Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · La Guerra Gaucha
Eingang · Werke · La Guerra Gaucha
Cover La Guerra Gaucha
La Guerra Gaucha
1905
– Werkseintrag –

La Guerra Gaucha

1905 · Erzählung

Erzählungen aus dem Kleinkrieg der Gauchos gegen die spanischen Truppen im Norden Argentiniens, geschrieben in der Sprache der Landbevölkerung und mit namenlosen Helden.

Überblick↑

Mit La guerra gaucha legte der argentinische Schriftsteller Leopoldo Lugones 1905 sein erstes Prosabuch vor. Es versammelt Erzählungen über die Gaucho-Milizen, die unter Martín Miguel de Güemes gegen die königstreuen spanischen Truppen kämpften. Heute gilt das Buch als Klassiker der argentinischen Literatur. Zugleich zählt es zu den Werken, in denen sich Lugones' Schreibweise am deutlichsten zeigt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Der Schauplatz des Buches ist der Norden Argentiniens zur Zeit der hispanoamerikanischen Unabhängigkeitskriege. Zwischen 1815 und 1825 führen berittene Gaucho-Verbände unter dem Befehl von Martín Miguel de Güemes einen zähen Kleinkrieg gegen die spanischen Truppen. Lugones erzählt diesen Krieg nicht als durchlaufende Geschichte, sondern in einer Reihe einzelner Erzählungen.

Jede dieser Erzählungen greift eine Episode heraus. Ein junger königstreuer Offizier gerät durch seine Liebe zu einer Witwe in einen Gewissenskonflikt. Ein Landpfarrer nutzt die Glocken seiner Kirche für Zwecke, die seine Gemeinde nicht ahnt. Ein Reiter treibt einen mit Schießpulver beladenen Karren auf ein feindliches Bataillon zu. In einer weiteren Erzählung geht es um einen Hauptmann der Gaucho-Miliz, der lesen kann, in einer anderen um einen Pferdekenner und seine Kunstgriffe. Ein eigenes Stück ist Güemes selbst gewidmet.

Auffällig ist, dass die Helden bei Lugones keine Namen tragen. Nicht der einzelne Kämpfer steht im Mittelpunkt, sondern der Gedanke eines ganzen Volkes unter Waffen.

Die Handlung im Detail↑

Das Buch spielt in der Provinz Salta im Norden Argentiniens während der Unabhängigkeitskriege. In den Jahren zwischen 1815 und 1825 halten die Gaucho-Milizen unter Martín Miguel de Güemes den spanischen Verbänden stand. Statt einer fortlaufenden Romanhandlung reiht Lugones Erzählungen aneinander, die zusammen ein Bild dieses Krieges ergeben.

In der Erzählung „Juramento“ desertiert ein junger königstreuer Offizier aus Liebe zu einer patriotisch gesinnten Witwe und schließt sich der Unabhängigkeitsbewegung an. „Carga“ schildert ein Gefecht, in dem die Gauchos das spanische Lager niederwalzen: Sie treiben Pferde mit brennenden Schweifen in den Feind. In „Al rastro“ lenkt ein einzelner Gaucho einen mit Schießpulver beladenen Karren gegen ein königstreues Bataillon und bringt ihn zur Explosion; anschließend kämpft er gegen die Überlebenden weiter, bis er fällt.

„Dianas“ erzählt von einem Dorfpfarrer, der sich als königstreu ausgibt und mit den Kirchenglocken den Patrioten die Bewegungen der Spanier meldet. „Alerta“ berichtet von einer Weberin auf Seiten der Patrioten, die von Spaniern missbraucht wird, und von einem Botenjungen, der getötet wird. „Sorpresa“ handelt von einem Hauptmann der Gaucho-Milizen, der des Lesens kundig ist. „Un lazo“ widmet sich einem Mann, der Pferde von Parasiten befreit, und den Geheimnissen seines Handwerks. Die Erzählung „Güemes“ gilt dem Anführer aus Salta selbst, dem Oberbefehlshaber der Gaucho-Milizen.

Durch alle Stücke zieht sich ein Grundzug: Die Helden bleiben namenlos. Lugones verstärkt damit den Gedanken vom „Volk in Waffen“. Der Film La guerra gaucha von 1941 wich davon ab und gab seinen Figuren Namen. Regie führte Lucas Demare, das Drehbuch schrieben Ulyses Petit de Murat und Homero Manzi; zu den Darstellern gehörten Enrique Muiño, Francisco Petrone, Ángel Magaña, Sebastián Chiola und Amelia Bence.

Stil↑

Geschrieben ist das Buch in der Sprache der Gauchos. Wer diesen besonderen Jargon nicht kennt, tut sich beim Lesen schwer. Lugones übernimmt Wortschatz und Tonfall der Landbevölkerung und rückt seine Erzählungen damit nahe an die mündliche Überlieferung heran.

Für die Arbeit an dem Buch reiste Lugones eigens in die Provinz Salta. Er wollte die Schauplätze der Kämpfe mit eigenen Augen sehen und aufzeichnen, was die Menschen dort über den Krieg erzählten. Das prägt den Text bis in die Einzelheiten: Landschaft und Natur von Salta werden ausführlich beschrieben, oft über lange Passagen hinweg. Hinzu kommt der epische Grundton, der die Kampfszenen ins Große hebt.

Rezeption↑

Die Wucht der Erzählungen und ihr heldenhafter Zug machten das Buch beim Publikum sehr erfolgreich. Bis heute zählt es zu den Klassikern der argentinischen Literatur und gilt als eines der Werke, an denen sich Lugones' Schreibweise am besten ablesen lässt.

Eine besondere Nachwirkung entfaltete der Stoff im Kino. Nach dem Buch entstand 1941 der Film La guerra gaucha unter der Regie von Lucas Demare. Anders als Lugones, der seine Helden bewusst namenlos ließ, gab der Film den Figuren Namen und Gesichter.

Leopoldo Lugones starb am 18. Februar 1938. Sein Werk ist seit dem 1. Januar 2009 gemeinfrei.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten