Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Sinclair Lewis
Eingang · Autoren · Sinclair Lewis
Porträt Sinclair Lewis
Sinclair Lewis
1885 – 1951
– Autorenporträt –

Sinclair Lewis

1885 – 1951 · 65 Jahre

Satiriker des amerikanischen Kleinstadt- und Mittelstandslebens – 1930 als erster Amerikaner mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzporträt

Harry Sinclair Lewis wurde 1885 in Sauk Centre im US-Bundesstaat Minnesota geboren. Er war ein amerikanischer Schriftsteller und wurde mit gesellschaftskritischen und satirischen Romanen bekannt. Im Mittelpunkt seiner Bücher stehen das amerikanische Kleinbürgertum und der Mittelstand. Deren Enge und Selbstgefälligkeit schilderte er schonungslos. Mit Romanen wie Hauptstraße und Babbitt schuf er einen Typ des amerikanischen Romans, der sich vom britischen Geschmack löste. 1930 wurde ihm als erstem Amerikaner der Nobelpreis für Literatur zugesprochen. Er starb 1951 in Rom.


Biografie

Sinclair Lewis kam am 7. Februar 1885 in Sauk Centre in Minnesota zur Welt. Er war der Sohn eines Arztes. Nach seinem Studium an der Yale-Universität lebte er kurze Zeit in der Helicon Home Colony. Das war eine sozialistische Wohngemeinschaft für Schriftsteller und Intellektuelle, die Upton Sinclair 1906 in Englewood, New Jersey, gegründet hatte. Es folgten zahlreiche Reisen durch Europa. Danach ließ er sich als Journalist und Übersetzer in New York nieder. 1910 begegnete er in Carmel, Kalifornien, dem Schriftsteller Jack London. Er verkaufte ihm mehrere Romanentwürfe, darunter die Grundlage für Londons unvollendeten Roman The Assassination Bureau, Ltd.

Sein literarisches Werk begann 1912 mit dem wenig beachteten Roman Hyke and the Aeroplane. Es schlossen sich Unser Herr Wrenn (1914) und Der Erwerb (1917) an. Den Durchbruch brachte 1920 Hauptstraße, ein satirischer Roman über das Kleinstadtleben in Minnesota. Das Buch wurde zu einem großen kommerziellen Erfolg. Darauf folgten seine bedeutendsten Romane: Babbitt (1922), Dr. med. Arrowsmith (1925) und Elmer Gantry (1927). In diesen Büchern nahm er das amerikanische Kleinbürgertum genau in den Blick. Er klärte seine Leser über die Scharlatanerie in der Medizin oder den Humbug mancher Vertreter der Geistlichkeit auf. Seine ungeschönte Darstellung machte ihn zu einem unpopulären, aber erfolgreichen Schriftsteller. Sie trug ihm den Spitznamen „Der Staubaufwirbler" ein.

Für Dr. med. Arrowsmith wurde Lewis mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Er lehnte ihn jedoch ab. Zur Begründung sagte er, der Preis verlange Werke, die das amerikanische Leben beschönigten, nicht solche, die es ehrlich darstellten. Außerdem lastete ihm noch an, dass 1921 das Komitee seinen Roman Hauptstraße für den Preis vorgeschlagen hatte. Die Universitätstreuhänder hatten ihn jedoch als nicht „gesund" genug verworfen. 1930 erhielt er als erster Amerikaner den Nobelpreis für Literatur. Das Nobelkomitee hob besonders die Romanfigur des Babbitt hervor, die zur Entscheidung für ihn geführt hatte. In seiner Nobelpreisrede wies Lewis auf den fünfzehn Jahre jüngeren Thomas Wolfe und dessen Roman Look Homeward, Angel! hin. 1935 wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt. Politisch unterstützte er das America First Committee, eine isolationistische Bewegung. Sie suchte 1940/41 die Teilnahme der USA am Zweiten Weltkrieg zu verhindern.

Von 1914 bis 1928 war Lewis mit Grace Livingston Hegger verheiratet. Ihr 1917 geborener Sohn Wells, den er nach H. G. Wells benannte, fiel 1944 in Frankreich. Zwischen 1928 und 1942 war er mit der Schriftstellerin und Journalistin Dorothy Thompson verheiratet, der Gründerin der „Weltorganisation der Mütter aller Nationen" (W.O.M.A.N.). Aus dieser Verbindung ging der Sohn Michael (1930–1975) hervor. Sinclair Lewis starb am 10. Januar 1951 in Rom an den Folgen seines fortgeschrittenen Alkoholismus. Ein Roman, an dem er zuletzt arbeitete, blieb unvollendet.


Literarische Merkmale

Kennzeichnend für Lewis ist die genaue, kritische Darstellung des amerikanischen Kleinbürgertums und Mittelstandes. Er schuf einen neuen Typ des amerikanischen Romans, der nicht länger an den britischen literarischen Geschmack anknüpfte. Seine Bücher spiegeln den Bedeutungsverlust des ländlichen Amerikas und seiner Sitten wider. Sie schildern, wie sich Dörfer in Kleinstädte verwandeln. Mit satirischer Schärfe deckte er Vortäuschung und Schwindel auf: etwa die Scharlatanerie in der Medizin oder den Humbug mancher Geistlicher. Diese schonungslose, gesellschaftskritische Haltung prägte sein gesamtes Werk und brachte ihm den Beinamen „Der Staubaufwirbler" ein.


Rezeption

Mit seiner ungeschönten Schilderung des amerikanischen Alltags machte sich Lewis unbeliebt und blieb doch erfolgreich. Hauptstraße wurde 1920 zu einem sensationellen kommerziellen Erfolg. Für Dr. med. Arrowsmith sprach man ihm den Pulitzerpreis zu, den er jedoch ablehnte. 1930 erhielt er als erster Amerikaner den Nobelpreis für Literatur. Das Komitee würdigte dabei besonders die Figur des Babbitt. 1935 wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt. Während der nationalsozialistischen Zeit gehörten seine Werke laut der Deutschen Biographie zu den in Deutschland verbotenen Publikationen.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (14 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten