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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Godan
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Godan
1936
– Werkseintrag –

Godan

1936 · Roman

Ein armer Bauer träumt sein Leben lang von einer eigenen Kuh – und gerät über diesen bescheidenen Wunsch immer tiefer in Schulden und Abhängigkeit.

Überblick

Das Werk Godan ist ein Gesellschaftsroman des indischen Schriftstellers Premchand, der 1936 in Hindi erschien. Es war der letzte vollendete Roman des Autors. Der Titel bedeutet so viel wie die Schenkung einer Kuh. Im Mittelpunkt steht ein armer, alternder Bauer, der sich nichts sehnlicher wünscht als eine eigene Kuh, sie sich aber nicht leisten kann. Der Roman schildert die wirtschaftliche Not und die Ausbeutung der Dorfarmut im kolonialen Indien. Er zählt zu den bekanntesten Werken der modernen indischen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht Hori Mahato, ein armer Bauer in einem indischen Dorf, der sein Leben lang von einer eigenen Kuh träumt. Für ihn bedeutet sie mehr als nur Milch: Sie steht für ein wenig Wohlstand und für Ansehen unter den Nachbarn. Von dem Kuhhirten Bhola erwirbt er schließlich ein Tier – allerdings auf Schulden, achtzig Rupien, die er nicht hat.

Um Hori herum entfaltet sich das ganze Dorf: seine Frau Dhania, sein Sohn Gobar und dessen Familie, dazu Geldverleiher, der Grundherr Rai Saheb und ein Brahmanenpriester, die alle auf ihre Weise über die armen Bauern verfügen. Steuern, Zinsen und die Urteile des Dorfrats lasten schwer auf ihm. Was als bescheidener Wunsch beginnt, zieht Hori Schritt für Schritt tiefer in ein Netz aus Schulden und Abhängigkeit.

Die Handlung im Detail

Der Roman beginnt mit Horis Wunsch, wie viele arme Bauern eine eigene Kuh zu besitzen. Er kauft dem Kuhhirten Bhola ein Tier ab und bleibt ihm dafür achtzig Rupien schuldig.

Horis jüngerer Bruder Heera ist neidisch. Er vergiftet die Kuh und flieht aus Angst vor der Polizei. Als die Beamten den Tod des Tieres untersuchen, nimmt Hori einen Kredit auf und besticht sie, um seinen Bruder von jedem Verdacht reinzuwaschen.

Bholas verwitwete Tochter Jhunia ist von Horis Sohn Gobar schwanger geworden und brennt mit ihm durch. Aus Furcht vor den Dorfbewohnern flieht Gobar in die Stadt. Hori und Dhania bringen es nicht übers Herz, die schwangere Jhunia fortzuschicken – sie trägt ja ihr Enkelkind – und nehmen sie als Schwiegertochter auf. Nach einem persönlichen Angriff des Pandits verhängt der Dorfrat, die Panchayat, eine Strafe über Hori, weil er Jhunia Unterschlupf gewährt hat. Erneut muss er sich Geld leihen, um die Buße zu zahlen.

So häuft Hori bei den örtlichen Geldverleihern einen gewaltigen Schuldenberg an. Schließlich sieht er sich gezwungen, seine Tochter Rupa für nur zweihundert Rupien zu verheiraten, um sein ererbtes Land vor der Zwangsversteigerung wegen unbezahlter Grundsteuer zu bewahren. Seine Entschlossenheit, diese zweihundert Rupien zurückzuzahlen und doch noch eine Kuh zu bekommen, die seinem Enkel Milch geben soll, treibt ihn zu unablässiger Arbeit – bis er an der Überarbeitung stirbt.

Hori verkörpert den geschundenen Bauern, ein Opfer seiner Verhältnisse mit Fehlern und Tugenden zugleich. Trotz aller Härten bleibt er seinen Werten und Pflichten treu. Der Roman endet mit seinem Tod und dem zwiespältigen Erbe, das er hinterlässt – erfüllte und unerfüllte Träume nebeneinander.

Stil

Als breit angelegter Gesellschaftsroman zeichnet das Werk ein wirklichkeitsnahes Bild des indischen Dorflebens unter der Kolonialherrschaft. Premchand lässt die einzelnen Figuren für ganze Schichten stehen: Der Brahmanenpriester Datadin verkörpert die oberste Kaste, die ihre religiöse Macht ausnutzt, während Bauern, Kuhhirten und die Tochter eines Schusters die unteren Ränge des Kastenwesens vertreten.

Der Roman verbindet zwei Welten. Neben dem Schicksal Horis auf dem Land steht das Leben gebildeter Städter – etwa des Herrn Mehta und der Miss Malati, die über Liebe, Ehe und das Verhältnis von Mann und Frau nachdenken. So stellt der Autor das alte, feudale Indien einem moderneren gegenüber.

Mehrere Themen durchziehen das Buch. Da ist die Ausbeutung der armen Bauern durch Grundherren und Geldverleiher, die sie in eine ausweglose Schuldenfalle treibt. Da ist die Benachteiligung der Frauen und die Folge der Industrialisierung mit der Abwanderung junger Menschen in die Städte. Und da ist die Hoffnung auf Ehen über die Kastengrenzen hinweg. Als überzeugter Anhänger sozialistischer Ideen sah Premchand in einer gerechteren Ordnung das Mittel gegen Diskriminierung und Ausbeutung.

Rezeption

Bis heute gilt das Werk als einer der bekanntesten Romane Premchands und als fester Bestandteil der indischen Literatur. Wie seine anderen Romane schildert es die sozialen Kämpfe der unteren Schichten.

Ins Englische wurde der Roman mehrfach übertragen. 1957 erschien eine Fassung von Jai Ratan und Purushottama Lal unter dem Titel The Gift of a Cow. 1968 folgte eine Übersetzung von Gordon C. Roadarmel.

1963 kam eine Hindi-Verfilmung in die Kinos, mit Raaj Kumar, Kamini Kaushal, Mehmood und Shashikala in den Hauptrollen. 2004 wurde der Stoff Teil der Fernsehreihe Tehreer... Munshi Premchand Ki, die auf Werken Premchands beruhte, unter der Regie von Gulzar entstand und vom Sender Doordarshan produziert wurde.

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