Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Azul
Eingang · Werke · Azul
Cover Azul
Azul
1888
– Werkseintrag –

Azul

1888 · Erzählung

Erzählungen und Gedichte, in denen das Blau zur Farbe der Kunst und des Traums wird – der Ausgangspunkt einer neuen Dichtung in spanischer Sprache.

Überblick↑

Das Buch Azul… von Rubén Darío ist eine Sammlung aus Erzählungen und Gedichten. Sie erschien 1888 in Valparaíso in Chile. Der Dichter bündelt darin kurze Prosastücke und lyrische Verse zu einem kunstvollen Ganzen. Häufig wird das Werk als Ausgangspunkt der literarischen Strömung des Modernismo in der spanischsprachigen Dichtung angesehen. Darío selbst sagte später, das Buch habe für ihn den Beginn seines Frühlings bedeutet.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Der Band vereint zwei Kunstformen, die Darío eng miteinander verzahnt: kurze Erzählungen in Prosa und Gedichte. Das Ganze gliedert sich in drei große Teile. Der erste versammelt neun Prosaerzählungen, in denen es um Kunst, Schönheit und Gold ebenso geht wie um den Künstler, der sich einer nüchternen, geldgierigen Welt gegenübersieht. Der zweite Teil trägt den Titel En Chile und enthält eine Reihe sehr kurzer Stücke, die zwischen Erzählung und Prosagedicht schweben. Der dritte Teil, El año lírico (Das lyrische Jahr), umfasst mehrere Gedichte, die den Kreislauf der Jahreszeiten aufnehmen.

Es handelt sich also nicht um eine durchgehende Handlung, sondern um ein Mosaik aus einzelnen Stücken. Wiederkehrend sind der Gegensatz von Kunst und Materie, das Schwärmen für Antike und Schönheit sowie die Farbe Blau, die dem Buch den Namen gibt. Wer Azul… zur Hand nimmt, kann jedes Stück für sich genießen, erkennt aber bald das gemeinsame Empfinden, das alle miteinander verbindet.

Die Handlung im Detail↑

Eröffnet wird die Erstausgabe von 1888 durch ein Vorwort von Eduardo de la Barra. Darauf folgt der Inhalt, aufgeteilt in drei Abschnitte.

Der erste Abschnitt trägt den Titel Cuentos en prosa (Erzählungen in Prosa) und enthält neun Geschichten: El rey burgués (Der bürgerliche König), El fardo (Das Bündel), La ninfa (Die Nymphe), El velo de la reina Mab (Der Schleier der Königin Mab), La canción del oro (Das Lied vom Gold), El rubí (Der Rubin), El palacio del sol (Der Sonnenpalast), El pájaro azul (Der blaue Vogel) und Palomas blancas y garzas morenas (Weiße Tauben und braune Reiher). Diese Erzählungen sind so angeordnet, dass sie eine Einheit bilden und einander aus verschiedenen Blickwinkeln ergänzen. In El rey burgués etwa wird der Dichter von einem tyrannischen, unwissenden und lächerlichen Gönner gedemütigt; in La ninfa bildet die Gestalt der Lesbia das genaue Gegenbild dazu.

Der zweite Abschnitt heißt En Chile und zerfällt in zwei Unterteile, das Álbum porteño (Album aus der Hafenstadt) und das Álbum santiagués (Album aus Santiago). Er enthält zwölf sehr kurze Stücke, deren Faden so dünn ist, dass sie zwischen Erzählung und Prosagedicht schwanken.

Der dritte Abschnitt, El año lírico (Das lyrische Jahr), besteht aus den Gedichten Primaveral (Frühling), Estival (Sommer), Autumnal (Herbst), Invernal (Winter), Pensamiento de otoño (Herbstgedanke, nach Armand Silvestre), A un poeta (An einen Dichter) und Anágke.

Stil↑

Kennzeichnend für das Buch ist die enge Verbindung von Prosa und Vers. Darío lässt die Grenze zwischen beidem bewusst verschwimmen, sodass mehrere Stücke zwischen Erzählung und Prosagedicht stehen. Seine Sprache ist geschliffen, bilderreich und klangvoll, geprägt von der Bewunderung für die Antike und für die französische Literatur, mit der er schon vor seiner Zeit in Chile in Berührung gekommen war.

Die Farbe Blau, die dem Buch den Titel gibt, ist mehr als ein Wort. Darío verband sie mit einer Strophe aus Victor Hugos Werk Les Châtiments und erklärte, das Blau sei für ihn die Farbe des Traums, die Farbe der Kunst, eine hellenische und homerische Farbe. So wird das Blau zum Sinnbild einer reinen, hohen Schönheit.

Eine der wichtigsten formalen Neuerungen ist die Einführung des Alexandriner-Sonetts in die spanische Sprache. An die Stelle des herkömmlichen elfsilbigen Verses tritt der längere Alexandriner, und auch das Reimschema der ersten Strophen wird verändert. Damit öffnete Darío die überlieferte Form für einen neuen Rhythmus.

Rezeption↑

Häufig gilt das Buch als Auslöser des literarischen Modernismo. Diese Sicht wurde von Persönlichkeiten wie Octavio Paz und Ángel Rama sowie von Darío selbst geteilt. Zugleich verweist man auf frühere Werke, die dieser Strömung vorausgingen, etwa Ismaelillo von Martí aus dem Jahr 1882 und Cuentos frágiles von Gutiérrez Nájera aus dem Jahr 1883.

Für Darío bezeichnete Azul… einen Neuanfang. Er sagte später, das Buch habe den Beginn seines Frühlings versinnbildlicht. In der Geschichte der spanischsprachigen Dichtung markiert es einen Wendepunkt hin zu einer neuen, an Schönheit und Klang orientierten Kunst.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten