1965
Dune – die erste Trilogie
Überblick↑
Unter dem Namen Dune – die erste Trilogie fasst man die ersten drei Bücher aus Frank Herberts Dune-Zyklus zusammen: Der Wüstenplanet, Der Herr des Wüstenplaneten und Die Kinder des Wüstenplaneten. Der erste Band erschien zunächst zwischen Dezember 1963 und Mai 1965 als Fortsetzungsgeschichte im amerikanischen Magazin Analog. Eine stark erweiterte Buchfassung kam 1965 heraus. Erzählt wird vom Kampf um einen Wüstenplaneten, auf dem ein Rohstoff gewonnen wird, ohne den das ganze Reich nicht bestehen könnte. Aus diesem Stoff ist über die Jahrzehnte ein weit verzweigtes Erzähluniversum mit Filmen, einer Fernsehfassung und einem Rollenspiel geworden.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt des ersten Bandes steht Paul Atreides, fünfzehn Jahre alt, Sohn des Herzogs Leto I. und seiner Konkubine Jessica. Die Familie erhält vom Padischah-Imperator Shaddam IV. die Lehensherrschaft über Arrakis, einen unwirtlichen Wüstenplaneten. Dort wird das Gewürz Melange geerntet, eine bewusstseinserweiternde und lebensverlängernde Droge, die für die Raumfahrt zwischen den Sternen unentbehrlich ist. Wer Arrakis hält, hält den Schlüssel zur Macht im Reich.
Der Auftrag ist jedoch eine Falle. Das verfeindete Haus Harkonnen hat seit Generationen über den Planeten geherrscht, und der Imperator sieht im beliebten Herzog Leto einen gefährlichen Rivalen. Verrat, Anschläge und abgefangene Waffenlieferungen kündigen den Angriff an, noch ehe die Atreides sich eingerichtet haben. Paul und seine Mutter müssen in die Wüste fliehen und treffen dort auf die Fremen, das zähe Volk der Sandregionen.
Bei den Fremen lernt Paul das Überleben in der Wüste, während er ihnen Kampftechnik und Strategie beibringt. Er begegnet Chani, der Tochter des kaiserlichen Planetologen Liet Kynes. Das Gewürz weckt und verstärkt zugleich seine hellseherischen Gaben, und die Fremen beginnen in ihm den lange erwarteten Erlöser zu sehen. Was daraus folgt, treibt die beiden weiteren Bände an: die Frage, ob ein Mensch, der die Zukunft sieht, sie auch lenken kann.
Die Handlung im Detail↑
In ferner Zukunft hat die Menschheit weite Teile des Weltalls besiedelt. Die Gesellschaft ist feudal geordnet: An der Spitze stehen der Padischah-Imperator und die im Landsraad zusammengeschlossenen Großen Häuser. Seit Butlers Djihad, einem Kreuzzug gegen künstliche Intelligenzen vor über zehntausend Jahren, sind denkende Maschinen verboten. An ihre Stelle sind hochgezüchtete menschliche Fähigkeiten getreten: die rechnenden Mentaten, die Navigatoren der Raumfahrer-Gilde und die Bene Gesserit. Dieser Frauenorden verfolgt ein geheimes Zuchtprogramm, das den Übermenschen Kwisatz Haderach hervorbringen soll. Die Gilde wacht über ihr Monopol auf den Raumflug zwischen den Sternen.
Herzog Leto Atreides erhält die Lehensherrschaft über Arrakis. Seine Konkubine Lady Jessica hat ihm fünfzehn Jahre zuvor einen Sohn statt der vom Orden angeordneten Tochter geboren und damit den Zuchtplan gestört. Die Ehrwürdige Mutter Gaius Helen Mohiam prüft Paul auf seine Menschlichkeit und auf sein Potential zum Kwisatz Haderach. Kaum auf Arrakis angekommen, erkennen die Atreides die Anzeichen eines bevorstehenden Angriffs: verschlüsselte Nachrichten ins Gebirge, eine abgefangene Lieferung von Lasguns, ein Anschlag auf Pauls Leben, Hinweise der Fremen auf einen Verräter in den eigenen Reihen. Die Harkonnen versuchen plump, Jessica als Verräterin hinzustellen, und zerstören eine Gewürzfabrik.
Leto sucht die Nähe zu den Fremen und entsendet nach einer Unterredung mit dem Fremenführer Stilgar den Schwertmeister Duncan Idaho als Botschafter. Den kaiserlichen Planetologen Liet Kynes fasziniert der offen ausgesprochene Plan der Atreides, Arrakis in einen fruchtbaren Planeten zu verwandeln; insgeheim arbeitet er mit den Fremen längst daran. Gurney Halleck knüpft Verbindungen zu den Schmugglern, die illegal Gewürz sammeln, und Leto bietet ihnen Duldung gegen eine geringe Steuer an.
Baron Wladimir Harkonnen und sein Mentat Piter deVries entwickeln unterdessen die Arrakis-Falle. Der Imperator unterstützt sie im Stillen und stellt seine Elitetruppen, die Sardaukar, in Harkonnen-Uniform an die vorderste Front. Getragen wird der Schlag vor allem vom Verrat: Durch Erpressung brechen die Harkonnen die kaiserliche Konditionierung des Suk-Leibarztes Dr. Yueh. Dieser schaltet den Verteidigungsschild von Arrakeen ab und setzt den Herzog mit einem Lähmer außer Gefecht. Zugleich gibt er ihm einen künstlichen Giftgas-Zahn mit, damit Leto sich am Baron rächen kann. Der Versuch scheitert, tötet aber den Mentaten Piter deVries. Die Harkonnen übernehmen wieder die Herrschaft über den Planeten.
Yueh verhilft Jessica und Paul zur Flucht in die Wüste. Über Umwege erreichen sie einen Außenposten der Atreides und werden von Sardaukar entdeckt; Liet Kynes hilft ihnen zu entkommen, Duncan Idaho opfert sich, um die Verfolger aufzuhalten. Als die Harkonnen die Doppelrolle des Planetologen durchschauen, setzen sie ihn ohne Destillanzug in der Wüste aus, wo er bei einer Explosion von Vorgewürzmasse stirbt. Paul und Jessica fliegen mit ihrem Ornithopter in einen Sandsturm und gelten als tot. Von Hitze und Sandwürmern bedrängt, geraten sie an einen Spähtrupp der Fremen, der sie nach einem gefährlichen Aufnahmeritual in den von Stilgar geführten Sietch Tabr bringt.
Dort lernt Paul Chani kennen und lieben, die Tochter von Liet Kynes. Er findet mutige, kampfstarke Krieger vor, denen waffenloser Nahkampf, moderne Taktik und Strategie fehlen; das lehrt er sie, während sie ihm das Überleben in der Wüste beibringen. Jessica wird zur Ehrwürdigen Mutter der Fremen geweiht. Das Ritual verleiht auch ihrer ungeborenen Tochter Alia übernatürliche Seherkräfte. Drei Jahre vergehen. Mit Hilfe des Gewürzes steigert Paul seine hellseherischen Fähigkeiten und lässt sich widerwillig zum Mahdi der Fremen ausrufen, zum Lisan al-Gaib, der „Stimme der Außenwelt“. Für ihre Hilfe im Kampf gegen die Harkonnen verspricht er ihnen den grünen Planeten. Der Baron antwortet mit brutaler Gewalt und will die Fremen ausrotten. Bei einem Streifzug trifft Paul den totgeglaubten Gurney Halleck wieder, der bei den Schmugglern untergekommen war. Chani gebiert Pauls ersten Sohn, doch Sardaukar töten das Kind und verschleppen Alia.
Als sich Imperator, Baron und die Großen Häuser auf Arrakis versammeln, um die Gewürzproduktion wieder in Gang zu bringen, schlägt Paul zu. Mit Atomwaffen sprengt er den schützenden Schildwall der Hauptstadt Arrakeen und greift die kaiserlichen Truppen mit Dutzenden von Sandwürmern an. Die gefangene Alia tötet Baron Harkonnen mit einem Gom-Jabbar. Paul setzt Shaddam IV. fest, droht mit der Vernichtung der gesamten Gewürzproduktion und fordert den Thron. Im abschließenden Messerduell tötet er Feyd-Rautha, den Neffen und Erben des Barons. Er willigt in die Ehe mit Prinzessin Irulan ein und wird Imperator, hält aber Chani die Treue.
Der zweite Roman erschien 1969, auf Deutsch 1971, und trägt resignative Züge. Pauls schrecklichste Visionen werden wahr: Den Dschihad, den er vorhergesehen hat, kann er nicht verhindern. Milliarden Menschen sterben in einem Krieg, der über die Welten hinweg in seinem Namen geführt wird. Das Buch handelt davon, dass selbst ein scheinbar allwissender prophetischer Herrscher einer fanatischen Theokratie nicht Einhalt gebieten kann. Eine Verschwörung gegen ihn lässt Paul als augenlosen Blinden zurück. Er dankt ab und übergibt die Regierungsgeschäfte seiner Schwester Alia, die als Regentin herrscht, bis seine Zwillingskinder Leto und Ghanima volljährig sind. Nach dem Brauch der Fremen geht er als Blinder in die offene Wüste, ein rituelles Opfer für Shai'Hulud, den Sandwurm.
Der dritte Roman von 1976, deutsch 1978, führt das Thema der Zukunftsschau weiter. Pauls Kinder besitzen dieselben visionären Gaben und treten sein Erbe an. Große Teile des Buches handeln davon, wie Leto die Fehler seines Vaters erkennt und deren Folgen zu berichtigen sucht. Auch hier bestimmt eine Verschwörung die Handlung: Verschiedene Machtgruppen, darunter das alte Herrscherhaus Corrino, wollen Alia stürzen, während diese selbst gegen die Zwillinge intrigiert. Um die Menschheit zu retten, tut Leto schließlich jenen Schritt, den sein Vater vermieden hatte. Die Symbiose mit den Sandforellen, einer Vorform der Sandwürmer, macht ihn beinahe unverwundbar und unsterblich. Sie nimmt ihm aber sein Menschsein.
Stil↑
Bestimmend für diese Bücher ist ein bis ins Einzelne durchgearbeiteter Weltentwurf. Herbert erfindet nicht nur einen Planeten, sondern eine ganze Ordnung mit eigener Wirtschaft, eigener Religion und eigenem Wortschatz. Begriffe wie Melange, Sietch, Naib, Destillanzug, Mentat oder Sardaukar werden nicht erklärt, sondern im Erzählen selbstverständlich gebraucht, sodass der Leser die Welt Stück für Stück begreift.
Auffällig sind die Anleihen bei den Sprachen und Religionen des Orients. Der Mahdi, der Lisan al-Gaib als „Stimme der Außenwelt“, das Wort Muad'Dib für den Erzieher: Diese Namen stammen aus dem Arabischen, der Kwisatz Haderach als „Abkürzung des Weges“ verweist ins Hebräische. Dadurch bekommt der Erlösungsglaube der Fremen einen vertrauten, altertümlichen Klang.
Erzählt wird in einem Geflecht aus Intrigen. Verrat, Erpressung und Doppelrollen treiben die Handlung stärker voran als offene Schlachten. Dazu kommt der Blick des Ökologen: Wasser, Sand und Sandwurm sind keine Kulisse, sondern der eigentliche Motor des Geschehens. Über alle drei Bände hinweg verschiebt sich der Ton vom Abenteuer der Rückeroberung hin zur nüchternen, teils resignativen Betrachtung dessen, was Macht und Prophetie anrichten.
Rezeption↑
Weit über die Bücher hinaus hat der Stoff gewirkt. Der Filmregisseur Alejandro Jodorowsky plante eine Verfilmung, die unvollendet blieb. 1984 brachte David Lynch Der Wüstenplanet ins Kino. Später entstand unter der Regie von John Harrison eine Fernseh-Miniserie.
Eine neue Welle setzte Denis Villeneuve in Gang, dessen Dune 2021 und Dune: Part Two 2024 herauskamen. Im selben Jahr 2021 erschien mit Dune: Adventures in the Imperium ein Pen-&-Paper-Rollenspiel in Herberts Welt.
Auch die deutsche Verbreitung verlief in Etappen. Der erste Band erschien 1967 zunächst nur in Teilen auf Deutsch, vollständig dann 1978. Der zweite Band kam 1971 heraus, der dritte 1978.
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