1898 – 1963
C. S. Lewis
Kurzbiografie↑
Clive Staples Lewis, im Freundeskreis „Jack“ genannt, war ein irischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Er wurde 1898 in Belfast geboren und starb 1963 in Oxford. Lewis lehrte am Magdalen College der University of Oxford und hatte später den Lehrstuhl für englische Literatur des Mittelalters und der Renaissance an der University of Cambridge inne. Einem breiten Publikum ist er vor allem durch seine Kinderbuchserie Die Chroniken von Narnia bekannt, die mehrfach verfilmt wurde. Zugleich zählt er zu den einflussreichsten christlichen Apologeten der Neuzeit.
Biografie↑
Geboren wurde Lewis 1898 im nordirischen Belfast, wo er zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder Warren Hamilton, genannt „Warnie“, aufwuchs. Sein Vater Albert James Lewis war Anwalt und hatte als erster seiner Familie einen akademischen Beruf ergriffen; die Vorfahren stammten aus Wales und lebten von der Landwirtschaft. Die Mutter Florence Augusta Hamilton Lewis, genannt „Flora“, war Pfarrerstochter und hatte an der Queens-Universität Mathematik und Logik studiert. Beide Eltern waren sehr belesen und besaßen eine große Hausbibliothek, die den jungen Jack früh mit der Literatur vertraut machte.
Ein tiefer Einschnitt war die Krebserkrankung der Mutter im Jahr 1908. Sie starb im August 1908 am Geburtstag von Jacks Vater, als der Junge neun Jahre alt war; im selben Jahr starben auch ein Großvater und ein Onkel. Der Vater litt schwer unter den Verlusten und konnte den Kindern kaum Trost geben. Lewis schrieb später: „Mit dem Tod meiner Mutter verschwand alles gefestigte Glück, alles Ruhige und Verlässliche aus meinem Leben.“ In der Folge schickte ihn der Vater auf mehrere britische Internate, unter anderem die Wynyard School in Watford und das Malvern College. Von 1914 bis 1917 erhielt Lewis Privatunterricht bei William Thompson Kirkpatrick, von dessen klarem Denken er stark profitierte.
Im April 1917 begann Lewis sein Studium der Literae Humaniores am University College in Oxford. Wegen des Ersten Weltkriegs musste er es abbrechen und wurde Soldat der britischen Armee. Nach seiner Offiziersausbildung kam er an seinem 19. Geburtstag an die Front in Frankreich. Am 15. April 1918 wurde er bei Mont-Bernanchon durch eine fehlgeleitete englische Granate verwundet und zur Genesung nach England gebracht.
Ab 1919 nahm Lewis seine Studien in Oxford wieder auf. Er legte in den folgenden Jahren Prüfungen in Griechisch und Latein – diese mit Auszeichnung –, in Philosophie und antiker Geschichte sowie in Englisch ab. Bis 1925 war er Philosophiedozent am University College, dann erhielt er eine Fellowship für englische Sprache am Magdalen College, wo er auch J. R. R. Tolkien kennenlernte.
Von seinem vierzehnten Lebensjahr an war Lewis überzeugter Atheist und Materialist gewesen. In den 1920er Jahren durchlief er mehrere philosophische Wandlungen, vom subjektiven Idealismus über den Realismus bis zum englischen Hegelianismus. Zwischen April und Juni 1929 akzeptierte er einen personalen Gott; über diesen Schritt schrieb er, er sei „vielleicht in jener Nacht der niedergeschlagenste und widerwilligste Bekehrte in ganz England“ gewesen. Nach einem langen nächtlichen Gespräch mit Tolkien und Hugo Dyson im September 1931 kam er zu der Überzeugung, die Geschichte Jesu Christi sei ein „wahrer Mythos“. Wenige Tage später, bei einem Ausflug mit seinem Bruder zum Whipsnade Park Zoo, bekehrte er sich endgültig zum Christentum. Zum Bedauern des Katholiken Tolkien blieb er in der anglikanischen Kirche, der auch seine Vorfahren angehört hatten.
Ab dem Herbst 1933 traf sich Lewis mit dem Freundeskreis der „Inklings“, zu dem neben Tolkien und seinem Bruder Warnie auch Owen Barfield, Nevill Coghill, Hugo Dyson und Charles Williams gehörten. Durch Vorlesungen, Veröffentlichungen in christlichen Zeitschriften und Radioansprachen der BBC wurde er einem großen Publikum bekannt. 1948 wurde er Mitglied der Royal Society of Literature und erhielt in den folgenden Jahren drei Ehrendoktorwürden für Theologie und Literatur. Ab 1954 hatte er den Lehrstuhl für Literatur des Mittelalters und der Renaissance in Cambridge inne.
Am 23. April 1956 heiratete Lewis die amerikanische Schriftstellerin Helen Joy Davidman zunächst standesamtlich, um sie und ihre beiden Söhne vor einer Ausweisung aus England zu bewahren. Erst als er von ihrer Krebserkrankung erfuhr, begann er, sie bewusst zu lieben; 1957 folgte eine kirchliche Trauung an ihrem Krankenbett. Joy starb im Juli 1960 im Alter von 45 Jahren, was Lewis in eine tiefe Sinn- und Glaubenskrise stürzte. Diese Erfahrung verarbeitete er literarisch in A Grief Observed (deutsch Über die menschliche Trauer), das er zunächst unter dem Pseudonym N. W. Clerk veröffentlichte. Lewis starb an den Folgen eines Nierenversagens am 22. November 1963, eine Woche vor seinem 65. Geburtstag. Sein Tod wurde in der Presse kaum beachtet, da wenig später das Attentat auf John F. Kennedy geschah und am selben Tag Aldous Huxley starb. Sein Grab befindet sich im Garten der Holy Trinity Church in Headington Quarry.
Literarische Merkmale↑
Neben seinen literaturkritischen Arbeiten verfasste Lewis christlich-apologetische Schriften sowie erzählende Werke, in denen er christliche Symbolik verwendete. Dazu gehören die Kinderbuchserie über das Land Narnia im Genre Fantasy und die Perelandra-Trilogie, die Science-Fiction und Fantasy verbindet. In seinem Erzählwerk ging er immer wieder Fragen christlicher Ethik und Glaubenslehre nach.
Prägend war für ihn der Literaturkreis der Inklings, in dessen Mittelpunkt er stand. Lange war er eng mit Tolkien befreundet, und beide Autoren beeinflussten sich gegenseitig wesentlich. Später kühlte die Freundschaft ab, weil Tolkien die Narnia-Bücher kritisierte; in einigen späten Briefen finden sich sogar heftige persönliche Angriffe. Als sein Vorbild und „Meister“ bezeichnete Lewis vielfach den schottischen Pfarrer und Schriftsteller George MacDonald, den er in dem Buch Die große Scheidung sogar als Figur auftreten ließ.
Zu seinen erzählenden Werken zählt der Roman Du selbst bist die Antwort (Originaltitel Till We Have Faces), eine Nacherzählung des Mythos von Amor und Psyche aus der Sicht von Psyches Schwester; manche Literaturkritiker halten ihn für sein bestes Werk. Im Februar 1943 hielt Lewis an der Universität von Durham eine dreiteilige Vorlesungsreihe, die später unter dem Titel The Abolition of Man (deutsch Die Abschaffung des Menschen) erschien und als sein bekanntestes fachliterarisches Werk gilt. Darin kritisierte er Schulmaterial, das die Schüler zu einer Weltanschauung ohne objektive Werte führe. Seine von der BBC ausgestrahlten Vorträge wurden unter dem Titel Mere Christianity (deutsch Pardon, ich bin Christ) gesammelt. Zu theologischen Themen schrieb er zahlreiche Texte, weil er den Eindruck hatte, die Berufstheologen legten die christliche Lehre zu zögerlich und voller „Wenn und Aber“ dar.
Rezeption↑
Bereits zu Lebzeiten war Lewis durch seine Bücher und seine populären Radioansprachen eine bekannte Persönlichkeit in Großbritannien. Nach seinem Tod 1963 geriet er zunächst etwas in Vergessenheit, weil die junge Generation Abstand zur Kultur der Eltern suchte und in ihm die Werte der Vergangenheit verkörpert sah. Zudem war er bei Gelehrten in Oxford wegen seiner populären Werke nicht sonderlich angesehen. In dieser Zeit hatte er nur wenige Fürsprecher, darunter die amerikanischen Episkopalisten Chad Walsh und Walter Hooper, der kurz vor Lewis' Tod dessen Privatsekretär geworden war.
Ende 1974 erwarb die amerikanische Theologin Leanne Payne vom Wheaton College einen Master mit einer Arbeit über den Heiligen Geist im Werk von Lewis. Sie wurde danach Assistentin des Anglisten Clyde Samuel Kilby, der am College für die Lewis-Buchsammlung verantwortlich war, die später den Namen Marion E. Wade Center erhielt. Payne katalogisierte die unveröffentlichten Briefe des Autors und wurde so zu einer profunden Kennerin und Vermittlerin seines Werks.
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