf ihn nicht für sich zu gewinnen vermag. Krambambuli verweigert beim neuen Herrn jedes Futter und beißt jeden, der sich nähert. Heruntergekommen kehrt er bald in das Forsthaus zurück.
Zur gleichen Zeit treibt sich eine Bande von Wildschützen im Revier herum, und das Forstpersonal greift härter durch. Der Oberförster verprügelt Frauen, die er beim Pflücken von Lindenblütenzweigen ertappt, und stürzt eine Gruppe Buben aus großer Höhe vom Baum, sodass diese schwere Verletzungen davontragen. Eine der Frauen ist die Geliebte des Gelben. Der Vagabund rächt sich und erschießt den Oberförster. Hopp findet die Leiche, geschmückt mit Lindenblüten; neben dem Toten liegt ein alter Schießprügel, gegen den der Mörder das Gewehr des Oberförsters eingetauscht hat.
Wenig später laufen Hopp und der Gelbe einander im Wald über den Weg. Beide sind bewaffnet, der Gelbe trägt den Hinterlader des ermordeten Oberförsters – der Beweis, dass er der Täter ist. Hopp befiehlt Krambambuli, den Gelben zu packen. Doch der Hund steht zwischen seinen beiden Herren und kann sich nicht entscheiden. Schließlich wendet er sich seinem ersten Besitzer zu. Hopp erschießt den Wildschützen. Vor Zorn will er auch den Hund töten, bringt es aber nicht übers Herz und lässt ihn bei der Leiche zurück.
Krambambuli streunt nun herrenlos umher. Er sehnt sich nach Hopp, weiß aber um seinen Verrat und wagt es nicht, zurückzukehren. So streicht er um das Forsthaus, bettelt erfolglos im Dorf um Nahrung und magert immer mehr ab. Hopp wiederum sehnt sich so sehr nach dem Tier, dass er sich auf die Suche machen will. Als er eines Morgens vor die Haustür tritt, stolpert er über den verendeten Hund. Krambambuli hatte sich mit letzter Kraft vor die Tür seines Herrn geschleppt, ohne sich zu erkennen zu geben, und ist dort an Hunger und Entkräftung gestorben. Hopp wird den Verlust nie verschmerzen.
Die Erzählung geht auf eine wahre Begebenheit zurück. Ein Bruder Marie von Ebner-Eschenbachs rettete einem Hund das Leben, dessen Besitzer ihn erschlagen wollte. Das Tier akzeptierte den neuen Herrn nur schwer und folgte seinem alten, sobald es ihn wieder witterte.
Stil↑
Die Erzählung ist in einem schlichten, gleichmäßig dahinfließenden Ton gehalten, der nahe an der mündlichen Schilderung bleibt. Ebner-Eschenbach baut die Geschichte in knappen Szenen auf – Wirtshaus, Forsthaus, Schloss, Wald. Die Bindung zwischen Mann und Hund lässt sie in wenigen, genau gesetzten Details entstehen. Sie verzichtet auf große Gefühlsworte und überlässt den Handlungen und Blicken das Sprechen. Gerade diese Zurückhaltung gibt der Erzählung ihre Wucht: Was zwischen Hopp und Krambambuli geschieht, wirkt umso eindringlicher, je sparsamer es geschildert wird. Eingebettet ist das Geschehen in eine konkret gezeichnete ländlich-forstliche Welt. Deren Härte – Wildschützen, Strafen, Gewalt – wird ohne Beschönigung gezeigt.
Das tragende Motiv ist die Treue. Die Autorin selbst hat es in den Satz gefasst: „Die Treue ist etwas so Heiliges, dass sie sogar einem unrechtmäßigen Verhältnisse Weihe verleiht.“ Damit ist auch das innere Gerüst des Textes benannt. Der Hund wird mehrfach vor dieselbe Entscheidung gestellt, und jede Wiederholung verschärft den Konflikt, bis er nicht mehr zu lösen ist.
Rezeption↑
Die Novelle Krambambuli wurde zu einer der bekanntesten und meistgelesenen Erzählungen Marie von Ebner-Eschenbachs und überdauerte ihre Entstehungszeit mühelos. Die Geschichte fand früh ihren Weg in den Schulunterricht. Schon 1896 erschien eine deutsche Ausgabe für US-amerikanische Schulen, und bis heute ist der Text in verbreiteten Ausgaben greifbar, etwa bei Reclam. Besonders deutlich zeigt sich die anhaltende Wirkung an den zahlreichen Verfilmungen. 1940 verfilmte Karl Köstlin den Stoff erstmals. Franz Antel griff ihn in den 1950er- und 1960er-Jahren mehrfach auf. 1972 entstand Sie nannten ihn Krambambuli. 1998 brachte Xaver Schwarzenberger mit Tobias Moretti in der Hauptrolle eine weitere Verfilmung heraus. Damit gehört Krambambuli zu jenen Texten der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts, die nicht nur in der Schule, sondern auch im populären Bildgedächtnis lebendig geblieben sind.
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