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Werkseintrag · Wem die Stunde schlägt
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Wem die Stunde schlägt
1940
– Werkseintrag –

Wem die Stunde schlägt

1940 · Roman

Drei Tage hinter der Front im Spanischen Bürgerkrieg: Ein amerikanischer Freiwilliger soll eine Brücke sprengen – und findet dabei die Liebe.

Überblick

Der Roman Wem die Stunde schlägt von Ernest Hemingway erschien im Oktober 1940. Die englische Erstausgabe kam beim Verlag Charles Scribner's Sons in New York heraus. Im Original trägt das Buch den Titel For Whom the Bell Tolls. Erzählt wird eine knapp dreitägige Episode aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Das Werk fand rasch ein großes Publikum. In den ersten neun Wochen verkaufte der Verlag rund 189.000 Exemplare, bis zum Frühjahr 1941 waren es fast eine halbe Million. Damit wurde es zu Hemingways meistverkauftem Buch im englischsprachigen Raum. Die erste deutsche Übersetzung stammt von Paul Baudisch und erschien 1941 im Exil-Verlag Bermann Fischer in Stockholm. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Roman auch im deutschsprachigen Raum zum Bestseller.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht der Amerikaner Robert Jordan. Er kämpft im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republik gegen die Truppen von Francisco Franco. Als Sprengstoffexperte erhält er von General Golz einen gefährlichen Auftrag. Er soll hinter den feindlichen Linien eine Brücke sprengen. Der Zeitpunkt ist genau abgestimmt: Die Sprengung soll mit einem Angriff der Republikaner auf die Stadt Segovia zusammenfallen, damit der Gegner keinen Nachschub mehr über die Brücke heranführen kann. Für die Operation sucht Jordan die Hilfe einer Gruppe von Guerillakämpfern um den Anführer Pablo. Doch Pablo hält die Aktion für zu riskant und stellt sich quer. So gerät Jordans Pflichtgefühl in Widerstreit mit dem Widerwillen des Anführers. Zugleich verliebt sich Jordan in María, eine junge Frau aus Pablos Gruppe. Die Handlung umfasst nur rund siebzig Stunden in der letzten Maiwoche des Jahres 1937.

Die Handlung im Detail

Die erzählte Zeit reicht von einem Samstag um die Mittagszeit bis zum darauffolgenden Dienstagmittag. Sie fällt in die letzte Maiwoche des Jahres 1937. In der Rahmenhandlung erteilt General Golz, ein Befehlshaber der Internationalen Brigaden, den entscheidenden Befehl. Robert Jordan, ein amerikanischer Sprengstoffexperte, soll eine Brücke zerstören. Über diese Brücke könnten die Gegner Nachschub an die Front bringen. Die Sprengung soll genau mit dem geplanten Angriff der Republikaner auf Segovia zusammentreffen.

Um an sein Ziel zu gelangen, dringt Jordan hinter die feindlichen Linien vor. Dort sucht er die Zusammenarbeit mit der Guerillagruppe um Pablo. Pablo jedoch wehrt sich gegen das gefährliche Unternehmen, denn er fürchtet um sich und seine Leute. Damit prallen zwei Haltungen aufeinander: Jordans Pflichtgefühl und Pablos Widerstand. Eine zweite Spannung entsteht durch die Liebe, die zwischen Jordan und María aufkeimt. María gehört ebenfalls zu Pablos Gruppe.

Ein großer Teil des Romans wird aus der Sicht Robert Jordans geschildert. Seine Gedanken kreisen nicht nur um den Auftrag. Immer wieder mischen sich Erinnerungen darunter. Er denkt an Begegnungen mit Russen in Madrid sowie an seinen Vater und seinen Großvater. Eine besondere Rolle spielt Pilar, die Frau Pablos, eine energische und urwüchsige Spanierin. Sie berichtet von der Brutalität des Bürgerkriegs. Einmal schildert sie die Gewalt einer aufgebrachten republikanischen Menschenmenge. Ein anderes Mal erzählt sie von den Grausamkeiten nationalistischer Regierungstruppen. So verdichtet der Roman in wenigen Tagen die ganze Härte des Krieges, die Frage nach Pflicht und Gewissen und das kurze Glück einer Liebe inmitten der Gefahr.

Stil

Ein großer Teil der Handlung wird aus der Perspektive Robert Jordans erzählt. Dadurch rückt der Leser dicht an das Denken und Fühlen der Hauptfigur heran. In Jordans Erzählung mischen sich immer wieder Erinnerungen. Sie führen zu früheren Begegnungen und zu seiner Familie und öffnen so den engen Zeitrahmen der Handlung nach hinten. Daneben treten eingeschobene Erzählungen anderer Figuren, vor allem die drastischen Berichte Pilars über den Krieg. Auffällig ist die starke Verdichtung der Zeit. Die eigentliche Handlung umfasst nur rund siebzig Stunden. Auf diesen wenigen Tagen ruht das ganze Gewicht des Romans, und das verleiht den Ereignissen eine große Dichte und Spannung.

Rezeption

Gleich nach dem Erscheinen 1940 fand der Roman viel Beachtung. Die New York Times lobte das Buch als herausragendes und besonders bewegendes Werk über den Spanischen Bürgerkrieg. Sie erklärte es zum ersten größeren Roman des Zweiten Weltkriegs. Im folgenden Jahr wählte die Jury das Werk einhellig für den Pulitzer-Preis aus. Doch Nicholas Murray Butler, der damalige Dekan der Columbia University, drängte auf eine Rücknahme. Ihm galt das Buch als zu anstößig. Der Pulitzer-Preis für den Roman wurde in jenem Jahr deshalb gar nicht vergeben.

Auch im deutschsprachigen Raum fielen die Urteile unterschiedlich aus. Der Journalist und Schriftsteller Erich Pfeiffer-Belli bescheinigte dem Buch 1946 im Ruf „eine aufrichtige Kraft". Er rühmte das künstlerische Erkenntnisvermögen des Autors und sprach vom „Unzerstörbaren im Menschen". Sein Urteil lautete: „Ein gläubiges Buch, ein nervöses, nuancenreiches, konzentriertes, spannendes Buch, voll krasser Realismen, voll zartester Andeutungen." Deutlich kühler urteilte Paul Ingendaay 1999 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ihm erschien der Roman „peinlich gestelzt", überlang und klischeehaft. Bei erneuter Lektüre wirkte der Klassiker auf ihn „alt und ranzig".

Trotz solcher Vorbehalte zählt das Buch zu den bekannten Werken der Weltliteratur. Le Monde nahm es in ihre Liste der hundert Bücher des Jahrhunderts auf. Karl-Heinz Schönfelder rechnete den Roman zu den reifsten Werken Hemingways. Die Figur der María hielt er allerdings für „flach" und „schemenhaft", während er die Zeichnung der übrigen Nebenfiguren lobte.

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