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Werkseintrag · Die Wolke in Hosen
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Die Wolke in Hosen
1915
– Werkseintrag –

Die Wolke in Hosen

1915 · Lyrik

Ein junger Dichter wartet im Hotelzimmer auf seine Geliebte, und als sie ihm ihre Verlobung ankündigt, bricht aus der unerwiderten Liebe ein wütender Aufschrei gegen Kunst, Religion und die ganze alte Welt hervor.

Überblick

Das Poem Die Wolke in Hosen entstand zwischen 1914 und 1915 und gehört zu den bekanntesten Dichtungen aus Wladimir Majakowskis Zeit vor der Russischen Revolution. Wegen seines Ideenreichtums und der Vielfalt der behandelten Themen zählt es zu den kennzeichnenden Werken dieser frühen Schaffensphase. In vier Teilen verbindet der Dichter die Klage über eine unerwiderte Liebe mit einem heftigen Angriff auf Kunst, Religion und die ganze bestehende Ordnung.

Inhalt (ohne Spoiler)

Aufgebaut ist das Werk als Tetraptychon – ein viergeteiltes Klappbild nach dem Vorbild einer Ikone – dem ein Prolog vorangestellt ist. In diesem Prolog wendet sich der Dichter spöttisch an einen bequemen, satten Leser: Dessen träges Gehirn vergleicht er mit einem übersättigten Bediensteten, der faul auf einem schmutzigen Sofa lümmelt. Solche schlaffen Köpfe will er verhöhnen und aufstacheln.

Der erste Teil führt den Helden in ein Hotelzimmer, wo er auf die geliebte Maria wartet. Als sie erscheint und ihm ihre bevorstehende Verlobung ankündigt, bricht hinter seiner äußerlich ruhigen Miene ein Sturm zerstörerischer Gefühle los, den er in wütende Bilder gießt.

Im zweiten und dritten Teil weitet sich dieser Schmerz zu einem Rundumschlag. Der Held greift die zeitgenössische Dichtung und die Religion an, sagt die Revolution und das Heraufkommen eines neuen, befreiten Menschen voraus. Er gibt sich als ein Zarathustra mit schreienden Lippen, zieht wie ein Prediger auf die Straßen und will den Menschen seine eigene Bergpredigt halten.

Im vierten Teil holt ihn die unerwiderte Liebe wieder ein und treibt seine Auflehnung auf die Spitze.

Die Handlung im Detail

Ein Prolog eröffnet das Poem. Der Dichter richtet seine Verse an einen bestimmten Typ von Leser, dessen Gehirn er mit einem übersättigten Diener vergleicht, der faul auf einem schmierigen Sofa liegt – Sklave seiner reichlich gestillten körperlichen Bedürfnisse. Diese schlaffen, verweichlichten Köpfe will Majakowski verspotten und reizen.

Im ersten Teil hält den Dichter das Warten auf die geliebte Maria in einem Hotelzimmer gefangen. Ihr Eintreffen und die Nachricht ihrer nahen Verlobung lösen in ihm, dessen Gesicht unbewegt bleibt, eine innere Explosion aus: zerstörerische Gefühle und rasende Bilder brechen hervor. Vorbild dieser Maria war Maria Alexandrowna Denissowa, die Majakowski 1913 auf der Reise der Futuristen in Odessa kennengelernt hatte und in die er sich sogleich und maßlos verliebte. Anders als er selbst zeigte sie sich von ihm und den Futuristen wenig beeindruckt, und seine Leidenschaft blieb unerwidert.

Im zweiten und dritten Teil des Tetraptychons lässt der Dichter brutale Angriffe auf die Dichtung seiner Zeit und auf die Religion los. Er prophezeit die Revolution und das Erscheinen einer neuen, befreiten Menschheit. Der Held, der sich selbst zu einem Zarathustra mit schreienden Lippen erklärt, sieht sich als neuen Menschen. Er tritt auf die sprachlosen Straßen hinaus, um seine eigene Bergpredigt zu verkünden – bereit, den Menschen die Seele herauszureißen, sie zu zertreten und blutig wie ein Banner zurückzugeben.

Der vierte und letzte Teil zeigt den Helden erneut von der unerwiderten Liebe gequält. Dieses Leid führt ihn schließlich zum Gottesmord: Gottes Schuld sei es, eine unglückliche Welt geschaffen zu haben, in der unerwiderte Liebe überhaupt möglich ist. Mit dieser Auflehnung gegen den Schöpfer endet das Poem.

Stil

Prägend für das Werk ist seine ungewöhnliche Form. Majakowski gliedert es als Tetraptychon, als vierteiliges Klappbild nach dem Muster einer Ikone, mit einem vorangestellten Prolog. Getragen wird das Ganze von der Stimme eines lyrischen Helden, in dem sich der Dichter selbst erkennen lässt. In einem Steigern von Tönen, Bildern und Visionen hebt sich diese Stimme laut und zugleich schmerzlich an.

Kennzeichnend ist der provozierende, höhnische Ton, der schon im Prolog anschlägt und den Leser reizen will. Dazu treten wütende, ausschweifende Metaphern und eine Fülle religiöser Bilder. Diese religiösen Metaphern sind Ausdruck eines universellen Verlangens nach dem Absoluten, eines Bedürfnisses nach Liebe und einer Regung der Auflehnung – dem Gefühl, kosmisch verlassen und unglücklich zu sein, von Gott nicht geliebt und von einer Frau nicht geliebt. In dieser überschäumenden Bildsprache und im rebellischen Gestus spiegelt sich der Futurismus, dem Majakowski gemeinsam mit David Burljuk und Wassili Kamenski angehörte.

Rezeption

Schon vor der Veröffentlichung trug Majakowski die Verse Anfang 1915 dem Schriftsteller Maksim Gorki vor. Die Zensur des Zarenreichs griff dann tief in das Poem ein: Sie strich große Teile und zwang den Dichter sogar, den Titel zu ändern. Ursprünglich sollte das Werk Der dreizehnte Apostel heißen; daraus wurde Die Wolke in Hosen.

Was die Zensur übrig ließ, erschien zunächst 1915 in einem Almanach und dann, im selben Jahr, bei Osip Brik. Erst nach dem Sturz des Zarenregimes konnte Majakowski im März 1917 die 75 gestrichenen Verse in der Zeitschrift Der neue Satyrikon drucken lassen. Die erste vollständige Fassung kam 1918 in Moskau heraus, im Verlag Asis, den der Dichter selbst mitbegründet hatte. Die gedruckte Ausgabe trug eine Widmung an Lilja Brik, obwohl nicht sie die Eingebung zu diesem Poem gegeben hatte.

Wegen seines Reichtums an Inhalten und Themen gilt das Werk bis heute als eine der kennzeichnenden Dichtungen aus Majakowskis Zeit vor der Revolution.

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