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Werkseintrag · Volksmärchen der Deutschen
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Cover Volksmärchen der Deutschen
Volksmärchen der Deutschen
1782
– Werkseintrag –

Volksmärchen der Deutschen

1782 · Märchen

Alte deutsche Sagen und Märchen, die Musäus mit spöttischem Witz neu erzählt – von den Legenden über den Berggeist Rübezahl bis zur Geschichte der böhmischen Herzogin Libussa.

Überblick

Die Sammlung Volksmärchen der Deutschen von Johann Karl August Musäus vereint deutsche Volkssagen und Märchen, die der Verfasser in einem spöttisch-ironischen Ton neu erzählt. Sie erschien in fünf Bänden zwischen 1782 und 1787; die ursprüngliche Schreibweise des Titels lautet „Volksmährchen der Deutschen“. Musäus sammelte überlieferte Stoffe nicht bloß, sondern formte sie zu kunstvollen, mit feinem Witz durchsetzten Erzählungen um. Damit gehört das Werk zu den frühen bedeutenden Sammlungen deutscher Volksüberlieferung, noch vor den späteren Märchensammlungen des 19. Jahrhunderts.

Inhalt (ohne Spoiler)

Versammelt sind in den fünf Bänden mehrere in sich geschlossene Erzählungen, die auf deutschen Sagen und Volksüberlieferungen beruhen. Musäus greift bekannte Stoffe auf und erzählt sie mit spürbarer erzählerischer Freude und ironischem Unterton nach. Zu den einzelnen Geschichten zählen etwa die Erzählungen um Richilde, die Chronik der drei Schwestern, die Geschichte der böhmischen Herzogin Libussa sowie die Erzählung Stumme Liebe. Einen eigenen Schwerpunkt bilden die fünf Legenden vom Berggeist Rübezahl, der im Riesengebirge sein Wesen treibt. Weitere Stücke sind etwa Melechsala, Der geraubte Schleier und Die Nymphe des Brunnens. Jede Erzählung steht für sich und lässt sich einzeln lesen.

Die Handlung im Detail

Angelegt ist das Werk als Reihe voneinander unabhängiger Erzählungen, die über fünf Bände verteilt sind. Es gibt keine durchgehende Rahmenhandlung; jeder Band bündelt mehrere Geschichten, die aus dem Fundus deutscher Sagen und Volksüberlieferung schöpfen.

Wiederkehrend ist die Figur des Rübezahl, eines Berggeistes des Riesengebirges, dem Musäus gleich fünf Legenden widmet. Daneben stehen eigenständige Stücke wie die Erzählung um Richilde, die mehrteilige Chronik der drei Schwestern und die Geschichte der böhmischen Herzogin Libussa. Weitere Erzählungen sind Stumme Liebe, in späteren englischen Fassungen auch als Geschichte eines gespenstischen Barbiers bekannt, ferner Melechsala, Der geraubte Schleier, Die Nymphe des Brunnens sowie Stoffe um einen Schatzgräber und eine Entführung.

Das Verbindende liegt nicht in einer Figur oder einem Ort, sondern in der Erzählweise: Musäus nimmt die überlieferten Stoffe auf und gestaltet sie zu kunstvoll ausgeführten, geistreich zugespitzten Erzählungen um, in denen der eigene Ton des Verfassers stets durchscheint.

Stil

Kennzeichnend für das Werk ist der satirische, ironische Erzählton. Musäus gibt die überlieferten Volkssagen nicht schlicht wieder, sondern erzählt sie mit spöttischem Witz und deutlicher persönlicher Handschrift neu. Aus dem einfachen Sagenstoff wird so eine literarisch durchgeformte Prosa, die den Abstand zwischen Erzähler und Stoff bewusst hörbar macht. Gerade diese Verbindung von volkstümlichem Motiv und kunstvoll-ironischer Darbietung prägt den eigenen Charakter der Sammlung.

Rezeption

Nach dem Tod des Verfassers im Jahr 1787 bat seine Witwe Christoph Martin Wieland, die Erzählungen neu durchzusehen und herauszugeben. Wieland kam dem nach und veröffentlichte die überarbeitete Fassung unter dem Titel Die deutschen Volksmährchen von Johann August Musäus in den Jahren 1804 bis 1805. Das Werk wurde in Deutschland vielfach nachgedruckt, und 1887 erschien eine gekürzte, für Kinder eingerichtete und illustrierte Ausgabe. Eine bekannte bibliophile Ausgabe mit Illustrationen von Ludwig Richter erschien 1842 und in verbesserter Fassung 1845; sie wurde noch im frühen 20. Jahrhundert neu aufgelegt.

Besonders lebhaft war das Nachleben im englischsprachigen Raum. Schon 1791 kam eine erste englische Übersetzung mit fünf der Erzählungen heraus. In den 1820er Jahren, im Zuge des wachsenden britischen Interesses an der deutschen romantischen Literatur, folgten zahlreiche weitere Übertragungen. Ein erneuter Aufschwung setzte in den 1840er Jahren ein, möglicherweise begünstigt durch das gestiegene Interesse an deutschen Überlieferungen nach der Heirat der Königin Victoria mit Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Später fanden einzelne Erzählungen sogar Eingang in bekannte Märchenbücher, etwa in die farbigen Sammlungen Andrew Langs. Bis in die jüngste Zeit erschienen immer neue Übersetzungen und Nacherzählungen einzelner Geschichten.

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