1892 – 1977
James M. Cain
Kurzbiografie↑
Der amerikanische Journalist und Schriftsteller James M. Cain wurde 1892 in Annapolis im Bundesstaat Maryland geboren und starb 1977 in University Park, ebenfalls in Maryland. Bekannt wurde er einem breiten Publikum durch den Roman Wenn der Postmann zweimal klingelt aus dem Jahr 1934. Man zählt ihn gewöhnlich zur sogenannten „harten Schule“ der amerikanischen Kriminalliteratur, auch wenn er sich gegen diese Einordnung immer wehrte. Er gilt als einer der Schöpfer des Roman noir. Seine Bücher handeln von Sex, Verbrechen und Gewalt und wurden mehrfach für das Kino verfilmt.
Biografie↑
Geboren wurde James Mallahan Cain am 1. Juli 1892 in Annapolis in Maryland. Er stammte aus einer irisch-katholischen Familie. Sein Vater war ein bekannter Lehrer, seine Mutter Opernsängerin. Von ihr übernahm er die Liebe zur Musik. Eine eigene Laufbahn als Sänger blieb ihm allerdings verwehrt: Man teilte ihm mit, seine Stimme sei nicht gut genug.
1910 schloss er das Washington-College mit dem Bachelor ab, 1917 erwarb er dort auch den Magistergrad. Danach meldete er sich zur Armee und verbrachte die beiden letzten Jahre des Ersten Weltkriegs in Frankreich. Dort schrieb er für eine Zeitung der Armee. Zurück in den Vereinigten Staaten setzte er seine Arbeit als Journalist fort. Später verfasste er auch Bühnenstücke. Durch die Bekanntschaft mit Henry L. Mencken fand er schließlich zum Roman und blieb bei dieser Form.
Der Durchbruch kam 1934 mit Wenn der Postmann zweimal klingelt. Das Buch stand nach seinem Erscheinen in Boston vorübergehend auf dem Index verbotener Schriften. Es sollte mehrfach verfilmt werden. Eine Verfilmung stammte vom italienischen Regisseur Luchino Visconti; sie erwähnte Cain nicht einmal ausdrücklich, weil die Filmrechte nicht erworben worden waren. Die amerikanische Fassung mit John Garfield und Lana Turner gilt als ein Meisterwerk des Film noir. Die heute bekannteste Fassung mit Jack Nicholson und Jessica Lange gilt dagegen als wenig inspirierte Bearbeitung, die vor allem vom Spiel ihrer Darsteller und von der berühmt-berüchtigten Küchentisch-Szene lebt.
1936 erschien Double Indemnity zunächst als Fortsetzungsgeschichte in der Zeitschrift Liberty, als eigenständiges Buch kam der Roman erst 1943 heraus. Auch hier steht ein ehebrecherisches Paar im Mittelpunkt, das den Ehemann der Frau ermordet und sich anschließend gegenseitig ausschalten will, um den gefährlichen Mitwisser loszuwerden. Ein weiterer bekannter Titel ist Mildred Pierce.
Cain war viermal verheiratet. In dritter Ehe war er mit der Schauspielerin Aileen Pringle verbunden, in vierter Ehe mit der Opernsängerin Florence Macbeth. Er schrieb bis zu seinem Tod. Die meisten Erzählungen, die nach den 1940er Jahren entstanden, reichten jedoch nicht an seine frühen Erfolge heran. Obwohl er Alkoholiker war, erreichte er ein Alter von 85 Jahren. Er starb am 27. Oktober 1977 in University Park in Maryland.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Cains Romane ist eine naturalistische Schilderung des Milieus. Dazu kommen überzeugende psychologische Studien von Figuren, die von ihren Trieben bestimmt werden und sich über die Moral hinwegsetzen. Diese Charaktere folgen dabei einer eigenen inneren Logik. Erzählt wird meist aus der Sicht des kriminellen Täters.
Kritiker haben festgestellt, dass in seinen Erzählungen ein Handlungsmuster immer wiederkehrt: Ein Mann verfällt einer Frau, meist einer Femme fatale, wird durch sie in Verbrechen verstrickt und am Ende womöglich von ihr betrogen. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet Mildred Pierce. Dieses Muster ist allerdings für das gesamte Genre des klassischen Film noir und seiner Romanvorlagen typisch. Unter den Autoren der Hard-boiled School schreibt Cain besonders ausgeprägt über das zerstörerische Misstrauen zwischen Mittätern nach vollbrachter Tat. Diesem Thema hatte sich bereits Émile Zola in seinem Roman Thérèse Raquin von 1867 gewidmet.
Rezeption↑
Gewöhnlich wird Cain mit der „harten Schule“ der amerikanischen Kriminalliteratur in Verbindung gebracht, obwohl er sich gegen dieses Etikett zeitlebens wehrte. Er gilt als einer der Schöpfer des Roman noir. Seine spannenden, oft kriminalistischen Handlungen hatten eine starke Wirkung auf die „tough guy“-Schule des modernen Romans und Films.
Wenn der Postmann zweimal klingelt erregte nach dem Erscheinen Anstoß und landete in Boston vorübergehend auf dem Index verbotener Schriften. Der Stoff wurde mehrfach verfilmt, unter anderem von Luchino Visconti sowie in einer amerikanischen Fassung, die als Meisterwerk des Film noir gilt. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden Cains Bücher verboten; er ist in der Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Publikationen und Autoren verzeichnet.
Sein späteres Werk fand weniger Anklang. Die meisten Erzählungen, die nach den 1940er Jahren entstanden, konnten an die frühen Erfolge nicht mehr anknüpfen.
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