Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Axël
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Axël
1890
– Werkseintrag –

Axël

1890 · Drama

Das Drama erzählt von zwei jungen Menschen, die Reichtum, Macht und Liebe verschmähen, weil das Leben ihren Träumen niemals gerecht werden kann.

Überblick↑

Das Drama Axël stammt von Auguste de Villiers de L’Isle-Adam. Es ist in Prosa geschrieben und erschien 1890 in seiner vollständigen Fassung als Buch, ein Jahr nach dem Tod des Autors. In das Werk flossen die gnostische Philosophie, die fantastischen Dichtungen Goethes und das romantische Theater Victor Hugos ein. Im Mittelpunkt stehen zwei junge Menschen, der Held Axël d’Auersperg und Sara de Maupers. Beide sind überzeugt, dass das Leben ihren Träumen niemals gerecht werden kann. Sie weisen Reichtum, Macht und Liebe zurück und suchen im Tod die Ewigkeit. Als Vermächtniswerk seines Verfassers gilt das Stück als eine Art Grundbuch des symbolistischen Theaters.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Zwei junge Menschen, die einander lange nicht kennen, bilden die beiden Pole dieses Dramas. Der erste Akt spielt in der Weihnachtsnacht 1828 in einem Kloster im französischen Flandern. Dort lebt Sara de Maupers, eine reiche Waise und Erbin, die im Kloster erzogen wurde und kurz davor steht, den Schleier zu nehmen. Während der ganzen Feierlichkeit schweigt sie. Erst als der Archidiakon sie fragt, ob sie bereit sei, „das Licht, die Hoffnung und das Leben“ anzunehmen, spricht sie ein einziges Wort: „Nein“.

Der übrige Teil des Stücks führt in den Schwarzwald, in das Schloss des jungen, ebenfalls verwaisten Adligen Axël d’Auersperg. Er lebt zurückgezogen, umgeben allein von betagten Dienern und dem Magier Meister Janus. Ein Vetter drängt ihn an den preußischen Hof, ein alter Diener spricht von einem im Schloss verborgenen Schatz, und Meister Janus möchte den jungen Mann in geheime Lehren einweihen. Axël jedoch stellt allen Verlockungen seinen eigenen Willen entgegen.

Die Handlung im Detail↑

Der erste Akt trägt den Untertitel „Die religiöse Welt“. In der Weihnachtsnacht 1828 soll die reiche Waise Sara de Maupers in einem flandrischen Kloster ihr Gelübde ablegen. Das Kloster ist auf ihr Vermögen aus. Sara bleibt stumm, bis der Archidiakon sie fragt, ob sie „das Licht, die Hoffnung und das Leben“ annehmen wolle. Sie antwortet nur: „Nein“. Allein mit ihr, will der Archidiakon sie in ein Verlies werfen. Doch Sara zwingt den alten Mann, selbst hinabzusteigen, schließt ihn ein und flieht.

Die folgenden Akte spielen in der darauffolgenden Osternacht im Schwarzwald, im Schloss des jungen Adligen Axël d’Auersperg. Der zweite Akt, „Die tragische Welt“, zeigt den Vetter Kaspar, der Axël an den preußischen Hof ziehen will. Von einem Diener erfährt Kaspar, dass im Schloss ein Schatz vergraben liegt. Er versucht, Axël zur Suche zu überreden, doch dieser lehnt ab. Die beiden geraten in Streit, und Axël tötet Kaspar im Zweikampf.

Im dritten Akt, „Die okkulte Welt“, will Meister Janus seinen Schüler in die geheimen Lehren einführen. Er stellt Axël dieselbe Frage, die einst Sara gestellt wurde: ob er bereit sei, „das Licht, die Hoffnung und das Leben“ anzunehmen. Auch Axël antwortet: „Nein“.

Der vierte Akt heißt „Die leidenschaftliche Welt“. Axël beschließt, das Schloss für immer zu verlassen, und steigt in die Gruft hinab, um von den Gräbern seiner Vorfahren Abschied zu nehmen. Dort überrascht er Sara. Sie ist dem Hinweis einer alten Handschrift gefolgt, die von dem verborgenen Schatz spricht. Eine Wand öffnet sich, und ein Schatz aus Edelsteinen, Perlen und Goldmünzen ergießt sich in die Gruft. Axël und Sara kämpfen zunächst miteinander, dann verlieben sie sich ineinander. Sie träumen von der glänzenden Zukunft, die der Schatz ihnen schenken könnte, erkennen aber, dass ihre Träume zu herrlich sind, um im gewöhnlichen Leben Wirklichkeit zu werden. Während die Sonne aufgeht, wählen die Liebenden den gemeinsamen Freitod. Axël spricht die berühmten Worte: Wozu die Träume noch verwirklichen, wenn sie so schön sind? Weiterzuleben wäre nur ein Frevel an sich selbst. Das Leben mögen die Diener für sie besorgen.

Stil↑

In Prosa geschrieben, ist das Werk in vier Akte gegliedert, von denen jeder einen eigenen Untertitel trägt: die religiöse, die tragische, die okkulte und die leidenschaftliche Welt. So durchläuft das Stück vier Stufen menschlicher Erfahrung. Villiers verstand sein Drama ausdrücklich nicht als Bühnenstück. In einem Vortrag erklärte er, an eine Aufführung sei kaum zu denken, das Werk biete allein einen Reiz für die Lektüre, und sein Gegenstand sei die große menschliche Angst vor dem Rätsel des Lebens.

Kunstvoll verknüpft der Text feierliche, gehobene Sprache mit einer symbolisch aufgeladenen Handlung. Die beiden Hauptfiguren begegnen einander gespiegelt: Beiden wird dieselbe Frage nach „Licht, Hoffnung und Leben“ gestellt, und beide antworten mit demselben trotzigen „Nein“. Deutlich sind die Vorbilder zu spüren. Das romantische Theater Victor Hugos, besonders dessen Die Burggrafen, und Goethes Faust haben ebenso eingewirkt wie Richard Wagners Idee des Gesamtkunstwerks, vor allem Tristan und Isolde und Der Ring des Nibelungen.

Rezeption↑

Als Vermächtniswerk Villiers’ hat Axël den Ruf einer Bibel des symbolistischen Theaters erlangt. Die Entstehung zog sich über zwei Jahrzehnte hin. Villiers begann um 1869 mit der Arbeit und legte 1884 in einem Vortrag seine Gedanken zum Stück dar. Einzelne Teile erschienen zuerst in verschiedenen Zeitschriften, eine erste vollständige Fassung veröffentlichte die Zeitschrift La Jeune France in zwei Folgen 1885 und 1886. Bis zu seinem Tod feilte der Autor weiter am Text, ohne ihn endgültig abzuschließen. Als Buch kam das Werk 1890 posthum beim Verleger Quantin heraus. Im selben Jahr schrieb Claude Debussy eine Bühnenmusik dazu, die unveröffentlicht blieb.

Zur ersten Aufführung kam das Drama in Paris am 26. und 27. Februar 1894 im Théâtre de la Gaîté im Viertel Montparnasse. Regie führte Paul Larochelle, der auch die Titelrolle spielte, während Georgette Camée die Sara gab. Später wurde das Stück erneut auf die Bühne gebracht, so 1962 in Paris und 2006 in Québec und Montréal. Für das französische Fernsehen entstand 1970 eine Bearbeitung, die am 9. Mai 1970 ausgestrahlt wurde.

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