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Das ist bei uns nicht möglich
1935
– Werkseintrag –

Das ist bei uns nicht möglich

1935 · Roman

Ein Senator verspricht Wohlstand und Größe, gewinnt die Präsidentschaft und baut Amerika in eine Diktatur um, während ein Zeitungsmann aus Vermont dagegen anschreibt.

Überblick↑

Der Roman Das ist bei uns nicht möglich ist die deutsche Fassung von Sinclair Lewis' satirischem Politik-Roman It Can't Happen Here. Das amerikanische Original erschien 1935 bei Doubleday. Die Übersetzung von Hans Meisel kam 1936 als Erstausgabe in Amsterdam heraus. Spätere deutsche Ausgaben folgten 1984 in Leipzig und Weimar sowie 2017 in Berlin. Lewis schildert, wie in den Vereinigten Staaten ein gewählter Präsident eine Diktatur errichtet. Der Roman zählt zu den bekannten politischen Zukunftsentwürfen der amerikanischen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Jahr 1936 zieht der Senator Berzelius „Buzz“ Windrip in den Präsidentschaftswahlkampf. Er verspricht, das Land wieder zu Wohlstand und Größe zu führen, und sagt jedem Bürger 5.000 Dollar im Jahr zu. Windrip gibt sich als Anwalt des „vergessenen Mannes“ und als Hüter „traditioneller“ amerikanischer Werte. Bei der Nominierung der Demokraten setzt er sich gegen den amtierenden Präsidenten Franklin D. Roosevelt durch, im Wahlkampf gegen den Republikaner Walt Trowbridge.

Als Präsident verbietet Windrip abweichende Meinungen und bringt politische Gegner in Konzentrationslager. Eine paramilitärische Truppe, die „Minuten-Männer“, terrorisiert die Bürger. Der Kongress wird entmachtet, die einzelnen Bundesstaaten werden aufgelöst und das Land in Verwaltungssektoren eingeteilt. An deren Spitze stehen Behörden der sogenannten Korpo-Regierung, meist geführt von bekannten Geschäftsleuten oder Offizieren. Rechte von Frauen und Minderheiten werden beschnitten, Angeklagte stehen vor Schaugerichten mit Militärrichtern. Eine Mehrheit der Amerikaner hält all das für schmerzhaft, aber notwendig.

Gegner um Senator Trowbridge gründen den „Neuen Untergrund“. Diese Organisation hilft Verfolgten bei der Flucht nach Kanada und verbreitet Schriften gegen Windrip. Zu ihren Mitstreitern gehört Doremus Jessup, ein Liberaler alter Schule, der sowohl den Korporatismus als auch den Kommunismus ablehnt. In Leitartikeln seiner Zeitschrift The Vermont Vigilance prangert er den Machtmissbrauch an. Der örtliche Bezirksbeauftragte Shad Ledue, früher Jessups Angestellter, trägt seinem alten Arbeitgeber alles nach. Wie weit beide gehen und wie lange sich das Regime hält, entscheidet sich im weiteren Verlauf.

Die Handlung im Detail↑

Das Jahr 1936 bringt Senator Berzelius „Buzz“ Windrip mit einem populistischen Programm in den Präsidentschaftswahlkampf. Er will das Land zu Wohlstand und Größe zurückführen und verspricht jedem Bürger 5.000 Dollar pro Jahr. Als Verfechter des „vergessenen Mannes“ besiegt er bei der Nominierung der Demokraten den amtierenden Präsidenten Franklin D. Roosevelt und anschließend den Republikaner Walt Trowbridge.

Bereits im Wahlkampf hatte Windrip autoritäre Umbauten der Regierung angekündigt. Im Amt verbietet er abweichende Meinungen und sperrt politische Gegner in Konzentrationslager. Er bildet die paramilitärischen „Minuten-Männer“ aus, benannt nach den Milizen des Revolutionskriegs. Eine seiner ersten Handlungen ist die Entmachtung des Kongresses, was viele Bürger und auch die Abgeordneten erzürnt. Proteste beantworten die Minuten-Männer mit Härte und gehen mit Bajonetten gegen Demonstranten vor. Die Korpo-Regierung beschneidet die Rechte von Frauen und Minderheiten, löst die Bundesstaaten auf und teilt das Land in Verwaltungssektoren. Geleitet werden sie von Korpo-Behörden, meist unter prominenten Geschäftsleuten oder Offizieren der Minuten-Männer. Wer eines Verbrechens gegen die Regierung beschuldigt wird, kommt vor Schaugerichte mit Militärrichtern. Eine Mehrheit der Amerikaner befürwortet diese Maßnahmen als notwendige Schritte zur Wiederherstellung der amerikanischen Macht.

Offene Gegner unter Senator Trowbridge gründen den „Neuen Untergrund“, dessen Name an die Underground Railroad anklingt. Die Organisation hilft Dissidenten bei der Flucht nach Kanada und verbreitet Propaganda gegen Windrip. Einer ihrer Rekruten ist Doremus Jessup, ein traditioneller Liberaler, der den Korporatismus ebenso ablehnt wie den Kommunismus, den Windrips Regierung unterdrückt. Jessups Arbeit führt zur Zeitschrift The Vermont Vigilance, in der er in Leitartikeln den Machtmissbrauch anprangert.

Shad Ledue, der örtliche Bezirksbeauftragte und früher bei Jessup angestellt, nimmt seinem alten Arbeitgeber dessen Haltung übel. Er deckt Jessups Tätigkeit auf und lässt ihn in ein Konzentrationslager einweisen. Ledue terrorisiert Jessups Familie, besonders die Tochter Sissy, die er erfolglos zu verführen versucht. Sissy findet Beweise für Ledues korrupte Machenschaften und legt sie Francis Tasbrough vor, einem früheren Freund ihres Vaters und Ledues Vorgesetzten. Tasbrough lässt Ledue in dasselbe Lager bringen, in dem Jessup sitzt. Dort organisieren die von Ledue eingelieferten Häftlinge seine Ermordung. Jessup entkommt, nachdem seine Freunde einen Lagerwächter bestochen haben. Er flieht nach Kanada, arbeitet von dort weiter für den Neuen Untergrund und dient ihm später als Spion, der Informationen weitergibt und die Einheimischen zum Widerstand aufruft.

Windrips Stellung wird mit der Zeit schwächer, weil der versprochene Wohlstand ausbleibt. Immer mehr enttäuschte Amerikaner verlassen das Land, darunter Vizepräsident Perley Beecroft. Auch mit seinem Außenminister Lee Sarason, zuvor sein wichtigster Berater, überwirft sich der Präsident. Sarason und andere Vertraute, unter ihnen General Dewey Haik, greifen nach der Macht und verbannen Windrip nach Frankreich. Sarason folgt ihm im Amt, doch seine verschwenderische und schwache Herrschaft lässt ein Machtvakuum entstehen, in dem Haik und weitere Rivalen miteinander ringen. In einem Putsch führt Haik eine Gruppe von Militäranhängern ins Weiße Haus, tötet Sarason und dessen Mitarbeiter und ernennt sich selbst zum Präsidenten.

Die beiden Putsche zehren langsam an der Macht der Korpos. Haiks Regierung versucht, Patriotismus zu wecken, und beginnt eine Invasion in Mexiko. Die staatlichen Zeitungen verleumden das Nachbarland, zugleich wird eine Masseneinberufung junger Männer angeordnet. Das verärgert viele, die bis dahin treue Korpo-Anhänger gewesen waren. Im ganzen Land kommt es zu Aufständen, weil immer mehr Menschen die Täuschung erkennen. General Emmanuel Coon, ein hoher Offizier Haiks, wechselt mit einem großen Teil seiner Armee zur Opposition und stärkt den Widerstand. Haik kontrolliert weiterhin große Teile des Landes, doch ein neuer Bürgerkrieg bricht aus, während der Widerstand seine Macht im Mittleren Westen zu festigen sucht. Zu Beginn dieses Konflikts arbeitet Jessup als Agent des Neuen Untergrunds in den von den Korpos besetzten Gebieten des südlichen Minnesota.

Stil↑

Angelegt ist das Buch als satirischer Politik-Roman, der die nahe Zukunft erzählt: 1935 geschrieben, spielt er im Jahr 1936 und den darauffolgenden Jahren. Lewis verbindet den Blick auf die große Politik in Washington mit dem Alltag einer Kleinstadt in Vermont. Durch den Zeitungsmann Doremus Jessup und seine Leitartikel bekommt das politische Geschehen eine persönliche Stimme. Für den Umbau des Staates erfindet Lewis eine eigene Sprache, etwa die „Korpo-Regierung“, die Verwaltungssektoren oder die „Minuten-Männer“, deren Name auf die Milizen des Revolutionskriegs anspielt. Auch der Name „Neuer Untergrund“ folgt diesem Verfahren und knüpft an die Underground Railroad an. Die Mittel der Satire liegen dabei weniger im Witz als in der nüchternen Genauigkeit, mit der Wahlversprechen, Schaugerichte und Zeitungslügen nebeneinandergestellt werden.

Rezeption↑

Wie aktuell der Roman wirkte, zeigt die Bühnenfassung von Lewis und John C. Moffitt. Am 27. Oktober 1936 kam sie im Federal Theatre Project zugleich an 21 Theatern in 17 Bundesstaaten heraus. In den USA war das Buch ein Bestseller. Die deutsche Übersetzung von Hans Meisel erschien 1936 in Amsterdam. Die Nationalsozialisten setzten sie auf den Index. 1984 kam das Buch in Leipzig und Weimar heraus, 2017 folgte eine Ausgabe in Berlin. Für das Fernsehen wurde der Stoff 1968 unter dem Titel Shadow on the Land in der Regie von Richard C. Sarafian bearbeitet. Der Roman wird heute zu den dystopischen und politischen Erzählwerken gezählt.

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