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Werkseintrag · Der Tod ist mein Beruf
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Der Tod ist mein Beruf
1952
– Werkseintrag –

Der Tod ist mein Beruf

1952 · Roman

Ein fiktiver SS-Offizier erzählt sein Leben vom strengen Elternhaus bis zum Kommando über das Konzentrationslager Auschwitz – der Roman fragt, wie aus einem Kind ein Mann werden konnte, der den Massenmord als Dienstauftrag verwaltete.

Überblick↑

Der Roman Der Tod ist mein Beruf von Robert Merle erschien 1952 in Frankreich unter dem Titel La mort est mon métier. Er erzählt das Leben des fiktiven SS-Offiziers Rudolf Lang, der im Zweiten Weltkrieg Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz wird. Vorbild für die Figur war Rudolf Höß; wesentliche Stationen von dessen Lebenslauf sind im Roman nachgebildet. Das Buch fragt danach, wie aus einem Kind ein Mann werden konnte, der den Massenmord als Dienstauftrag verwaltete. 1977 verfilmte Theodor Kotulla den Stoff unter dem Titel Aus einem deutschen Leben.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Erzählt wird das Leben Rudolf Langs von 1913 bis 1945, und zwar von ihm selbst. Zu Beginn ist er ein dreizehnjähriger Junge, der mit den Eltern und zwei Schwestern in einer deutschen Kleinstadt lebt. Der Vater ist kalt und fanatisch religiös und bestraft die Kinder für das kleinste Vergehen; er hat sich in den Kopf gesetzt, dass der Sohn Priester werden soll. Ein Vorfall in der Schule bringt Rudolf dazu, sich vom Glauben abzuwenden.

Nach dem Tod des Vaters und dem Kriegsausbruch träumt der Junge davon, Soldat zu werden. Er kämpft im Ersten Weltkrieg, unter anderem in Mesopotamien und Palästina, und bringt es zum Unteroffizier bei den Dragonern. In diesen Jahren wird für ihn zur festen Überzeugung, dass es auf nichts so sehr ankomme wie auf widerspruchslosen Gehorsam gegenüber Befehlen.

Die Nachkriegszeit bringt Leere, Fabrikarbeit, weitere Kämpfe und schließlich bittere Armut. 1922 tritt Rudolf der NSDAP bei und findet dort Gleichgesinnte. Über Umwege führt sein Weg auf einen Gutshof, in die Ehe, in die Vaterschaft und in die Parteiarbeit. 1934 wird ihm ein Posten in der Verwaltung des Konzentrationslagers Dachau angeboten. Als SS-Offizier macht er Karriere. Im Frühjahr 1940 erhält er den Auftrag, bei der Stadt Auschwitz auf dem Gelände alter Artilleriekasernen ein neues Lager einzurichten – und danach einen zweiten, geheimen Befehl, der alles Bisherige übersteigt.

Die Handlung im Detail↑

Rudolf Lang berichtet sein Leben von 1913 bis 1945 in der Ichform. Als Dreizehnjähriger lebt er mit Eltern und zwei Schwestern in einer deutschen Kleinstadt. Der Vater ist kalt und fanatisch fromm, straft die Kinder hart und glaubt, alle vergangenen und künftigen Sünden der Familie auf sich genommen zu haben. Der Sohn soll Priester werden. Als ein Mitschüler nach einer Rauferei mit Rudolf auf dem Eis stürzt und sich das Bein bricht, beichtet Rudolf dem Schulpriester sofort. Noch am Abend weiß der Vater Bescheid. Rudolf verliert daraufhin endgültig den Glauben. Erst später erfährt er, dass der Priester unschuldig war und das Beichtgeheimnis nicht gebrochen hatte.

Nach dem Tod des Vaters und dem Beginn des Krieges will Rudolf nur noch Soldat werden. Mehrfach versucht er, an die Front zu fliehen; dann arbeitet er in einem Lazarett. Dort lernt er 1916 den Rittmeister Günther kennen, der ihn in sein Dragonerbataillon holt. Rudolf kämpft im Ersten Weltkrieg, unter anderem in Mesopotamien und Palästina. In der Türkei ist er an der Vernichtung arabischer Dörfer samt der Zivilbevölkerung beteiligt. Er wird Unteroffizier bei den Dragonern. In diesen Jahren festigt sich in ihm der Gedanke, dass es auf nichts so sehr ankomme wie auf widerspruchslosen Gehorsam.

Die Kapitulation Deutschlands hinterlässt ihn leer. Er besucht seine Schwestern und seinen Vormund, spürt aber kein Bedürfnis nach Nähe. Eine Zeit lang arbeitet er in einer Fabrik, dann kämpft er im Baltischen Freikorps und ist an der Niederschlagung des Aufstands im Ruhrgebiet beteiligt. Zurückgekehrt versinkt er wieder in Armut und denkt an Selbstmord, weil er keinen Sinn im Leben sieht. 1922 tritt er der NSDAP bei und findet dort Gleichgesinnte. Er beteiligt sich an der Ermordung des Lehrers Walter Kadow und wird zu zehn Jahren Haft verurteilt; 1929 kommt er nach fünf Jahren frei.

Die Partei schickt ihn auf das Gut des Barons von Jeseritz. Rudolf soll einen verwahrlosten Hof im Sumpfgebiet wieder herrichten und dort Pferde versorgen. Er bewältigt die Aufgabe, worauf der Baron ihm den Hof überlässt und ihn dazu drängt, Elsie zu heiraten, die Tochter eines alten Bauern. Jahre schwerer Arbeit folgen, Kinder werden geboren. Daneben arbeitet Rudolf in der örtlichen Parteizelle und stellt aus Bauern der Umgebung eine Kampfschwadron auf. Man schätzt ihn in der Partei; er lernt Himmler kennen. 1934 bietet man ihm einen Posten in der Verwaltung des Konzentrationslagers Dachau an. In wenigen Jahren macht er als SS-Offizier Karriere und erlebt den Beginn des neuen Krieges im Rang eines Hauptsturmführers.

Im Frühjahr 1940 wird Lang nach Polen geschickt. Bei der Stadt Auschwitz soll er auf dem Gelände alter Artilleriekasernen ein Konzentrationslager einrichten. Er erfüllt den Auftrag und wird Sturmbannführer. Dann erhält er von Himmler eine neue, geheime Weisung: Aufgabe des Lagers sei die Vernichtung der dorthin gebrachten Juden, und zwar mindestens zweitausend Menschen pro Tag. Lang entwickelt und verwirklicht einen Plan, die Ankommenden mit dem Gas Zyklon B zu töten, das zuvor zur Bekämpfung von Insekten gedient hatte. Auf dem Lagergelände entstehen zudem Krematorien zur Verbrennung der Leichen. Um die Weihnachtszeit nimmt sich sein Stellvertreter Setzler das Leben, weil er den Geruch verbrannten Fleisches nicht mehr erträgt. Von seiner Frau entfernt Lang sich immer mehr.

Eines Tages hört Elsie zufällig ein Gespräch ihres Mannes mit dem Standartenführer Kellner mit und begreift zum ersten Mal, womit er beschäftigt ist. Der Schock ist gewaltig. Auf ihre Frage, wie er das tun könne, antwortet Lang, er führe lediglich einen Befehl aus und dürfe ihm nicht zuwiderhandeln. Als sie wissen will, ob er auch die eigenen Kinder töten würde, wenn er einen solchen Befehl erhielte, zögert er und bejaht dann ebenfalls.

1943 wird Lang Inspekteur der Lager und zieht nach Berlin. Im Mai 1945, nach der Kapitulation, versucht er mit gefälschten Papieren unterzutauchen. Im März 1946 verhaften ihn die Amerikaner. Lang sagt im Nürnberger Prozess aus. Im Frühjahr 1947 wird er in Warschau vor Gericht gestellt und zum Tod durch den Strang verurteilt, zu vollstrecken in Auschwitz – an dem Galgen, den er selbst für die Häftlinge hatte errichten lassen.

Stil↑

Bestimmend für den Roman ist die Ichform: Rudolf Lang berichtet sein Leben selbst, von der Kindheit 1913 bis zum Ende 1945. Diese Perspektive nimmt dem Leser jeden Abstand. Der Täter erklärt seine Taten mit derselben nüchternen Sachlichkeit, mit der er von Pferden, Hofarbeit und Dienstgraden spricht. Die Zeit wird streng nach Stationen abgeschritten, Jahr um Jahr, Beförderung um Beförderung.

Merle verbindet die Form der Lebensbeschreibung mit der historischen Erzählung. Die wesentlichen Daten aus dem Leben des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß liegen der erfundenen Figur zugrunde. Wiederkehrende Motive halten den Bogen zusammen: der strafende Vater, das Beichtgeheimnis, der Gehorsam als oberster Wert. Was Lang in der Kindheit gelernt hat, wendet er später auf den Massenmord an – und findet daran nichts zu erklären.

Rezeption↑

Das Buch erschien 1952 und gehört zu den bekanntesten Werken Robert Merles. Auf Russisch kam der Roman 1963 in der Übertragung von Horaz Welle heraus; danach wurde er dort erst wieder in den frühen 2000er Jahren aufgelegt.

Bis heute wirkt der Stoff vor allem durch die Verfilmung nach: Theodor Kotulla brachte ihn 1977 unter dem Titel Aus einem deutschen Leben auf die Leinwand.

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