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Cover Wenn der Postmann zweimal klingelt
Wenn der Postmann zweimal klingelt
1934
– Werkseintrag –

Wenn der Postmann zweimal klingelt

1934 · Roman

Ein Landstreicher findet an einer kalifornischen Tankstelle Arbeit und verliebt sich in die Frau seines Chefs: der Beginn einer Geschichte, in der Leidenschaft und Berechnung nicht mehr auseinanderzuhalten sind.

Überblick↑

Der Kriminalroman Wenn der Postmann zweimal klingelt von James M. Cain erschien 1934 in den Vereinigten Staaten. Der Originaltitel lautet The Postman Always Rings Twice. Erzählt wird die Geschichte eines Landstreichers, der an einer kalifornischen Tankstelle Arbeit findet und sich in die Frau seines Chefs verliebt. Die erste deutsche Übersetzung stammt von Hilde Spiel und Peter de Mendelssohn. Sie erschien 1950 im Rowohlt Verlag in Hamburg unter dem Titel Die Rechnung ohne den Wirt. Seit 1981 wird diese Übertragung unter dem heute geläufigen Titel neu aufgelegt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Kalifornien der Weltwirtschaftskrise treibt sich Frank Chambers ohne festes Ziel herum. Er erzählt seine Geschichte selbst. An einer Tankstelle mit angeschlossenem Restaurant stellt ihn der Besitzer Nick Papadakis als Hilfsarbeiter ein. Papadakis ist mit der jungen und anziehenden Cora verheiratet.

Chambers verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Cora ist der eigentliche Grund, warum der Streuner überhaupt bleibt. Auch sie empfindet mehr als bloße Zuneigung für ihn, doch sie fürchtet ihn und sie fürchtet die Folgen, die eine Beziehung nach sich ziehen könnte. Als Papadakis zum Einkaufen in die Stadt fährt, kommen die beiden einander näher.

Chambers drängt Cora, ihren Mann zu verlassen. Sie kehren jedoch zurück, weil Cora ihren Besitz nicht aufgeben will. Von da an führt der Weg der beiden immer tiefer in Schuld und Verdacht hinein.

Die Handlung im Detail↑

Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre schlägt sich Frank Chambers als Vagabund durch. Der Tankstellen- und Restaurantbesitzer Nick Papadakis nimmt ihn als Hilfsarbeiter auf. Papadakis' junge Frau Cora zieht Chambers sofort in ihren Bann; ihretwegen bleibt er überhaupt bei der Arbeit. Cora erwidert seine Gefühle, hat aber Angst vor ihm und vor dem, was aus einer Beziehung folgen könnte. Während einer Einkaufsfahrt des Ehemanns in die Stadt beginnt das Verhältnis zwischen den beiden.

Chambers überredet Cora, ihren Mann zu verlassen. Doch sie kehren um, weil Cora ihr Eigentum nicht hergeben will. Stattdessen beschließen die beiden, Papadakis zu töten. Der erste Versuch misslingt, beim zweiten haben sie Erfolg: Der betrunkene Papadakis stürzt mit dem Auto über eine Klippe. Der Staatsanwalt verdächtigt das Paar, doch ein geschickter Rechtsanwalt bringt beide frei.

Später sind Cora und Chambers gemeinsam mit dem Auto unterwegs. Es kommt zu einem schweren Unfall, bei dem Cora ums Leben kommt. Diesmal handelt es sich eindeutig um ein Unglück, dennoch wird Chambers erneut verhaftet, des Mordes angeklagt und zum Tode verurteilt. Er ist unschuldig, nimmt die Strafe nach dem Verlust Coras jedoch an. So büßt er für den ersten Mord, der ihm nie nachgewiesen wurde.

Stil↑

Erzählt wird durchgehend aus der Sicht der Hauptfigur: Frank Chambers berichtet in der Ich-Form, was ihm widerfährt. Der Leser erfährt also nur, was dieser Mann sieht, denkt und zugeben will.

Bemerkenswert ist der Titel. Im ganzen Buch kommt kein Postbote vor, und es wird auch auf keinen verwiesen. Cain erklärte den Titel aus der Geschichte der Veröffentlichung: Dreizehn Verleger hätten das Manuskript abgelehnt, ehe der vierzehnte zugriff. Auf die Frage nach einem Titel habe er sich auf diese Erfahrung verlassen. Der englische Titel trägt eine doppelte Bedeutung; er meint nicht nur den zweimal klingelnden Postboten, sondern auch, dass es immer eine zweite Chance gibt. Das trifft auf Cain selbst wie auf mehrere Situationen im Buch zu. Da dieses Wortspiel im Deutschen fehlt, wählte man für die Übersetzung zunächst einen anderen Titel. Später setzte sich in Anlehnung an das Original eine bewusste Falschübersetzung durch, denn „Postmann“ ist im Deutschen kein gebräuchliches Wort für den Briefträger.

Rezeption↑

Der Stoff hat das Kino über Jahrzehnte hinweg beschäftigt. Pierre Chenal verfilmte ihn 1939 in Frankreich als Le dernier tournant. 1943 folgte in Italien Luchino Viscontis Besessenheit. Tay Garnett drehte 1946 in den Vereinigten Staaten Im Netz der Leidenschaften, Bob Rafelson 1981 eine Neuverfilmung unter dem deutschen Titel des Romans. Weitere Fassungen entstanden 1998 in Ungarn unter der Regie von György Fehér, 2004 in Malaysia unter U-Wei Haji Saari und 2008 in Deutschland mit Christian Petzolds Jerichow.

Auch abseits der eigentlichen Verfilmungen wirkte das Buch nach. Billy Wilders Filmthriller Frau ohne Gewissen von 1944 greift in freier Form Motive der Romanvorlage auf. Eine Folge der Detektivserie Das Model und der Schnüffler aus dem Jahr 1985 spielt mit ihrem Originaltitel auf Cains Buch an: In zwei Schwarzweiß-Traumsequenzen durchspielen die Hauptfiguren mögliche Lösungen eines alten Mordfalls, dessen Personenkonstellation aus Ehemann, Ehefrau und Liebhaber genau der des Romans entspricht. Der Film The Man Who Wasn't There aus dem Jahr 2001 variiert Cains Motive als Hommage.

Die deutsche Übertragung von Hilde Spiel und Peter de Mendelssohn wird bis heute regelmäßig neu aufgelegt. Der Erfolg der Verfilmung führte dazu, dass der ursprüngliche deutsche Titel ab 1981 dem heute bekannten wich. Mit dem Werk befassen sich unter anderem die Cain-Biographie von Roy Hoopes und ein Aufsatz von Günther Grosser über die Geschichte des Romans.

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