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Werkseintrag · Wendekreis des Krebses
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Cover Wendekreis des Krebses
Wendekreis des Krebses
1934
– Werkseintrag –

Wendekreis des Krebses

1934 · Roman

Ein Ich-Erzähler schlägt sich durch das Paris der frühen dreißiger Jahre – in undatierten Tagebuchnotizen voller offener sexueller Schilderungen, philosophischer Gedanken und derb komisch überzeichnetem Alltag. Wegen der offenen sexuellen Schilderungen war das Buch jahrzehntelang in mehreren Ländern verboten.

Überblick↑

Der Roman Wendekreis des Krebses von Henry Miller erschien 1934 in Paris. Er trägt im Original den Titel Tropic of Cancer und verarbeitet Millers eigene Pariser Jahre. Wegen seiner offenen sexuellen Schilderungen war das Buch jahrzehntelang in mehreren Ländern verboten. In den Vereinigten Staaten führte es zu Prozessen und Freiheitsstrafen, erst in den 1960er Jahren wurde es dort zum Druck freigegeben. Damit gehört es zu den bekanntesten Zensurfällen der modernen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht ein Ich-Erzähler, der sich in Paris durchschlägt. Der Autor schrieb das Buch zwischen 1930 und 1932 und stützte sich dabei zum Teil auf eigene Erlebnisse aus seinen Pariser Jahren. Erzählt wird in der Form undatierter Tagebucheinträge.

Was der Leser vorfindet, ist kein durchlaufender Handlungsstrang, sondern ein Wechsel sehr unterschiedlicher Passagen. Auf deutlich ausgesprochene sexuelle Szenen folgen allgemeine philosophische Überlegungen. Dazwischen stehen Alltagsszenen, die oft ins Surreale und ins derb Komische überzeichnet sind. Wer das Buch aufschlägt, sollte keine geordnete Geschichte erwarten, sondern eine Folge von Bildern, Begegnungen und Gedankengängen aus dem Paris der frühen dreißiger Jahre.

Die Handlung im Detail↑

Das Buch folgt einem Ich-Erzähler durch das Paris der Jahre um 1930. Miller verfasste den Text zwischen 1930 und 1932, teilweise nach eigenen Erlebnissen aus dieser Zeit. Die einzelnen Abschnitte sind wie Tagebucheinträge angelegt, tragen aber keine Daten.

Eine geschlossene Handlung mit Anfang, Steigerung und Auflösung gibt es nicht. Die Chronologie ist nur schwer nachvollziehbar, weil der Erzähler ständig von einem Gedanken zum nächsten springt und assoziative Einschübe in den Erzählfluss einbaut. So stehen eindeutig sexuelle Schilderungen neben philosophischen Betrachtungen, und beides wird von Alltagssituationen unterbrochen, die surrealistisch und burlesk überzeichnet sind. Statt eines Endes im herkömmlichen Sinn bleibt der Eindruck eines fortlaufenden Lebensstroms.

Die Verfilmung von Joseph Strick aus dem Jahr 1970 gibt einen Hinweis darauf, welche Figuren das Geschehen tragen. Rip Torn spielt dort Henry Miller, James T. Callahan die Figur Fillmore und Ellen Burstyn Mona Miller. Um diesen Kreis herum entfaltet sich das Pariser Leben des Erzählers.

Stil↑

Bestimmend ist die Form undatierter Tagebucheinträge. Miller reiht Abschnitte aneinander, ohne sie durch ein festes Zeitgerüst zusammenzuhalten. Der Leser muss sich die Abfolge der Ereignisse selbst zusammensetzen, denn assoziative Elemente unterbrechen den Erzählfluss immer wieder.

Der Ton wechselt dabei stark. Sehr direkte sexuelle Schilderungen stehen unmittelbar neben allgemeinen philosophischen Überlegungen. Alltagsszenen wiederum werden ins Surrealistische gesteigert und burlesk überzeichnet. Aus diesem Gegeneinander von Derbheit, Gedankenspiel und komischer Übertreibung bezieht der Text seine Wirkung.

Rezeption↑

Zu den frühen Fürsprechern zählte George Orwell. In seinem Essay Inside the Whale, auf Deutsch Im Innern des Wals, sprach er 1940 von einem der großartigsten Romane seiner Zeit.

Der Weg des Buches zum Publikum war lang. Der Verleger Jack Kahane brachte es 1934 in seinem englischsprachigen Pariser Verlag Obelisk Press heraus; das Geld für den Druck hatte Millers Geliebte Anaïs Nin beim Psychoanalytiker Otto Rank besorgt. Kahane empfahl den Pariser Buchhändlern, den Band nicht ins Schaufenster zu stellen. In die Vereinigten Staaten durfte das Buch weder eingeführt noch dort gedruckt werden. Es kam zu mehreren Prozessen und Freiheitsstrafen, und erst im Zuge der sexuellen Revolution der 1960er Jahre wurde der Vertrieb dort freigegeben. Auch in Großbritannien war das Werk verboten.

In der Bundesrepublik stand es eine Zeit lang auf dem Index und durfte weder öffentlich angeboten noch beworben werden. Die erste deutsche Ausgabe in der Übersetzung von Kurt Wagenseil erschien 1953 in einer einmaligen, nummerierten Auflage von 1500 Exemplaren. Eine zweite Ausgabe folgte 1962, durchgesehen unter Mitarbeit von Renate Gerhardt und ergänzt um das übersetzte Vorwort von Anaïs Nin.

Joseph Strick verfilmte den Stoff 1970. Miller veröffentlichte 1939 den Roman Wendekreis des Steinbocks. 2011 legte Frederick W. Turner mit Renegade: Henry Miller and the Making of Tropic of Cancer eine Untersuchung zur Entstehung vor, die Jeanette Winterson 2012 in der New York Times besprach. Eine Hörbuchfassung mit dem Sprecher Werner Wölbern erschien 2005.

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