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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Dyskolos
– Werkseintrag –

Dyskolos

· Komödie

Ein menschenscheuer Bauer, der jeden Besucher davonjagt – und ein verliebter junger Mann, der ausgerechnet um die Tochter dieses Griesgrams werben will.

Überblick↑

Das Werk Dyskolos – griechisch für „Griesgram“ oder „Menschenhasser“ – ist eine Komödie des griechischen Dichters Menander. Es ist die einzige seiner Komödien, die fast vollständig erhalten geblieben ist. Zugleich ist es das einzige nahezu komplette Werk der sogenannten Neuen Komödie überhaupt. Überliefert sind 969 Verse in fünf Akten, dazu ein Prolog des Gottes Pan sowie Angaben zur Aufführung und eine Inhaltsangabe. Der Text ruhte auf elf beidseitig beschriebenen, bis auf kleine Lücken gut erhaltenen Papyrusblättern aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Der Genfer Bücherfreund Martin Bodmer erwarb die Abschrift um 1957 und stellte sie der Wissenschaft zur Verfügung. Die Erstausgabe erschien im März 1959. Aufgeführt wurde die Komödie 316 v. Chr. bei den Lenäen und gewann dort den ersten Preis.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Schauplatz ist der Ort Phyle in Attika, wo sich eine heilige Grotte des Hirtengottes Pan befindet. Auf der einen Seite liegt der Hof des Bauern Knemon, eines mürrischen Einzelgängers, der dort mit seiner Tochter und der alten Amme Simiche lebt. Auf der anderen Seite wohnen sein Stiefsohn Gorgias, dessen Mutter Myrrhine – sie hat Knemon wegen seines üblen Wesens verlassen – und der Sklave Daos.

Im Prolog verrät der Gott Pan dem Publikum seinen Plan: Er hat eine Liebe zwischen Knemons Tochter und dem jungen Sostratos, dem Sohn des reichen Kallippides, angestiftet. So will er das Mädchen aus der Armut und der Herrschaft des tyrannischen Vaters befreien. Sostratos möchte um die Tochter werben, doch Knemon verabscheut ihn wie jeden anderen Menschen. Der Stiefbruder Gorgias unterstützt den Verliebten, und ein Sklave rät ihm, sich als Knecht bei dem Griesgram zu verdingen und hart für ihn zu arbeiten, um endlich Anerkennung zu gewinnen.

Es ist eine Charakterkomödie, kein Intrigenstück: Sie lebt von der spöttisch-liebevollen Zeichnung ihrer Figuren, allen voran des unverbesserlichen Sonderlings, der sich mit aller Welt anlegt.

Die Handlung im Detail↑

Der Bauer Knemon lebt zurückgezogen auf seinem Landgut, verbittert und menschenscheu. Seine Frau hat sein Wesen nicht ausgehalten und ihn verlassen; sie brachte ihren Sohn Gorgias mit in die Ehe und lebt nun getrennt von ihm auf der anderen Seite der Pansgrotte. Bei Knemon geblieben sind nur seine Tochter und die alte Amme Simiche.

Pan hat, wie er im Prolog erklärt, den jungen Sostratos in Liebe zu Knemons Tochter entbrennen lassen. Sostratos kommt, um das Mädchen zu freien, doch dem Griesgram ist die Werbung gänzlich zuwider. In den folgenden Szenen legt sich Knemon mit Sklaven und Nachbarn an, und alle sind überzeugt, dass dieser Mann ein Ekel bleiben und sich nie ändern wird. Sostratos, den Gorgias in seiner Werbung unterstützt, glaubt selbst kaum noch an einen Erfolg. Auf den Rat von Gorgias' Sklave hin verdingt er sich als Knecht und arbeitet schwer, um sich Ansehen zu verschaffen.

In Pans Grotte soll ein Opfermahl vorbereitet werden. Als der Koch Sikon bei Knemon einen Topf ausleihen will, wird er von dem Rüpel prompt davongejagt. Zu dem Fest sind auch Sostratos' Eltern geladen, und Sostratos beschließt, gemeinsam mit Gorgias und dessen Sklaven Daos zu kommen.

Dann stürzt die klagende Simiche herbei: Sie sollte Wasser aus dem Brunnen schöpfen, doch fiel ihr der Krug hinein, und ebenso die Hacke, mit der sie ihn wieder herausangeln wollte. Mit eben dieser Hacke aber soll sie auf Knemons Befehl sofort den Stall ausmisten. Beim Versuch, Hacke und Krug selbst aus dem Brunnen zu holen, fällt Knemon ins Wasser. Mit Hilfe von Gorgias und Sostratos gelingt es, den Bauern herauszuziehen.

Nun muss Knemon erkennen, dass er auf die Hilfe anderer angewiesen ist und dass er sich mit seiner Menschenfeindlichkeit vor allem selbst geschadet hat. Er söhnt sich mit seiner Frau aus und gibt seine Tochter dem Sostratos freiwillig zur Frau. Auch stimmt er zu, dass Sostratos' Schwester den Gorgias heiratet. Sein grämliches Wesen freilich wird er wohl nicht mehr ablegen.

Stil↑

Das Stück ist eine Charakterkomödie und kein Intrigenstück. Nicht die Auflösung verwickelter komischer Situationen steht im Mittelpunkt, sondern die heiter-ironische Zeichnung verschiedener Menschentypen – vor allem des mürrischen Sonderlings, der sich in seiner Abwehr gegen jede Gemeinschaft verrennt. Der Text ist in Versen gehalten und in fünf Akte gegliedert. Ihm vorangestellt ist ein Prolog, in dem der Gott Pan sich unmittelbar an das Publikum wendet, die Ausgangslage erläutert und seinen Plan verrät. So weiß der Zuschauer von Beginn an mehr als die Figuren und kann verfolgen, wie sich das vorhergesagte Geschehen entfaltet.

Rezeption↑

Bei der Aufführung 316 v. Chr. bei den Lenäen errang die Komödie den ersten Preis. Erst im 20. Jahrhundert kam ein Papyrus aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. zum Vorschein, der den Text nahezu vollständig bewahrt hatte. Der Genfer Bücherfreund Martin Bodmer erwarb die Abschrift um 1957 und öffnete sie der Forschung; 1959 erschien die Erstausgabe. Damit rückte Dyskolos in eine besondere Stellung: Es ist die einzige fast lückenlos erhaltene Komödie Menanders und zugleich das einzige nahezu vollständige Beispiel der gesamten Neuen Komödie, das die Zeit überdauert hat.

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