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Werkseintrag · Rebecca
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Cover Rebecca
Rebecca
1938
– Werkseintrag –

Rebecca

1938 · Roman

Eine junge Frau heiratet einen wohlhabenden Witwer und zieht auf seinen Landsitz – wo das Andenken an seine verstorbene erste Frau jeden Winkel beherrscht.

Überblick↑

Der Roman Rebecca erschien 1938 und stammt von der englischen Schriftstellerin Daphne du Maurier. Er wurde gleich nach seinem Erscheinen zu einem sehr großen Erfolg, was die Autorin selbst überraschte. Kurz darauf verfilmte Alfred Hitchcock den Stoff, ebenfalls mit großem Erfolg. Das Buch zählt zu du Mauriers bei ihrem Publikum beliebtesten Werken. Es vereint Züge eines Schauerromans, eines psychologischen Romans und eines Kriminalromans. Erzählt wird von einer jungen Frau, die den wohlhabenden, verwitweten Aristokraten Maxim de Winter heiratet und mit ihm auf dessen Landsitz Manderley zieht. Dort holt sie das Rätsel um Maxims erste Frau Rebecca ein.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

An der Côte d'Azur arbeitet eine junge Frau als Gesellschafterin einer reichen Amerikanerin. In einem Hotel in Monte Carlo lernt sie den wesentlich älteren, verwitweten Maxim de Winter kennen. Er ist zunächst distanziert, interessiert sich dann aber zunehmend für sie. Heimlich treffen sich die beiden, und als die Dienstherrin nach New York zurückkehren will, macht Maxim der jungen Frau einen Heiratsantrag. Sie nimmt ihn an.

Nach den Flitterwochen bringt Maxim seine junge Frau nach Manderley, seinen prächtigen Landsitz. Dort empfängt sie die eigenartige, kühle Haushälterin Mrs. Danvers. Die neue Herrin versucht sich einzuleben, wird aber immer unruhiger. Überall spürt sie den Schatten von Rebecca, Maxims erster Frau, die beim Segeln ums Leben gekommen sein soll. Ständig vergleicht sie sich mit der Vorgängerin, über deren Tod in Manderley niemand offen sprechen mag. Je mehr sie über Rebecca erfährt, desto stärker fühlt sie sich von deren Andenken bedrängt – und Mrs. Danvers zeigt sich zunehmend feindselig.

Die namenlose Ich-Erzählerin schildert das Geschehen im Rückblick. Ein Prolog stimmt darauf ein: Aus zeitlichem Abstand erinnert sie sich an Manderley und deutet an, dass sich dort Schweres zugetragen hat.

Die Handlung im Detail↑

Vorangestellt ist ein Prolog, in dem die namenlose Ich-Erzählerin, inzwischen dem mittleren Alter nahe, berichtet, dass sie mit ihrem Mann in einem bescheidenen Hotel in einem südlichen Land lebt. Der Eröffnungssatz „Last night I dreamt I went to Manderley again“ zählt zu den bekanntesten der Literatur. Der Landsitz Manderley existiert nicht mehr. Nach einer schweren Krise ihrer Ehe haben die Erzählerin und ihr Mann zu einem äußerlich anspruchslosen, aber erfüllten Alltag gefunden.

In einem Hotel in Monte Carlo lernt die als Gesellschafterin angestellte Erzählerin den älteren Maxim de Winter kennen. Sie treffen sich ohne Wissen der amerikanischen Dienstherrin. Als diese nach New York zurückkehren will, macht Maxim einen Heiratsantrag, den die junge Frau annimmt. Nach den Flitterwochen fährt das Paar nach Manderley, wo die eigenartige Haushälterin Mrs. Danvers wartet. Die Erzählerin fühlt sich zunehmend unruhig und vergleicht sich bei jeder Gelegenheit mit Rebecca. Maxims Verwalter Frank Crawley klärt sie über Rebeccas Tod auf: Rebecca war an einem stürmischen Abend mit ihrem Segelboot „Je reviens“ hinausgefahren und nicht zurückgekehrt. Später wurde eine Wasserleiche angespült, die Maxim als Rebecca identifizierte. In Frank findet die Erzählerin einen Freund, auch Maxims Schwester Beatrice ist ihr wohlgesinnt. Mrs. Danvers dagegen wird immer feindseliger.

Einen Höhepunkt bildet der alljährliche Maskenball, der nach einjähriger Pause wieder stattfinden soll. Die Erzählerin will Maxim mit einer besonderen Verkleidung überraschen. Mrs. Danvers rät ihr, das Kleid einer Vorfahrin Maxims nachzubilden, deren Porträt in der Galerie hängt. Heimlich lässt sie Kleid und Perücke aus London kommen. Als sie die Treppe hinabsteigt, sind alle entsetzt, und Maxim verlangt, dass sie sich sofort umzieht. Beatrice erklärt: Rebecca trug beim letzten Ball genau dieses Kleid. Während des Balls und danach spricht Maxim kein Wort mit seiner Frau. Verzweifelt stellt sie Mrs. Danvers zur Rede. In einem Anflug von Wahn will die Haushälterin sie dazu bringen, sich aus dem Fenster von Rebeccas Schlafzimmer zu stürzen. Die Nachricht von einem Schiff in Seenot in der Bucht unterbricht die Szene und rettet der Erzählerin das Leben.

Bei der Bergung des Schiffes finden Taucher ein Bootswrack mit einer Leiche an Bord. Diese wird eindeutig als Rebecca identifiziert. Nun erzählt Maxim seiner Frau die Wahrheit über seine erste Ehe. Er habe Rebecca nie geliebt, sondern gehasst. Nach außen charmant, sei sie im Inneren grausam, gefühllos und verdorben gewesen, was sich ihm wenige Tage nach der Hochzeit offenbarte. Um den Schein zu wahren, gingen beide eine Abmachung ein: Rebecca sollte Manderley zu Glanz verhelfen und das perfekte Ehepaar vorspielen. Tatsächlich reiste sie oft nach London, um ihren Lastern nachzugehen, und hatte unter anderem ein Verhältnis mit ihrem Cousin Jack Favell. Mit der Zeit brachte sie ihre Liebhaber sogar ins Bootshaus von Manderley. Am Abend ihres Todes folgte Maxim ihr dorthin und stellte sie zur Rede. Rebecca deutete an, sie könne von einem anderen Mann schwanger sein; das Kind würde als Maxims Erbe gelten und einmal Manderley übernehmen. Maxim erschoss sie, brachte den Leichnam in die Kabine ihres Segelboots und versenkte das Boot in der Bucht.

Nach dem Fund der Leiche soll eine gerichtliche Untersuchung den Hergang klären. Der Bootsbauer stellt fest, das Boot sei absichtlich zum Sinken gebracht worden. Jack Favell bezichtigt Maxim des Mordes und versucht, ihn zu erpressen. Dann kommt heraus, dass Rebecca am Tag vor ihrem Tod bei einem Arzt in London war: Sie litt an Krebs im fortgeschrittenen Stadium und hätte bald sterben müssen; zudem konnte sie keine Kinder bekommen. Das Gericht sieht darin die Bestätigung eines Selbstmords und stellt die Untersuchung ein. Maxim und die Erzählerin glauben sich endlich frei von Rebeccas Erinnerung und wollen ein neues Leben in Manderley beginnen. Von Frank erfahren sie, dass Mrs. Danvers verschwunden ist. Maxim beschleicht eine böse Vorahnung, und sie brechen sofort auf. Kurz vor dem Landsitz färbt sich der Himmel rot. Die Erzählerin hält es zunächst für die Morgenröte, doch beide erkennen den Widerschein eines Feuers: Manderley brennt.

Stil↑

Obwohl der Roman viele Jahrzehnte nach der klassischen weiblichen englischen Schauerliteratur einer Ann Radcliffe, Mary Shelley oder Charlotte Brontë entstand, ordnet die Fachliteratur ihn einhellig demselben Genre zu. Typische Elemente der Gothic Novel prägen das Buch: der angsterregende Schauplatz Manderley, verängstigte und verstörte Figuren, die Verbindung unheilvoller Ereignisse mit schlechtem Wetter sowie Mrs. Danvers als eine Art Albtraumfigur. Rebecca selbst ist kein wirkliches Gespenst, sucht die Figuren aber in einem übertragenen Sinn wie ein Gespenst heim und verfolgt sie.

Ausdrückliche Bezüge zu anderen Werken enthält der Roman kaum. Deutlich sind die Anklänge an den Griseldis-Stoff und besonders an Charlotte Brontës Jane Eyre. Eine Ausnahme bildet in Kapitel 4 das Zitat aus einem Gedicht von Francis Thompson: „I fled Him, down the nights, and down the days“. Getragen wird das Ganze von der namenlosen Ich-Erzählerin, deren Rückblick den Leser eng an ihre Wahrnehmung bindet.

Rezeption↑

Die Erstausgabe hatte eine Auflage von 20.000 Exemplaren und gehörte zu den drei meistverkauften Büchern des Jahres 1938. Die Begeisterung des Publikums teilten die Kritiker allerdings nicht. Seit über 87 Jahren wird das Buch ununterbrochen verlegt und war bis 2015 in 16 Sprachen übersetzt.

Aus dem Roman leitet sich in der Psychosoziologie der Begriff des „Rebecca-Mythos“ ab. Er bezeichnet die nachträgliche Überhöhung eines Vorgängers – etwa in einer Liebesbeziehung oder im Beruf – und die damit verbundene Geringschätzung des unmittelbaren Nachfolgers.

Der Stoff wirkte vielfach nach. In Danielle Steels Roman Vanished liest die Hauptfigur Rebecca, und auch sonst gibt es Parallelen. Die britische Krimiautorin P. D. James hielt Rebecca im Unterschied zu vielen anderen für das schlechteste Werk der Autorin. Stephen King verbeugte sich in seinem Roman Sara von 1998 vor der Einleitung, die die Erzählerin im Traum in ein verlassenes, verwildertes Manderley zurückversetzt. Der Roman inspirierte Paige Harbisons Buch New Girl von 2012, und Javier Marías spielt in seiner Erzählung Unvollendete Gestalten von 1992 auf die Beziehung zwischen Rebecca und Mrs. Danvers an.

Eine eigene Nachgeschichte hat die Verwendung als Codebuch. Im Zweiten Weltkrieg sollte der Roman bei einer geheimen Operation als Schlüssel für verschlüsselte Nachrichten dienen, kam aber nicht zum Einsatz, weil man im Hauptquartier der Wehrmacht den Code für entdeckt hielt. In der Literatur wurde dieses Motiv wiederholt aufgegriffen: In Ken Folletts Roman Der Schlüssel zu Rebecca nutzt ein deutscher Spion eine Ausgabe des Buches als Code, und in Michael Ondaatjes Der englische Patient führt ein deutscher Spion ein Exemplar als Codebuch mit sich.

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